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Dr. Peter Hanker (l.) mit RMG Geschäftsführer Jens Ihle auf der Expo Real im vergangenen Oktober in München © Tilman Lochmüller
Dr. Peter Hanker (l.) mit RMG Geschäftsführer Jens Ihle auf der Expo Real im vergangenen Oktober in München © Tilman Lochmüller

Interview mit Dr. Peter Hanker, Vorstandssprecher der Volksbank Mittelhessen

Mit der Organisation des mittelhessischen Gemeinschaftsstands auf der Expo Real in München und dem Kommunalen Immobilienportal (KIP) für Mittelhessen fördert die Regionalmanagement Mittelhessen GmbH (RMG) die regionale Immobilienwirtschaft. Nach Meinung der Beteiligten hat auch die jüngste Auflage des Stands auf einer der bedeutendsten europäischen Immobilienmesse Angang Oktober wichtige Akzente gesetzt: „Als Projektträger sind wir hochzufrieden“, sagte RMG-Geschäftsführer Jens Ihle. „Der mittelhessische Immobilienmarkt ist in Bewegung und wird von außen positiv wahrgenommen.“

Wie sieht es mehr als zwei Monate nach der Messe auf dem heimischen Immobilienmarkt aus? Marktbeobachter warnen vor einer Überhitzung regionaler und insbesondere urbaner Märkte. Gerade in Gießen, aber auch in der gesamten Region wird viel Wohnfläche geschaffen und Bestandsimmobilien erzielen gute Preise. Doch auch im „Speckgürtel“ rund um die Universitätsstadt ist die Nachfrage hoch. Anlass genug, um einen Experten zu Wort kommen zu lassen, der den heimischen Immobilienmarkt gut kennt: Dr. Peter Hanker, Vorstandssprecher der Volksbank Mittelhessen.

Herr Dr. Hanker, die wichtigste Frage vorweg: Ist das noch ein normaler Immobilienmarkt oder müssen wir schon von einer Blase sprechen?
In Metropolen wie Berlin oder München kann man schnell den Eindruck gewinnen, dass die dortige Preisentwicklung privater und gewerblicher Immobilien nichts mehr mit der Realität gemein hat. Nachfragegetriebene Wertsteigerungen von vierzig Prozent und mehr seit 2007 sind bei Eigentumswohnungen oder Häusern in diesen Ballungsräumen keine Seltenheit. Allgemeiner Trend ist, dass Investoren angesichts der dauerhaft niedrigen Zinsen in das so genannte „Betongold“ flüchten. Denn die Gelegenheit ist jetzt einfach besonders günstig. Zum Vergleich: Wer vor 10 Jahren finanziert hat, musste seinen Kredit in der Regel zu einem Zinssatz von 4,50 % bei zehnjähriger Sollzinsbindung aufnehmen. Heute zahlen private Immobilienkäufer teils unter 2 % Zinsen! Unser Eindruck ist es, dass neben der ohnehin hohen gewerblichen Nachfrage immer mehr private Anleger in Immobilien unter dem Aspekt der Geldanlage investieren. Denn hier lassen sich zumindest in guten Lagen noch ansehnliche Renditen erzielen. Auch in Mittelhessen erleben wir derzeit zumindest lokal einen Immobilienboom. Gießen profitiert dabei sicherlich auch von den freiwerdenden Konversionsflächen der Bundeswehr bzw. besonders der abgezogenen, amerikanischen Streitkräfte. Doch von einer Überhitzung würde ich hier nicht sprechen.

Droht denn die Gefahr einer Überhitzung?
Die Preise haben ganz klar angezogen. Doch in der Retrospektive erkennt man schnell, dass der mittelhessische Immobilienmarkt die Preissteigerungen der letzten Jahre nur zum Teil mitgenommen hat. Was wir derzeit erleben, sehen wir eher als Anpassung an bundesdeutsches Preisniveau. Dabei sind urbane Lagen natürlich besonders im Trend der Zeit. Nichts desto trotz oder gerade deswegen begrüßen wir auch sinnvolle Flächenentwicklungen im ländlichen Raum, auch diese werden benötigt. Bedenklich stimmt mich manchmal dabei, dass auswärtige bzw. überregionale Kreditinstitute oftmals gewerbliche Objekte unter Missachtung marktüblicher Finanzierungsrichtlinien finanzieren wollen. Natürlich ist das Niedrigzinsumfeld für Investoren sehr verlockend, gerade deswegen möchte die Volksbank Mittelhessen in diesem Kontext jedoch auf eine adäquate Verschuldung, einhergehend mit angemessenen Tilgungen, besonders achten, um auch bei einem möglichen Zinsanstieg für den Investor gewappnet zu sein.

Herr Dr. Hanker, auch in diesem Jahr hat sich die Volksbank Mittelhessen am Gemeinschaftsstand der Region Mittelhessen auf der Expo Real beteiligt. Als Unterstützer der ersten Stunde sind Sie bereits seit zehn Jahren dabei. Was sind die ausschlaggebenden Vorteile der Messe?
Die Expo Real hat, obwohl sie in München stattfindet, eine enorme Bedeutung für unsere Region. Denn hier trifft sich die gesamte Branche. Ob Projektentwickler, Investoren, Finanzierer, Vermittler, Architekten oder auch Kommunalpolitik – das internationale Fachpublikum gibt sich die Klinke in die Hand. Es lassen sich konkrete Projekte anbahnen oder sogar in trockene Tücher bringen, denn alle relevanten Entscheider sind in der Regel vor Ort. Wir sind froh, mit dem Regionalmanagement Mittelhessen einen kompetenten Partner für die Organisation des Gemeinschaftsstandes an unserer Seite zu wissen. So war die Teilnahme an der Expo Real für die Volksbank Mittelhessen bisher immer lohnenswert. Achtstellige Finanzierungsvolumina, die auf der Messe vermittelt wurden, waren in den letzten Jahren keine Seltenheit. Kritisch anzumerken ist allerdings, dass mit dem Voranschreiten des Immobilienbooms zunehmend Messebesucher anzutreffen sind, die keineswegs dem Fachpublikum zugerechnet werden können. Dies hat das Droh-Potenzial, den Charakter und die Vorteile einer reinen B2B-Messe zu verwässern.

Neben dem wichtigen Immobiliengeschäft. Wie blicken Sie auf den Standort Mittelhessen aus Volksbanksicht?
Der Standort Mittelhessen ist hochattraktiv – Tendenz weiter stark steigend! Mittelhessen bietet beste Bedingungen für Unternehmen. Wir profitieren von einer guten Infrastruktur und besonders von den drei starken Hochschulen. Die Justus-Liebig-Universität Gießen, die Philipps-Universität Marburg und die Technische Hochschule Mittelhessen verzeichnen weiter steigende Studierendenzahlen, ein Trend der auch die nächsten Jahre anhalten wird. Die heimische Wirtschaft ist absolut solide aufgestellt und sorgt für eine prosperierende und für die Menschen lebenswerte Region. Die Volksbank Mittelhessen nimmt ihre Aufgabe als starker und verlässlicher Finanzierungspartner war und steht den Unternehmern sowie Privatleuten in allen finanziellen Belangen zur Seite. Von dieser symbiotischen Beziehung gehen wichtige Impulse für das gesamte Mittelhessen aus. Mit der Arbeit des Regionalmanagements Mittelhessen sind wir auch nach dessen Reorganisation hoch zufrieden. Wir glauben, dass durch die Bündelung der vorhandenen Kompetenzen frei nach der genossenschaftlichen Idee der „gemeinsamen Sache“ die Entwicklung der Region Mittelhessen noch besser vorangetrieben werden kann.

 

15.12.2014 
Quelle: Regionalmanagement Mittelhessen GmbH 

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