Neophyten - nichteinheimische Pflanzen

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Der Begriff „Neophyten“ wird allgemein für gebietsfremde, nichteinheimische Pflanzen benutzt. Einheimische Pflanzen sind solche, die natürlicherweise in einem bestimmten Gebiet vorkommen. Nichteinheimische Pflanzen sind somit nicht natürlicherweise in diesem Gebiet entstanden.
Man unterscheidet die Gruppe der nichteinheimischen Pflanzen weiter in Neophyten und Archäophyten. Letztere sind die vor dem Jahr 1492 mit direkter oder indirekter menschlicher Hilfe in ein neues Gebiet gelangten, Neophyten die später hinzugekommenen Pflanzen. Manche Pflanzen wurden als landwirtschaftliche Nutzpflanze (Mais, Kartoffel), als Forstpflanze (Douglasie, Robinie), als Heilpflanze (Kamille) oder als Zierpflanze (Springkraut, Nachtkerze) absichtlich eingeführt. Andere wurden mit Handelsgütern oder durch die weltweite Reisetätigkeit unbeabsichtigt eingeschleppt.

Welche Folgen hat die Einführung von Pflanzen? 

Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Ausbreitung nichteinheimischer Arten weltweit zu den größten Problemen bei der Bewahrung der biologischen Vielfalt zählt. Die gebietsfremden Organismen können einheimische Arten verdrängen und damit einen großen Einfluss auf die Flora und Fauna haben. Ein besonderes Augenmerk richten die Experten bei ihren Untersuchungen auf die oben genannten Neophyten. Als problematisch hat sich herausgestellt, dass einigen Neophyten hierzulande natürliche Gegenspieler, Fressfeinde und Krankheiten fehlen und dass sie an ihren Standort - im Gegensatz zu vielen einheimischen Pflanzen - keine besonderen Ansprüche stellen. Ihre Verbreitung, die über Wasser, Wind und menschliche Eingriffe erfolgt, ist nur schwer einzudämmen.

Neophyten können ökologische und ökonomische Schäden verursachen. Sie gelten als problematisch, wenn sie folgende Kriterien erfüllen:

  • Sie gefährden oder verdrängen einheimische Arten,
  • sie verändern heimische Ökosysteme,
  • sie verursachen wirtschaftliche Schäden und
  • sie gefährden die Gesundheit des Menschen.

Beispiel: Indisches Springkraut
Das Indische Springkraut wurde als Zierpflanze Anfang des 19. Jahrhunderts aus dem Himalaya- Gebiet (Indien) bei uns eingeführt. Durch Samenflug und Ausschwemmen der Samen aus Gärten und Parkanlagen, durch die Entsorgung von Gartenabfällen in der freien Landschaft und durch direkte Aussaat durch Imker (für eine vermeintlich gute Herbsttracht) hat sich die Pflanze bei uns verbreitet.
Durch seine hohe Samenproduktion bildet das Indische Springkraut schnell große, flächendeckende Bestände, in denen keine einheimischen Pflanzenarten aufwachsen können. Es verdrängt die standortgerechte Vegetation, die nicht nur Lebensraum für viele einheimische Tiere ist, sondern in der Nähe von Gewässern auch für eine natürliche Ufersicherung (gegen Erosion) sorgt. Das Indische Springkraut erfüllt diese Funktionen nicht in diesem Maß.

Welche Folgen ergeben sich daraus für unser Handeln? 

Von den insgesamt rund 12.000 „neuen“ Pflanzen haben sich viele in unsere heimische Flora integriert. Sie werden daher kaum als neophytisch wahrgenommen. Einige davon sind aber zu einem ökologischen Problem geworden. Eine Bekämpfung von Problemneophyten kann aus Gründen der allgemeinen Sicherheit (z. B. Erosionsgefahr, s. Indisches Springkraut) oder aus ökologischen Gründen erforderlich sein.

Beim Umgang mit neuen Zier- und Nutzpflanzen sollte darauf geachtet werden, dass sie oder Teile von ihnen nicht in die freie Landschaft gelangen. Das gilt insbesondere bei Pflanzen, die mit Eigenschaften wie „schnellwüchsig“, „ausdauernd“, „bestandsprägend“ oder „anspruchslos“ charakterisiert sind.

Neben der direkten Bekämpfung spielt die Erhaltung und Wiederherstellung einer naturnahen, artenreichen und stabilen Landschaft eine wichtige Rolle. Standortgerechte einheimische Arten sollen gestärkt werden.

Pflanzen gebietsfremder Arten dürfen laut dem Hessischen Naturschutzgesetz (HENatG § 37 Abs. 1) nur mit Genehmigung der Oberen Naturschutzbehörde in der freien Natur angesiedelt werden.

Hessisches Naturschutzgesetz