Naturschutzgebiet Hangelstein

Naturräumliche Einordnung

Als einer der westlichsten Basaltkegel des Vogelsbergvulkanismus erhebt sich der Hangelstein am Rande des Gießener Beckens in eine Höhe von 305 m. Seine Hänge sind steil geneigt und durch einige tief eingeschnittene kleine Täler zu einem bewegten Relief geformt. Stellenweise treten Felsen an die Oberfläche. Einige davon zeigen Säulenbasalt.

Geschichte der Unterschutzstellung

Der Hangelstein ist ein vielfältiges und artenreiches Waldgebiet von herausragender Bedeutung. Seit mehr als zweieinhalb Jahrhunderten ist der Berg für seine Vorkommen seltener Pflanzenarten bekannt. Viele Botaniker und Naturkundler haben den Hangelstein erkundet, so auch der Frankfurter Arzt und Naturforscher Johann Christian Senckenberg (1707-1772). Voraussetzung für das reiche Vorkommen seltener Pflanzenarten ist das allgemein trocken-warme Klima am Hangelstein, das an den steil in südliche Richtungen geneigten Hängen noch verstärkt wird.

Waldvegetationstypen im Schutzgebiet

Eine Besonderheit am Hangelstein sind die verschiedenen Waldgesellschaften, die sich aufgrund des engen Nebeneinanders von gegensätzlichen kleinklimatischen und unterschiedlichen Boden-Verhältnissen entwickelt haben.

  • Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwälder
    Die Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwälder wachsen am Hangelstein bevorzugt an den trocken-warmen, west- bis südexponierten Standorten auf der Kuppe und am Oberhang. In dem lichten Waldgebiet blühen im Frühjahr farbenprächtige seltene Pflanzen wie der Finger- und Hohle Lerchensporn mit ihren weißen und rosa Blüten, gelb blühende Arten wie Waldgoldstern und Gelbes Windröschen und das violett blühende Dunkle Lungenkraut, die Arznei-Schlüsselblume u. a. Hier ist in der Baumschicht auch die Elsbeere zu finden.
  • Blockschuttwälder
    Die Blockschuttwälder kommen am Hangelstein sehr kleinflächig vor und beschränken sich auf den von Basaltblöcken übersäten, kühlen und luftfeuchten, steilen Nordosthang. Auf diesen Sonderstandorten macht die Buche natürlicherweise den Edellaubhölzern Linde, Ahorn und Ulme Platz. Die Esche gesellt sich häufig dazu. Neben wenigen, einzelnen Vorkommen des Gelben Eisenhutes ist der Eschen-Bergahorn-Schluchtwald mit dem Silberblatt als Charakterart eine Besonderheit des Gebietes. Die schutzwürdigen Blockschuttwälder des Hangelsteins sind auf Grund der steilen Hanglage wohl nie forstwirtschaftlich genutzt worden und befinden sich daher in einem eher naturnahen Zustand.
  • Waldgersten-Buchenwälder
    Die Waldgersten-Buchenwälder wachsen am Hangelstein an den weniger steilen Bereichen auf den mittel- bis tiefgründigen, frischen Böden unterhalb der Kuppen- und Oberhangregion auf Basaltgestein. Vorherrschende Baumart ist die Buche, der zahlreiche Eschen beigemischt sind. Charakterart der Waldgersten-Buchenwälder ist die Waldgerste, zu der sich der Aronstab, das Wald-Bingelkraut, die Frühlings-Platterbse und der Seidelbast gesellen.

 

Schutzziele

Zweck der Unterschutzstellung ist es, die naturnahen, arten- und strukturreichen Laubwaldgesellschaften des Hangelsteins als Standort seltener Pflanzen- und Tierarten zu erhalten, langfristig zu sichern und ökologisch aufzuwerten. Unter vegetationskundlichen Gesichtspunkten ist der Hangelstein auch deshalb ein bedeutendes Objekt des Naturschutzes, weil er die nur selten anzutreffende Vielfalt an Waldgesellschaften auf einer sehr kleinen Fläche beherbergt. Außerdem ist der Hangelstein ein lokal bedeutendes Vogelbrutgebiet.

Keine Naturschutzmaßnahmen sondern natürliche Entwicklung

Die Universitätsstadt Gießen als Waldeigentümerin hat auf die forstliche Nutzung der Laubwaldbestände verzichtet und ermöglicht so eine naturnahe Waldentwicklung mit Bäumen aller Altersklassen vom Keimling bis hin zum absterbenden Baumriesen. So entstehen artenreiche Wälder mit viel stehendem und liegendem Totholz, die eine große Vielfalt von Lebensräumen für Tiere, Pilze und Pflanzen bieten. Baumfällungen erfolgen nur noch entlang der ausgewiesenen Wege aus Gründen der Verkehrssicherung und aufgrund von konkreten Pflegemaßnahmen (z. B. Entnahme von standortfremden Nadelbäumen).