Christoph-Rübsamen-Steg

Begleitprojekt der Landesgartenschau

Neue Lahnbrücke

Gießen will als Stadt am Fluss neues Profil gewinnen und erobert sich die Lahn als Erholungs-, Stadt- und Naturraum zurück. Mit der neuen Lahnbrücke zeigt die Stadt exemplarisch, wie die Lahn mit ihren jahrzehntelang durch Privatgärten genutzten Ufern zurückgewonnen werden kann.

Planungsziel seit Jahrzehnten:
die Lahnbrücke zwischen Gießener West- und Nordstadt

Die Verbindung zwischen den Gießener Stadtteilen westlich und östlich der Lahn erfolgte bis in die 1970er Jahre ausschließlich über die historische Sachsenhäuser Brücke auf Höhe der Gießener Innenstadt. Mit der Eröffnung der Konrad Adenauer Brücke kam 1970 eine weitere, vornehmlich dem Autoverkehr dienende Brücke 300 m südlich hinzu. Die nördlich der Sachsenhäuser Brücke gelegene Stadterweiterung am Westufer der Lahn, die Weststadt, blieb trotz ihres Wachstums ohne direkte Verbindung in die Gießener Stadtteile nördlich der Innenstadt. Eine weitere Lahnbrücke in Verlängerung der Sudetenlandstraße auf der Ostseite des Flusses, in der sog. Nordstadt, war daher seit Jahren geplant. Da ursprünglich eine Brücke im Zuge des Baus einer mehrspurigen Straße von der Nordstadt zur Weststadt vorgesehen war, sah man bei der Bebauung der Sudetenlandstraße in den 1960er Jahren einen breiten Freiraum zwischen den Gebäuden vor, der einmal die mehrspurige Straße aufnehmen sollte. Da die Ufer der Lahn an dieser Stelle ohne Ausnahme durch private Gärten belegt waren, kaufte das Liegenschaftsamt der Stadt mit sehr langfristiger Perspektive frei werdende Gartengrundstücke und verpachtete sie nur temporär als Kleingärten mit dem Hinweis auf eine zukünftige Nutzung für eine Brückentrasse. Auf der Westseite der Lahn waren die Bemühungen, so eine durchgehende Trasse für eine Brücke in den Besitz der Stadt zu bringen, bis zur Landesgartenschau aber erfolglos geblieben.

Planungsanlass und Katalysator Landesgartenschau 2014

Im Wettbewerb zur Landesgartenschau wurden für den umzäunten Gartenschaubereich in der Wieseckaue  und für den Bereich der Lahnaue separate Entwürfe gefordert. Während die Gewinner für den Bereich der Wieseckaue mit der weiteren Planung des zentralen Gartenschaugeländes beauftragt wurden, wurden die Gewinner für den Bereich Lahnaue, das Landschaftsarchitekturbüro A24, mit einer Rahmenplanung beauftragt, die eine langfristige Entwicklung der Lahnufer vorzeichnen sollte und die, anders als die Planungen für die Wieseckaue, nicht bis 2014 zur Landesgartenschau komplett umgesetzt werden sollte. Grund für diese Zweiteilung war die Größe der Lahnaue, die zusammen mit der Wieseckaue die vernünftige Größe einer Landesgartenschaufläche überschritten hätte, und der Umstand, dass die Stadt an der Lahn, anders als in der Wieseckaue, nicht im Besitz der Flächen war. Eine Vielzahl an Eigentümern besitzt hier Gärten, die die Lahnufer nördlich der Innenstadt nahezu komplett belegen. Dennoch sollten einzelne Projekte, darunter die Nordstadtbrücke, bis zur Landesgartenschau umgesetzt werden. Das Bewusstsein, mit ihrem Grundstück zum Gelingen der Landesgartenschau beizutragen, und daher im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit zu stehen, sowie die bildhafte Qualität des Rahmenplanes mit der dort verzeichneten, geradlinigen Brückenverbindung von West- und Ostufer hat die Eigentümer auf der Westseite der geplanten Brücke dazu bewogen, ihre Grundstücke zu verkaufen/ zu tauschen und damit das jahrzehntelang herbeigesehnte Projekt zu verwirklichen.

Lahnbrücke - Blick von der Lahn

Kooperation von Lanschaftsarchitekten, Architekten und Ingenieuren

Wettbewerbsplan, Rahmenplan und Freianlagenplanung der Brücke wurden in chronologischer Abfolge von A24 verfasst. Der mit A24 kooperierende Architekt Joachim Swillus lieferte als Teil des Wettbewerbsbeitrags sowie später des Rahmenplans einen städtebaulichen Vorentwurf für den mittleren Teil der Lahnaue ("Zu den Mühlen"), der ebenfalls bis zur Landesgartenschau mit Investoren umgesetzt wird. Swillus wurde auch zur künstlerischen Überarbeitung des Brückenentwurfes des Ingenieurbüros Weber aus Gießen beauftragt und entwarf die zirkelartigen Pylone der Brücke, die als Landmarke künftig weithin sichtbar sein werden. Hier werden vorbei fahrende Touristen auf dem Lahntal-Radweg zum Besuch der Innenstadt Gießens eingeladen. Die Brücke wird in eine Freianlage, den Uferpark, eingebettet, die das Bauwerk zur Geltung bringt, und die den ersten frei zugänglichen, neuen Uferabschnitt nördlich der Sachsenhäuser Brücke darstellt. Der Uferpark zeigt hier beispielhaft, wie die frei zugänglichen Lahnufer zukünftig aussehen können, wenn der Rahmenplan weiter umgesetzt wird. Koordiniert wurde die Zusammenarbeit vom Stadtplanungsamt, das für eine umfangreiche Bürgerbeteiligung beim Rahmenplan und die Erarbeitung des Bebauungsplanes "Nordstadtbrücke" Sorge trug.