Tanzkeller
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Nein, die Gießener können tanzen und brauchen sich nicht im Untergrund zu verstecken. Ganz im Gegenteil. Doch während man in anderen Städten Partys in Rooftopclubs oder Skybars feiert, geht in Gießen mehr unter der Erdoberfläche. Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut und sind für euch unzählige Treppen nach unten gestiegen, um herauszufinden, was es mit dieser einzigartigen Musikkellerkultur auf sich hat.  Also los geht’s, steigt mit uns hinab in das Gießener Nachtleben:

Haarlem

In einem ehemaligen Kohlekeller in der Schanzenstraße entstand 1964 ein Musikkeller, der bis heute besteht und nicht mehr aus dem Gießener Nachtleben wegzudenken ist. Das Haarlem, benannt nach einer Stadt in Holland (nicht etwa nach dem nur mit einem a geschriebenen New Yorker Stadtteil), war damals dem Marktplatz eben jener Stadt nachempfunden. Nach einer zwischenzeitlichen Namensänderung in „Parrots“, läuft der Laden seit 1994 mit Chef Lutz Geipert wieder unter dem Originaltitel. Auch ohne den Rechenschieber rauszuholen, erkennt man an den Jahreszahlen, dass es nächstes Jahr zwei große Jubiläen im Haarlem zu feiern gibt. Im Musikkeller, zu dem auch ein schöner, rustikaler Biergarten gehört, erwarten euch von Donnerstag bis Samstag unterschiedlichste Mottopartys und auch der seit 19 Jahren bestehende Kultmittwoch darf natürlich in keinem Partykalender fehlen. Die Empfehlung des Chefs ist der neu konzipierte Happy Sunday. Alle Infos zu den Partys erfahrt ihr auf der brandneuen Homepage.

Monkeys

Vor einigen Jahren ist ein neuer Club in die Gießener Musikkellerwelt eingetreten. Das Monkeys in der Liebigstraße hat die Location vom ehemaligen Babajaga-Hexenkessel geerbt und treibt dort seitdem sein tierisches Unwesen. Der Club bietet ein buntes Potpourri an durchgeknallten Partys an. Ob Kopfhörerparty, Sitcom-Mottos oder die allseits bekannte Affenkammer am Dienstag, hier wird Abwechslung großgeschrieben und ein Monkeysabend hält des Öfteren eine Überraschung bereit. Nicht zuletzt deswegen sind diverse Gießener seit kurzem stolze Besitzer eines Lichtschwerts. Insgesamt liebenswert, affig und total Banane. Top!

Scarabee

Den wohl ältesten bis heute bestehenden Musikkeller in Gießen findet man im Riegelpfad. Die Gründung des Scarabées geht auf das Jahr 1962 zurück. Den Namen verdankt der Laden seinem ersten Pächter, der aus Ägypten stammte. In seiner über 50 jährigen Geschichte haben sich so einige Anekdoten und Gerüchte um das Scarabee gesammelt. So hatte in der Vergangenheit die etwas abseits gelegene Location einen eher zweifelhaften Ruf, war sie doch schon immer Treffpunkt Andersdenkender. Dies spiegelt sich auch in der Musik wieder, zwar immer aktuell, jedoch auch immer etwas neben dem Mainstream. Hier ist man nicht nur gegenüber den Menschen tolerant, sondern auch gegenüber den Musikstilen. Dies lockte auch schon Persönlichkeiten wie Udo Lindenberg, Marius Müller Westernhagen oder Otto Walkes in das Souterrainetablissement. Dem „Scara“ sieht man sein langes Dasein an, und das ist auch gut so. Das Programm stellt sich aus Electro-, Hard n‘ Heavy- oder Reggae/HipHop/Soul-Abenden, sowie vielen Mottopartys zusammen.

Domizil

Das Erste was jemandem, der schon einmal im Domizil war, dazu in den Sinn kommt, ist wohl Dosenbier! Stilecht wird hier in der kleinen Musikbar der köstliche Gerstensaft in Alu serviert - eben auch mal was anderes. Das Domizil macht seinem Namen alle Ehre, ist es doch tatsächlich ein Domizil für Nachtschwärmer und für all jene, die eine Alternative zu dem Einheitsbrei an Schickimickikneipen suchen. Regelmäßig finden hier auch Konzerte statt, welche durch das begrenzte Platzangebot immer ein besonderes Ambiente bieten. Für wen das interessant klingt, der sollte mal in der Braugasse die Treppe runtergehen.

Ulenspiegel

Der Ulenspiegel im Herzen des Selterswegs ist quasi eine Kombination aus drei Läden zugleich. Mit ca. 100 Konzerten jährlich ist er einer der wichtigsten Liveclubs in Gießen, aber auch durch Lesungen oder ähnlichem kann der Kulturkeller punkten. Und natürlich auch das Partyvolk kommt hier auf seine Kosten und strömt massenhaft zu den Tanzbarabenden, die montags etwas härter ausfallen und freitags eher den Mainstream huldigen. Das zum Ulenspiegel gehörige „Bitchen“ ist eine Kneipe zum Wohlfühlen und im Sommer ist der leicht versteckte Biergarten eine gern genutzte Option für alle Freiluftliebhaber.

Es lohnt sich also mal einen Blick „unter“ die Kulissen zu werfen. Die Musikkeller gehören zu Gießen, vielleicht heute mehr als je zuvor. Lasst uns also zum Tanzen in den Keller gehen! Und keine Scheu, so viele Treppen sind es gar nicht, die man bewältigen muss!