Privater Motor der Innnstadtentwicklung

Die Aufwertung der Fußgängerzone war zentraler Wunsch der vier BIDs

Die Aufwertung der Fußgängerzone gehörte zu den zentralen Wünschen der BIDs und mit der Umgestaltung 2007 – 2011 stellten sich die privaten und öffentlichen Akteure der ersten großen Bewährungsprobe einer effektiven und nachhaltigen Zusammenarbeit.

Mit der ersten „Business ImprovementDistrict-(BID)-Initiative“ Hessens startete in der Universitätsstadt 2004 das Verlangen nach umfassenden Möglichkeiten zur Bündelung des Engagements und der Eigeninitiative von Hauseigentümern und Gewerbetreibenden. Die Aktivitäten zur Verbesserung des eigenen Umfeldes erhielten 2006 mit dem Gesetz zur Stärkung innerstädtischer Geschäftsquartiere (INGE) den notwendigen rechtlichen Rahmen und mobilisierten in großem Umfang privates Kapital.

Sanierung Fußgängerzone - Kugelbrunnen
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In den vier aneinandergrenzenden Gießener BIDs wurden die Hauseigentümer durch eine zu erbringende Abgabe in Prozesse zur Weiterentwicklung ihrer Quartiere fest eingebunden. Im Vergleich zu den klassischen Aktivitäten der Gewerbevereine und Werbegemeinschaften kamen damit endlich Planungs- und Finanzierungssicherheit und eine langfristige Perspektive hinzu.

Der BID-Prozess und das Licht als Topping Up

Ein gemeinsames Ziel. Viel diskutiert. Viel debattiert. Aber in der Sache waren sich alle einig: Die gerade in Mitteleuropa ausgeprägten Abendstunden, speziell in den drei dunkleren Jahreszeiten, brauchen – nicht nur während der Geschäftsöffnungen – Atmosphäre und Flair.

In einem intensiven Annäherungsprozess wuchs über einen Zeitraum von zwei Jahren eine außerordentlich vertrauensvolle, zielorientierte und effektive Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Politik und Privaten. Die bauplanerischen Leistungen von Verwaltung und Politik und deren Umsetzung wurden – und das war Neuland – ergänzt durch die Projektierung des „BID Seltersweg- Leitprojektes: Licht“.

Sanierung Fußgängerzone - Seltersweg
Sanierung Fußgängerzone - Seltersweg

Dienten im breiteren Straßenbereich des unteren Selterswegs die von städtischer Seite in der Gesamt-Gestaltungsplanung vorgesehenen Lichtquellen primär der Grundausleuchtung und einem Ornament-Leuchteffekt am Boden, so ergänzten die planerischen Maßnahmen der vom BID-Seltersweg beauftragten Lichtplaner das Vorhaben, ein wirkungsvolles „Raummilieu“ zu schaffen.

Mit Mario Hägele und Dieter Bartenbach hat das BID-Seltersweg den Auftrag an zwei international renommierte Lichtplaner vergeben, die nicht „die Leuchte“, sondern das „zu Beleuchtende“ in den Vordergrund stellen und Stadtraum erlebbar machen wollen. Dies bei effizientestem Energieeinsatz und dennoch großer Wirkung.

Der Seltersweg wird nun durch zahlreiche Zonierungsleuchten und Stadtraumstrahler geprägt. Diese dienen der Inszenierung und der ganznächtlichen Sicherheits- und Grundbeleuchtung.

Die Kombination der beiden Leuchtentypen gestaltet den atmosphärischen Effekt, der an manchen Stellen noch durch zusätzliche Fassadenstrahler und Theaterspots ergänzt wird.

Effektivität, Ästhetik und Pragmatismus

Ziel war immer, eine Raumbeleuchtung herzustellen, die das Gefühl von Sicherheit, Erkennbarkeit, plastischer Wahrnehmung von „Boden-Fronten und Mensch“ wiedergibt. Dazu sollten sich passende Fassadeninszenierungen – die Ruhe, Einheitlichkeit und Ordnung ausstrahlen – während der belebten Abendstunden wirkungsvoll einfügen.
Die übers Jahr gesehenen langen dunklen Einkaufszeiten in Mitteleuropa erleben damit einen ganz besonderen Wohlfühlcharakter. Die Stadtverwaltung wollte die Leuchten als anspruchsvolles und dauerhaftes Gestaltungselement im Straßenbild integriert wissen und gab im Vorfeld einige Punkte zu bedenken, die bei der Umsetzung zu beachten seien. So sollten z. B. Kabel „unsichtbar“ unter der Fassadenfläche verlegt werden.

Im Ergebnis sind die Lampenkörper selbst unauffällig schick und bieten Tauben keine Landeplätze. Da sie nicht auf Masten sitzen, können sie nicht beklebt oder beschmiert werden. Sie zeichnen sich zudem durch gut kalkulierbare Anschaffungskosten und eine enorme Energiesparsamkeit aus.
Die Beleuchtung ist mit einem Filter ausgestattet, der Insekten fern hält und so konzipiert, dass sie Hausbewohner nicht stört. Gestört werden auch Zugvögel nicht. Damit entspricht die Beleuchtung bereits heute einer angestrebten EU-Richtlinie, wonach keine Leuchten mehr in den Himmel strahlen sollen. Die in Gießen verwendeten Systeme strahlen von oben nach unten. Die Schaltungen können einheitlich zeitgleich über die Stadtwerke gesteuert werden.

Sanierung Fußgängerzone - Seltersweg
Sanierung Fußgängerzone - Seltersweg

In einem „Koordinationsakt“ konnten in vielen Einzelgesprächen die Hauseigentümer davon überzeugt werden, 129 Leuchten an ihre Fassaden und Dachkennel montieren zu lassen, Stromzähler- Pools zu bilden und Schaltkreise zu installieren.

98 % der Gießener Bevölkerung zeigten sich in einer Umfrage des Gießener Anzeigers vom Ergebnis begeistert.

Der nun entstandenen qualitätvollen und atmosphärischen Innenstadtbeleuchtung
schlossen sich inzwischen auch Eigentümer weiterer Quartiere an. Die Beleuchtung als „sichtbarer Leuchtturm“ und die vorbildliche Projekt-Zusammenarbeit mit der Stadt waren für den DIHK-Berlin Grund genug, dem BID-Seltersweg den angesehenen BID-Award für die innovativste und leistungsstärkste Standortgemeinschaft für das Jahr 2010 zu verleihen.

Initialzündung und Eigeninitiative – ein erstes Fazit

Sanierung Fußgängerzone - Heinz-Jörg Ebert "Die Innenstadt in Gießen blüht auf. Da gibt es eine engagierte Stadtverwaltung mit ihrer Stadtplanung und 100 % der Hauseigentümer in vier definierten und aneinandergrenzenden Quartieren.
Basierend auf der Gesetzesgrundlage „INGE“ finden sich in einem deutschen Flächenland erstmalig private Eigentümer, die nicht nur fordern, sondern auch fördern wollen. Die Investitionen tätigen wollen, um im Schulterschluss ihren Standort – über den eigenen Tellerrand hinaus – aufzuwerten.
Zwei Millionen Euro in einer Laufzeit von fünf Jahren ist ihnen das wert. Und sie stoßen auf eine Stadt, die diesen Weg gemeinsam mit ihnen gehen will. Mit gemeinsamen Perspektiven, Konzeptionen und Umsetzungen. Es hat ein wenig gedauert, bis man sich aufeinander einstellen konnte. Vertrauen wuchs. Die Freude am miteinander Wirken entwickelte sich.
Nun, nach fünf Jahren geht man in eine zweite Laufzeit. Dies im Bewusstsein, was man alles miteinander zu Wege gebracht hat – und nun weiter ausbauen will.

Neben allen Projektumsetzungen ist die neue Kultur der Zusammenarbeit und die Sensibilität für das Ganze ganz bestimmt das größte Pfund, an dem wir Freude haben“.

Heinz-Jörg Ebert, Vorsitzender BID-Seltersweg e.V.


Die Finanzierung der öffentlichen Baumaßnahme erfolgte zu Teilen aus Städtebauförderungsmitteln und wurde mit Mitteln aus dem „Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE)" kofinanziert.

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