Wahlsystem

Der Deutsche Bundestag wird ebenso wie der Hessische Landtag nach den Grundsätzen der personalisierten Verhältniswahl gewählt. Auf diese Weise sollen die Vorteile der beiden Wahlsysteme - der Mehrheitswahl und der Verhältniswahl - verbunden werden.

Mit der "Zweitstimme" wird eine Partei gewählt. Sie ist im Wege der Verhältniswahl entscheidend für die parteipolitische Zusammensetzung des Bundestags, da die 598 zu vergebenden Sitze proportional zu den errungenen Zweitstimmen auf die Parteien verteilt werden, die bundesweit entweder mindestens 5 % der gültigen Zweitstimmen erreichen konnten oder mindestens drei Direktmandate über die Erststimme (siehe unten) errungen haben.

Die "Erststimme" wird für einen Kandidaten oder eine Kandidatin im jeweiligen Wahlkreis abgegeben. Der Kandidat, der die meisten Stimmen in diesem Wahlkreis erhalten hat, nimmt einen der durch die Zweitstimmen errungenen Sitz im Bundestag ein. Somit nimmt der Wähler durch die "relative Mehrheitswahl" auf die personelle Zusammensetzung der Fraktionen des Bundestags Einfluss. Deutschland ist in 299 Wahlkreise unterteilt, so dass die Hälfte der insgesamt 598 vorgesehenen Sitze des Bundestages mit den dort gewählten Direktkandidatinnen und -kandidaten besetzt werden.

Die Sitzverteilung erfolgt seit 2009 mittels des Sainte-Laguë/Schepers-Verfahrens.

Die Stadt Gießen gehört dem Wahlkreis 173 an.

Überhang- und Ausgleichsmandate

Ist die Zahl der Direktmandate (gewonnene Wahlkreise durch Erststimme) einer Partei in einem Land größer als die Zahl der Sitze, die ihr auf Grund der Verhältniswahl (Zweitstimme) zustehen, kommt es zu "Überhangmandaten". D. h., diese Kandidaten ziehen trotzdem in den Bundestag ein - die Zahl der Sitze erhöht sich entsprechend.

Da aufgrund dieser Praxis in der Vergangenheit das Phänomen des negativen Stimmgewichts aufgetreten ist, beschloss der Deutsche Bundestag 2011 und 2013 Änderungen hinsichtlich der Berechnungsweise der Sitzverteilung. Auf Basis der jeweils auf die einzelnen Parteien abgegebenen Stimmen, wird für jede Partei eine Mindestsitzzahl errechnet. Die Sitze im Deutschen Bundestag werden dann soweit über die ursprünglichen 598 angehoben bis für jede Partei die errechnete Mindestsitzzahl erreicht wurde. Die Anzahl der Mitglieder des Bundestages kann sich daher auf deutlich mehr als 598 Abgeordnete belaufen.