Informationen zum Bau einer Solaranlage

Die folgenden sieben Punkte sollen Ihnen eine kleine Hilfestellung bei der Planung Ihrer Solaranlage geben. Die Ausführungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern geben nur Denkanstöße zu Fragestellungen rund um Photovoltaik- oder solarthermische Anlagen.

  1. Daten aus dem Solarkataster
  2. Prüfen Sie den Zustand des Daches
  3. Fachbetriebe und Beratung
  4. Angebote einholen
  5. Finanzierungsplanung
  6. Auftragsvergabe
  7. Inbetriebnahme

 

1. Daten aus dem Solarkataster

Vergleichen Sie die Daten aus den Berechnungen des Solarkatasters mit den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort, denn wie jede Fernerkundung können auch Luftbilder und Laserscan-Daten nicht alle kleinflächigen Dachstrukturen wie z. B. Lüftungsrohre oder Leitungen „erkennen“.
Ebenso sollte die zukünftige Situation der Beschattung des Daches bereits jetzt berücksichtigt werden. Sind möglicherweise Bäume so hoch gewachsen, dass sie die Dachfläche beschatten oder wird auf dem Nachbargrundstück gebaut und damit vielleicht die Sonneneinstrahlung auf ihr Dach behindert?
Kalkulieren Sie nur mit einer nutzbaren Dachfläche, die auch in 20 Jahren noch zur Verfügung steht.

 
2. Prüfen Sie den Zustand des Daches

Solaranlagen haben in der Regel eine Lebensdauer von mindestens 20 Jahren. Das Dach Ihres Hauses sollte also in einem guten Zustand und frei von Schadstoffen sein oder für die nächsten Jahre geplante Sanierungsarbeiten sollten vorgezogen werden. So ist z. B. die Installation von Solaranlagen auf Dächern mit Asbestzementeindeckungen nach der Gefahrstoffverordnung nicht zulässig. Für erforderliche Untersuchungen erhalten Sie von der Initiative Gießener Gebäudepass einen Zuschuss in Höhe von 50 Prozent (maximal 200 Euro). Zu einer möglichen Integration der Solaranlage in die Dacheindeckung befragen Sie einen Dachdeckerfachbetrieb.

3. Fachbetriebe und Beratung

Fachbetriebe aus den Bereichen Solaranlagen, Solartechnik, Installation, Dachdecker finden Sie über Branchenbücher, Fachverbände oder die Kreishandwerkerschaft. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die Stadt Gießen keine einzelnen Firmen namentlich empfehlen kann.
Ein qualifiziertes Unternehmen kann immer Referenzobjekte in der Umgebung benennen, die besichtigt werden können.
Eine umfassende Beratung über den energetischen Zustand Ihres Hauses, die Installation einer Photovoltaikanlage oder die Nutzung einer solarthermischen Anlage für die Heizungsunterstützung und die Warmwasserbereitung erhalten Sie bei unabhängigen Energieberatern. Für den Raum Gießen sind dies z. B. die Ingenieure des Gießener Gebäudepasses und die Verbraucherzentrale Hessen. Diese Beratungen sind in der Regel nicht kostenfrei.

4. Angebote einholen

Für die Abgabe eines Angebotes ist immer ein Termin des Vertreters der Fachfirma mit Ihnen vor Ort notwendig, bei dem genau Maß genommen wird, damit das Angebot auf Ihre speziellen Wünsche und Anforderungen ausgelegt werden kann. Besprechen Sie z. B. den Aufstellort für den Wechselrichter, die Leitungsführung von der Anlage auf dem Dach zum Wechselrichter und Zählerkasten und die Erdung der Anlage.
Vor einer Auftragsvergabe empfiehlt es sich, mindestens noch ein weiteres Angebot einzuholen. Dabei ist darauf zu achten, dass die einzelnen Positionen der Angebote miteinander vergleichbar sind.
Bei der Angebotsauswertung kann es hilfreich sein – ähnlich wie bei der Planung – einen unabhängigen Energieberater hinzuzuziehen, damit keine Positionen vergessen werden, aber auch keine Arbeiten durchgeführt werden, die nicht notwendig sind.
Eine genaue Prüfung der Angebote und spätere Bescheinigung der Arbeiten durch einen unabhängigen Energieberater ist vor allem dann erforderlich, wenn Sie für Ihre Solaranlage Zuschüsse oder einen zinsgünstigen Kredit von der kfw-Bank erhalten wollen. In solchen Fällen besteht meist ein Refinanzierungsverbot, d.h. beginnen Sie nie mit den Arbeiten vor Erhalt einer Zuschuss- oder Kreditzusage.
Die Planung der Anlage und die Einholung von Angeboten zählt noch nicht als Baubeginn.

5. Finanzierungsplanung

Sie haben ein Angebot, das Ihren Vorstellungen entspricht und nach realistischer Einschätzung alle erforderlichen Arbeiten enthält.
Lassen Sie sich jetzt von einem Fachmann (entweder Anbieter der Solaranlage oder unabhängiger Energieberater) mit Ihren speziellen Daten den jährlichen Ertrag Ihrer Anlage, die jährliche Einsparung an Energiekosten, mögliche Zuschüsse oder vergünstigte Kredite berechnen oder benennen. Lassen Sie sich beraten, ob in Ihrem Fall eine Eigenstromnutzung wirtschaftlich ist.
Die mit Ihren konkreten Daten ermittelten Erträge für Ihre Photovoltaikanlage können von den im Solarkataster genannten Werten abweichen, da diese Berechnungen lediglich anhand einer Musteranlage vorgenommen wurden. Die Stadt Gießen übernimmt daher keine Gewähr für die Genauigkeit der Werte und die Höhe der veranschlagten Erträge. Sie schließt jegliche Haftung für Sach- und Vermögensschäden aus.
 
Berücksichtigen Sie bei der Planung nicht nur die kurzfristigen Ausgaben, sondern auch Kosten für eine Versicherung der Anlage und mögliche Wartungs- oder Reparaturkosten.

6. Auftragsvergabe

Entscheiden Sie sich für das wirtschaftlichste Angebot (dies muss nicht immer das billigste sein). Beziehen Sie sich bei der Auftragserteilung immer auf das Angebot und halten Sie Vereinbarungen wie z. B. Baubeginn, Fertigstellung der Anlage oder die Verlängerung der Gewährleistungsfrist schriftlich fest.
Denken Sie jetzt daran, die Solaranlage zu versichern, sowohl gegen Schäden an der Anlage (z. B. Aufnahme in die Gebäudeversicherung) als auch Schäden durch die Anlage (Haftpflichtversicherung).

7. Inbetriebnahme

Die Solaranlage wird durch Ihren Installateur in Betrieb genommen. Achten Sie darauf, dass bei Photovoltaikanlagen die Zählerstände festgehalten werden und die Anlage bei der Bundesnetzagentur und dem lokalen Netzbetreiber angemeldet ist, damit Ihnen der erzeugte Strom nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) vergütet wird. Die Photovoltaikanlage ist in der nächsten Steuererklärung zu berücksichtigen.

Schließen Sie für solarthermische Anlagen einen Wartungsvertrag ab, damit jährliche Kontrollen durchgeführt werden. Bei bezuschussten Maßnahmen lassen Sie sich die ordnungsgemäße Installation und Inbetriebnahme bescheinigen.