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© Christian Diebel, Bunte Liga 
Es passiert wieder etwas auf Gießens Bolzplätzen. Wenn Glasbier Rangers auf Don Promillos treffen geht es nicht, wie man vielleicht vorschnell vermuten mag, um Alkohol. Lokomotive Schwanenteich gewinnt an Fahrt und Darwin's Erben lassen die Evolution kurz links liegen, um sich der schönsten Nebensache der Welt zu widmen: Fußball! Die Bunte Liga Gießen startet in die Wintersaison 2013/2014 und bietet neben den skurillsten Mannschaftsnamen auch wieder feinste Fussballunterhaltung auf den Freiplätzen in Gießen und in den Soccerhallen der Umgebung.

Um einen besseren Einblick in diese besondere Liga, die fernab von Verbänden und Vereinen ihrer Lust am runden Leder frönt, zu bekommen, haben wir mit Organisator Leo und dem Trainer der Hala Kampfkolosse Claudio gesprochen.

Was ist eigentlich die „Bunte Liga Gießen“ und was macht sie für Euch aus?

Leo: Die Bunte Liga ist ein Zusammenschluss von Freizeitmannschaften. Der Primärgedanke ist, dass sie für Leute da ist, die keine Lust auf Vereinsfußball haben, die sich nicht das stressige „Zweimal die Woche Training und Spiel am Sonntag“ geben wollen, sondern die einfach nur kicken möchten. Das Schöne dabei ist, sie ist selbstorganisiert. Ich betreue zwar die Organisation, lege aber keinen Spielplan fest. Die Teams suchen sich selbst ihre Gegner aus und entscheiden wann und wo sie spielen. Die Regeln können relativ frei von Spiel zu Spiel geändert werden. Wichtig sind aber eben auch die Grundlagen Antirassismus und Antisexismus.

Damit legt die 2006 von dem Zusammenschluss  Gießen Asozial und dem Umfeld des Gießener Infoladens gegründete Liga neben dem reinen Spaß am Kicken auch Wert auf eine inhaltliche Ausrichtung. Neben Rassismus und Sexismus hat auch übersteigerter Ehrgeiz hier keinen Platz. Darüber hinaus wird versucht der Männerdominanz im Fußball durch gemischt geschlechtliche Teams entgegen zu wirken. Diese Grundsätze verkörpern auch die Hala Kampfkolosse.

Claudio: Was uns ausmacht ist, dass wir sehr multikulturell sind. Bei uns spielen 16 verschiedene Nationalitäten. Uns ist es wichtig, dass nicht das fußballerische Können das erste Kriterium ist, um bei uns einzusteigen. Die Freundschaft untereinander steht immer vor der Leistung. Leider haben wir die Bunte Liga noch nie gewinnen können, waren allerdings schon öfters die Sieger der Herzen. Wir haben einfach Bock zu spielen und absolvieren sehr viele Spiele, was man auch in der „Ewigentabelle“ sehen kann. Wir sind eine Truppe, die wirklich hinter der Sache steht. Wir möchten das Team immer pushen und mögen es, damit zu spielen uns als professionelle Mannschaft zu präsentieren, auch wenn es nur eine Hobbyliga ist. Aber natürlich ohne übertriebenen Ehrgeiz.

Wie funktioniert die Liga?

Leo: Wir haben seit letzter Saison die Turnierform umgestellt. Früher gab es kleine Gruppen, da hat dann jeder gegen jeden gespielt. Die beiden Gruppenersten jeder Gruppe haben danach im K.O.-System weitergespielt. Jetzt ist es so, dass es eine große Gruppe gibt. In dieser Wintersaison sind 35 Mannschaften angemeldet. Natürlich ist dabei nicht angedacht, dass jeder gegen jeden spielt, sondern man sucht sich seine Gegner aus und vereinbart so viele Spiele wie man will oder kann. Das funktioniert gut, die Anzahl der Spiele ist gestiegen und die Leute können mehr Fußball spielen, was ja schließlich Sinn der Sache ist. Am Ende der regulären Saison kommen dann die acht besten Teams in die Playoffs.

Wie können sich neue Teams anmelden und einzelne Spieler Kontakte knüpfen?

Leo: Erste Anlaufstelle ist immer die Homepage http://giessen.die-bunte-liga.de/. Dort kann man einfach die Organisatoren anschreiben. Im Impressum findet man denjenigen, der das gerade macht. Die Anmeldefrist für die Wintersaison ist bereits vorbei, aber man kann sich für die nächste Sommersaison anmelden. Diese wird dann im April losgehen. Also geht die Anmeldung im Februar oder März los. Neue Teams müssen sich zu den Grundsätzen der Bunten Liga bekennen. Das wurde dieses Jahr auf der neu eingerichteten Vollversammlung beschlossen. Und auch als einzelner Spieler, der Anschluss an ein Team sucht, kann man sich an uns wenden, da können wir bestimmt vermitteln.“

Verstärkungen sind in den meisten Teams gern gesehen, wie beispielsweise bei den Hala Kampfkolossen. Diese bestehen seit der Sommersaison 2008. Gegründet wurde das Team von MFKW (Moderne Fremdsprachen, Kultur und Wirtschaft) Studenten und wuchs bis heute durch Freunde und Mitbewohner stetig an.

Claudio: Wir sind da sehr offen. Bei uns sind immer Leute willkommen, die gerne Fußball spielen. Gerade in der Wintersaison, wenn mal keine Spiele sind, suchen wir Leute die gerne kicken wollen.

Wie ist das Verhältnis zwischen den Teams der Liga, herrscht harte Konkurrenz oder gibt es sogar Teamfreundschaften?

Claudio: Wir haben eine Fanfreundschaft mit Carl zeigts Jenna, die sich jetzt leider aufgelöst haben und mit den Swingerfreunden Gießen - eine gute Mannschaft! Das sind dann Spiele, wo man im Anschluss noch zusammen grillt oder so, weil man sich auch privat kennt und gut versteht. Aber es ist ganz unterschiedlich. Es gibt auch Mannschaften, die sehr ehrgeizig sind und wo es dann auf dem Platz etwas ruppiger zugeht und man nicht immer konform ist. Man muss ja bedenken, dass man ohne Schiedsrichter spielt, daher kommt es stets auf die Kommunikation unter den Leuten an. Aber das funktioniert eigentlich immer. Es gibt nur ganz seltene Fälle, wo es mal zu Streitereien kommt und wir hatten noch nie solche Probleme, dass man zum Beispiel ein Spiel annullieren musste. Man gibt sich nach dem Spiel die Hand und alles ist vergessen.

Was sind eure Erwartungen an die aktuelle Saison?

Leo: Ich erwarte einfach viel Fußball und viel Spaß, wie jedes Jahr.

Claudio: Nachdem wir letztes Jahr schon die reguläre Saison als erster beendet haben, wollen wir dieses Jahr wieder unter die Top Acht, das ist das Mindeste. Danach sind halt die Play-Offs, da kann man nichts voraussagen. Wir greifen natürlich nach den Sternen, so ist es ja nicht…

Gibt es denn Favoriten auf den Titel?

Leo: Klar gibt es Topteams, beispielsweise den Titelverteidiger aus dem letzten Jahr, die Spartak Kickers oder die Gewinner der Sommersaison Darwin’s Erben, ein richtig starkes Team. Aber auch die Kampfkolosse sind immer richtig gut. Es gibt viele Teams, die kicken können, daher kann ich keine einzelne Mannschaft als Favorit nennen. Der Ausgang ist definitiv offen für mich.

Euer Fazit über die „Bunte Liga“?

Leo: Das Schöne an der Bunten Liga ist für mich die Lockerheit. Dass die Dinge nicht von oben herab geregelt werden, sondern dass man alles untereinander abklärt. Es gibt keinen Schiedsrichter, es klappt aber dennoch alles sehr gut auf den Plätzen. Lockeres kicken ohne viele Beschränkungen. Und dass es durch die Kommunikation mit den anderen Teams eher ein Miteinander als ein Gegeneinander ist.

Claudio: Für jeden, der Spaß am Fußball in einem nicht zu ehrgeizigen Rahmen hat, ist die Bunte Liga eine tolle Alternative. Man kann viel Spaß haben und coole neue Leute kennenlernen.

Alle Informationen zu den Teams und den Spielen gibt’s auf der Homepage der Bunten Liga. Also entweder schnell die Stollenschuhe auspacken und mitzocken, oder die Ballartisten bei Doppelpass, Bananenflanke und Fallrückzieher gemütlich von der Tribüne aus betrachten. Das wird großer Sport, da haben wir wie Andi Möller „vom Feeling her ein gutes Gefühl“. Der Winter kann kommen, anstatt kalt und grau, sportlich und farbenfroh!