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01.12.2025

Deutsch sprechen üben mit Themen aus der Stadt: Das Zeitungscafé Gießen

„Stellen Sie sich ein großes Haus vor, in dem alle zusammenarbeiten, die Gießen vor Gefahren schützen.“ Geduldig erklärt Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher einer Teilnehmerin den Begriff Gefahrenabwehrzentrum. Vor ihm liegt der Lokalteil der Tageszeitung, um ihn herum sitzen Menschen aus Syrien, Afghanistan, der Ukraine und vielen weiteren Ländern. Gemeinsam wird angestrichen, nachgefragt, gelernt und auch viel gelacht.

So sieht ein typischer Nachmittag im Zeitungscafé aus, einem Angebot des städtischen Büros für Integration in Kooperation mit dem Freiwilligenzentrum für Stadt und Landkreis Gießen e.V., der Sozialen Stadterneuerung (Stadt Gießen) und der Justus-Liebig-Universität, das seit April 2025 wöchentlich stattfindet. Ende November nahm Becher selbst daran teil. „Integration hat viel mit Sprache zu tun. Und Alltagssprache lernt man am besten dort, wo man über das spricht, was täglich passiert: über die Themen aus unserer Stadt“, sagte er.

Das Zeitungscafé richtet sich an fortgeschrittene Deutschlernende ab B1-Niveau, die ihre Ausdrucksfähigkeit verbessern, aber vor allem ins Gespräch kommen möchten. „Hier können sie miteinander sprechen, nachfragen und langsam mehr Mut fassen“, erklärt Julia Hettenhausen, Leiterin des Büros für Integration. Um das zu erleichtern, arbeiten die Teilnehmenden an Tischen, auf denen unterschiedliche Themenseiten der Regionalzeitungen ausgebreitet sind. Die Gruppen lesen gemeinsam, markieren schwierige Begriffe und tauschen sich über lokale Ereignisse aus. Rund 15 Personen treffen sich aktuell jeden Donnerstag, Platz wäre für etwa 20.

Damit auch Menschen ohne pädagogische Vorerfahrung mitwirken können, hat die Justus-Liebig-Universität ein niedrigschwelliges Lehrkonzept entwickelt. Es bietet Checklisten und Leitfäden, die die Ehrenamtlichen unterstützen, die Zeitungsartikel als Gesprächsanlass zu nutzen. Aktuell helfen elf Ehrenamtliche in dem Format, Ansprechpartner für sie ist einerseits Johann Erdmann von der Gemeinwesenarbeit, in dessen Räumen das Angebot stattfindet sowie das Freiwilligenzentrum: „Besonders ist, dass das Zeitungscafé nicht nur als Übungsort, sondern auch als Ort zum Mitgestalten gesehen wird. Viele Teilnehmende helfen auch selbst mit, zum Beispiel beim Aufbau. So fühlen sich alle involviert. Es ist ein gemeinschaftliches Projekt“, ordnen Katharina Traoré vom Freiwilligenzentrum sowie Johann Erdmann ein.

Dass das Zeitungscafé lokale Nachrichten in den Mittelpunkt stellt, ist bewusst gewählt. „Wer gut informiert ist, kann mitreden, mitgestalten und aktiv am Leben in unserer Stadt teilhaben“, betont Oberbürgermeister Becher. Gerade für Menschen, die neu in Gießen sind, fehlen oft Informationsquellen in ihrer Muttersprache. Frank-Tilo Becher nutzte seinen Besuch auch für ein persönliches Dankeschön an die Gießener Allgemeine Zeitung und den Gießener Anzeiger, die ihre Zeitungen kostenfrei für das Projekt zur Verfügung stellen.

Das Zeitungscafé findet donnerstags von 16 bis 18 Uhr in den Räumen der Gemeinwesenarbeit Nördliche Innenstadt statt (Walltorstraße 3, 35390 Gießen). Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen finden Interessierte unter www.giessen.de/zeitungscafe.

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