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Shake (2) © Bernd Kirchner
Shake (2) © Bernd Kirchner

Nachdem ich bereits jetzt schon ein paar Monate Flüchtlinge portraitiere, ist es heute ein guter Zeitpunkt mal wieder meine zahlreichen Bilder zu sichten, um mich zu erinnern. Dabei fällt mir auf, dass viele Mensche, die ich portraitiert habe, nicht mehr hier sind. Viele wurden abgeschoben, einige irgendwo in irgendeiner Einrichtung in den Landkreisen untergebracht oder sie sind aus mir unbekannten Gründen nicht mehr hier. Zu den meisten habe ich keinen Kontakt mehr. Ich entdecke in den Bildern plötzlich wieder Personen, die ich zwar fotografiert, aber deren Bilder ich nicht veröffentlicht habe. Wie jeder einzelne Flüchtling eine Geschichte zu erzählen hatte, die mich oft sprachlos und erschüttert zurückließ. Und auch wenn ich mich oft nur noch schwach an die genauen Einzelheiten erinnern kann, habe ich bei jeder Begegnung mit Flüchtlingen für mich etwas mitnehmen können.

So auch bei meiner Begegnung mit Shake aus Somalia, den ich zusammen mit seinem Freund Bayfall traf und ich mich heute gar nicht mehr erinnern kann, dass ich auch ihn vor meiner Kamera hatte. Ich weiß nur noch wie er mit einem klapprigen Fahrrad auf dem Parkplatz des Discounters ankam, um die gekauften Wasserflaschen zu transportieren. Wie er mir erzählte, was er in Somalia erlebt hatte, wie seine Flucht verlief und wie ruhig seine Stimme dabei blieb. Wie jemand mir an einem schönen, sonnigen Tag in Gießen von Terror und Gewalt erzählte. Er erklärte sich sofort bereit, sich von mir fotografieren zu lassen. Anschließend radelte er wieder davon und ich schaute noch lange nach. Seitdem habe ich ihn nicht mehr gesehen. Alles was ich noch von ihm und so vielen anderen Flüchtlingen, die ich kennenlernen durfte habe, sind meine Erinnerungen und Fotos...

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