#1coolermove - Hessenweite Kampagne gegen Gewalt

21.11.2016

Frau kauert in einer Ecke und hält die Hand schützend hoch
© istock.com/South_agency 
Auch in diesem Jahr startet die Landesarbeitsgemeinschaft hessischer Frauen- und Gleichstellungsbeauftragter zusammen mit dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration eine hessenweite Aktion zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25.11.2016. In dem spielerischen „EQ-Test“ #1coolermove (www.1coolermove.de) kann die emotionale Intelligenz unterhaltsam überprüft werden. Es geht um das „komische Gefühl“, das die alltägliche Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt im öffentlichen Leben auslöst und ermutigt, Position zu beziehen. Die interaktive Website ist konzipiert für Jugendliche und Junggebliebene und wird auch über soziale Medien verbreitet. Am Ende stehen Tipps, wie man reagieren kann, wenn man eine Diskriminierung miterlebt. Weiterführende Links leiten darüber hinaus zu Unterstützungsangeboten in allen möglichen Situationen.

Der Internationale Tag gegen Gewalt macht darauf aufmerksam, dass Gewalt gegen Frauen weltweit noch immer alltäglich ist, auch wenn eben nicht alltäglich hingeschaut wird. Denn Gewalt ist auch heute noch ein Tabu für die meisten Opfer, und genauso für das Umfeld – für diejenigen, die etwas wissen, sehen oder hören, allerdings sich selber nicht in der Lage fühlen, um einzugreifen.

Stefan Grüttner, Hessischer Minister für Soziales und Integration: „Der alltäglichen Gewalt kann oft mit recht kleinen Gesten Einhalt geboten werden. Verschiedene Möglichkeiten dazu zeigt der EQTest #1coolermove humorvoll auf. Ich unterstütze diese Aktion, um junge Menschen zu ermutigen, bei Grenzüberschreitungen in ihrem Alltag für sich und ihre  Mitmenschen Position zu beziehen. Wir brauchen eine Kultur des Hinschauens und wir müssen uns hörbar gegen Gewalt an Frauen stellen, auch um Betroffenen Mut zu machen, sich zu wehren und Hilfe zu suchen. #1coolermove zeigt – bei allem Spaß und Selbstironie des Auftritts - recht klar Wege auf, wie Gewalt vorgebeugt werden kann, und dass Betroffene gut geschützt werden können.“ Mit knapp 11.000 Euro aus dem Hessischen Sozialbudget unterstützt das Hessische Ministerium für Soziales und Integration diese Kampagne. Im Bereich von Prävention und Schutz vor häuslicher und sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Mädchen unterstützt Hessen die Kommunen mit zusätzlichen Mitteln in Höhe von jährlich rund 5,4 Millionen Euro aus dem Sozialbudget. Mittels Zielvereinbarungen stehen diese den Gebietskörperschaften für Frauenhäuser, Interventionsstellen, Frauenberatung, Notrufe, Schutzambulanzen und zum Schutz vor Gewalt an Kindern und Jugendlichen zur Verfügung.

Banner Aktion #1coolermove

In #1coolermove gilt es, alltägliche Grenzüberschreitungen gegen alle, die aus irgendeinem Grund »anders« sind als die sie umgebende »Mehrheit«, zu thematisieren. Der EQ-Test greift Situationen auf, in denen Menschen Sexismus, Rassismus oder Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts, ihres Aussehens, ihrer sexuellen Orientierung oder einer Behinderung ausgesetzt sind. Es geht auch um die vielen Möglichkeiten, frühpräventiv zu agieren, z.B. um einen sexuellen Übergriff vorzubeugen oder Cybermobbing zu stoppen. Hier greift #1coolermove insbesondere die Sexualstrafrechtsreform auf, die am 10. November 2016 in Kraft getreten ist.

Sexuelle und andere demütigende Übergriffe und Diskriminierungen gegenüber Frauen, Homosexuellen, Ausländer/innen, Menschen mit Behinderungen, Menschen, die aus der ihnen zugedachten Rolle tanzen, stehen im Mittelpunkt von #1coolermove. Situationen, die tagtäglich überall vorkommen, ob in öffentlichen Verkehrsmitteln, auf dem Schulhof oder an der Arbeitsstelle, in der Clique, auf dem Sportplatz oder beim Ausgehen. Gemeinsam ist diesen Übergriffen, dass sie in aller Öffentlichkeit passieren, oft ohne dass die Umstehenden sich trauen, einzugreifen, auch wenn durchaus schon sehr früh ein »komisches Gefühl« aufkommt. So können sich Situationen z.B. von einer diskriminierenden Äußerung zu einem tätlichen Übergriff zuspitzen oder weiter eskalieren.

Friederike Stibane, Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft hessischer Frauen- und Gleichstellungsbeauftragter, hält fest: „Subtile Anmache ist auch Gewalt. Dazu gehören Rollenclichés, die den Mensch nicht sich selbst sein lassen. Wir sprechen in #1coolermove deshalb die Erfahrungswelt von Mädchen und Frauen und genauso von Jungen und Männern, Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit und ohne Behinderung oder Beeinträchtigungen an. Wir wollen junge Menschen dafür gewinnen, sich mit den guten Alternativen zur Gewalt zu befassen. Die Aktion macht aufmerksam für Situationen, die jede und jeder täglich erleben kann. Sie soll unsere Fähigkeit zu reagieren verbessern, damit eine „blöde Situation“ uns nicht sprachlos macht.“

Bei Gewalt denken die meisten Menschen zunächst an körperliche Verletzungen. Nicht minder schlimm für das Opfer können aber auch verbale Attacken oder andere Formen der Grenzüberschreitung sein, wie z.B. Sexismus, Diskriminierung, Ausländerfeindlichkeit, Mobbing oder das Bloßstellen.

Die Diskriminierung im Alltag abzubauen ist das Kerngeschäft der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten. Um die besonders subtile Gewaltausübung – sexistische Sprüche gegen Frauen, auch männliche Rollenzuweisung an Jungs, das Anmachen und Ausgrenzen aufgrund des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, Herkunft, Beeinträchtigung und Behinderung, - geht es bei der diesjährigen Aktion zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, die dieses Jahr zusammen mit einem breiten Bündnis und der Unterstützung der Designagentur Dreimorgen durchgeführt wird.

An der Entwicklung von #1coolermove waren folgende Institutionen beteiligt (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Broken Rainbow Landesverband
  • Bündnis für Familie Gießen
  • Dreimorgen, Büro für Grafikdesign, Markenentwicklung und Webdesign in Frankfurt am Main
  • Hessen Fokus Jungs-Fachstelle für Jungenarbeit in Hessen
  • Hessisches Ministerium für Soziales und Integration
  • LAG Hessischer Frauen- und Gleichstellungsbeauftragter
  • Landesverband der AIDS-Hilfen Hessen
  • pro familia Landesverband Hessen

Weitere Institutionen unterstützen die Kampagne:

  • Aktionsbündnis gegen Häusliche Gewalt in Nord- und Osthessen
  • CSD-Lahn e.V.
  • Hessen ist geil
  • Hessischer Landesfrauenrat
  • LAG Mädchenpolitik Hessen
  • Landeskoordinierungsstelle gegen häusliche Gewalt
  • Netzwerk gegen Gewalt
  • Gewalt Sehen Helfen
  • Osthessische Initiative gegen Gewalt im Namen der Ehre
  • Pro+
  • Runder Tisch LGBTI*Q Mittelhessen
  • Runder Tisch gegen Gewalt im Namen der Ehre in Hessen
  • Runder Tisch gegen häusliche Gewalt Region Kassel

Das Bündnis #1coolermove möchte dafür sensibilisieren, hinzuschauen statt wegzuschauen, bewusst wahrzunehmen statt mitzulachen. #1coolermove reagiert unmittelbar auf die Userin/den User, enthält kurzweilige Fragen und Antworten im multiple-choice-Format und weist ganz konkrete Tipps auf.

Und nun: einfach reinklicken und mitmachen: www.1coolermove.de.

 

Quelle: Landesarbeitsgemeinschaft hessischer Frauenbüros