Regionalforum

Dass auch die mittelhessischen Unternehmen auf einem guten Weg sind, sich Demografie-fit zu machen, bewies das Regionalforum „Mittelhessen auf dem Weg“, bei dem kürzlich acht hochrangige Unternehmensvertreter zeigten, mit welchen Mitteln sie dem demografischen Wandel den Kampf ansagen. Auf Einladung des mittelhessischen Regionalmanagements waren zahlreiche Interessierte aus Industrie und Handwerk in die Aula der Justus-Liebig-Universität nach Gießen gekommen, um sich selbst ein Bild von den guten Beispielen anderer zu machen und um diese exzellente Austauschplattform zu nutzen.

Möglich wurde die Veranstaltung im Rahmen des Bundesprogramms „Gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand“ aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF). Im Fokus standen die fünf Themenbereiche Betrieblicher Gesundheitsschutz, Personalgewinnung und -bindung, Personal- und Kompetenzentwicklung, Führungs- und Unternehmenskultur, Work-Life-Balance sowie die Integration in die Managementsysteme. Durch den Abend führte Thomas Merten vom „Faktor 10 – Institut für nachhaltiges Wirtschaften gemeinnützige GmbH“.

Wie macht sich Mittelhessen Demografie-fit?

Stefan Waldschmidt von der Marburger Pharmaserv GmbH & Co. KG berichtete eingangs über seine Suche nach Lösungen, um den Krankenstand der Mitarbeiter zu senken. Gemeinsam mit den mehr als 400 Angestellten will sein Unternehmen die Gesundheit durch Prävention verbessern.

Alfred Metz von der Rinn Beton- und Natursteine GmbH & Co. KG kämpft hingegen mit dem vergleichbar schlechten Image seiner Branche, in der es häufig laut und staubig zugehe. Vieles könnten zwar Maschinen erledigen, doch auch die müssten von Menschen bedient werden. Sein Ziel sei es, dass die Mitarbeiter zufrieden zur Arbeit kämen.

„Anders als bei Rinn werden unsere Produkte vom Endkunden nicht wahrgenommen“, schilderte Eva Pakulla die Ausgangssituation des Folienherstellers DUO PLAST aus Lauterbach. Pakulla, die bei Projektbeginn selbst noch Auszubildende war, nutzt heute ihre Nähe zur Jugend, um Arbeitskräfte zu gewinnen. Sie organisiert den Besuch von Schulklassen, Praktika und Betriebsbesichtigungen und berichtet nicht ohne Stolz davon, dass die Maßnahmen bereits erste Erfolg sehen lassen.

Die Bewerber der MNT Revision und Treuhand GmbH aus Limburg kommen aus ganz Deutschland, bleiben aber meist nicht lange, berichtete Elmar Bouillon. Ähnlich wie andere Unternehmen der Beratungs-Branche, beklagt er den häufigen Personalwechsel. „Unser Ziel ist es, das zu ändern“, sagt Bouillon. MNT informiere seine Mitarbeiter nun auch während Erziehungs-Zeiten oder nach Verlassen des Unternehmens mit einem Newsletter. Das zahle sich aus, denn einige hätten bereits signalisiert, erneut in dem Unternehmen arbeiten zu wollen.

Gesundheit, Zufriedenheit und Nähe sollen künftig vermehrt Fachkräfte in die Albert Weil AG Limburg führen. Für die Bauunternehmung, die derzeit 470 Mitarbeiter hat, steht der Betriebliche Gesundheitsschutz deshalb im Vordergrund. Elisabeth Schneider bedauerte, dass man sich im Baugewerbe mit der Erschließung von weiblichem Personal immer noch schwer tue.

„Sie hatten heute bestimmt schon einen Griff von uns in der Hand“, scherzte Andreas Dauer von der weltweit agierenden HOPPE AG zum Einstieg seiner Erläuterungen, ehe er sein Familien-Unternehmen als sehr wertebasiert darstellte.

Martin Schöne von der Limburger Mundipharma GmbH berichtet von den Vorteilen, die ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeit und Freizeit mit sich bringt. Bei einem durchschnittlichen Mitarbeiter-Alter von 45 Jahren und 65 Prozent Frauenanteil beschäftigten sich die Verantwortlichen derzeit hauptsächlich damit, wie den Mitarbeitern die Pflege von Angehörigen ermöglicht werden könne.

Dass die Mittelhessen kluge Köpfe sind, deren Knowhow es zu nutzen gelte, bestätigte auch Dr. Rolf Slatter vom High-Tec-Unternehmen Sensitec GmbH. Ein in Lahnau entwickeltes Produkt sei beispielsweise im Mars Rover verbaut worden. Um auch weiterhin innovativ zu bleiben, komme es jetzt darauf an, dass die knapp 150 Mitarbeiter des Unternehmens rechtzeitig ihre Kenntnisse und Fertigkeiten weiter entwickeln könnten. Dafür nutze man ein internes Kompetenz-Management.

Alle geschilderten Ansätze und das gemeinsame Handeln bewertete Claudia Knobel vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur der Frankfurter Goethe-Universität sehr positiv: „Mit einer vorausschauenden Strategie ließe sich die Fach- und Arbeitskräfte-Sicherung am besten betreiben. Bereits heute gäbe es aber auch in Mittelhessen Engpässe, so Knobel, zum Beispiel im Handwerk, der Logistik, der Touristik und den Gesundheitsfachberufen. „Durch Verbesserung der Arbeitsbedingungen können Sie als Arbeitgeber attraktiver werden. Wenn dann noch eine gute Versorgung mit Infrastruktur dazukommt und Leben wie auch das Arbeiten in Kombination gut möglich sind, dann können Sie zusätzlich noch neue Potentiale erschließen!“

Regierungspräsident Dr. Lars Witteck empfahl mit einem klaren Statement für die Region, als eine der drei größten akademischen Zentren in Hessen: „Wir alle müssen - ebenso wie diese acht Beispiel- Unternehmen – auf das Älterwerden der Gesellschaft und damit auch das Altern der arbeitenden Menschen reagieren. Das wird nur gemeinsam gelingen.“ Er wünsche sich, dass sich die Unternehmen weiterhin gut vernetzt und vorbildhaft für den Erhalt von Arbeitskraft in der Region einsetzen mögen und bedankte sich bei den Referenten für die aufschlussreichen Erfahrungsberichte. Dass Mittelhessen bereits auf einem guten Weg ist, bestätigte abschließend Rüdiger Bollweg vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, der dazu aufrief, erfolgreiche Projekte zu kopieren. „Wir setzen auf die Kreativität und Innovation aus dem mittelhessischen Unternehmen!“

 

14.05.2013 
Quelle: Regionalmanagement Mittelhessen GmbH