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Alicenstraße 6 - Prof. Dr. Franz Soetbeer

*06.01.1870 in Hamburg (Altona)
verhaftet am 26.03.1943 in Gießen
gestorben am 27.03.1943 im Gestapo-Haus in Gießen
Stolperstein verlegt am 08.09.2010

 

Standort Stolperstein Alicenstraße 6


Franz Soetbeer studierte von 1890-1896 Medizin in Jena und Kiel; 1897 promovierte er in Jena und war zwei Jahre lang wissenschaftlicher Assistent am Physiologischen Institut. Im Jahr 1902 Habilitation in Heidelberg für das Fach Innere Medizin. Nach einem Jahr als Oberarzt an der Medizinischen Klinik der Universität Greifswald kam er 1905 als Privatdozent an die Medizinische Klinik der Universität Gießen. Zum 1.3.1908 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt, er eröffnete einer Privatpraxis in Gießen. Er nahm am 1. Weltkrieg teil.

Am 20. Juli 1933 Entzug der Lehrbefugnis aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Prof. Dr. Soetbeer war 63 Jahre alt, und konnte am Katholischen Schwesternhaus arbeiten. Am 15. Mai 1936 wurde ihm der Professorentitel aberkannt. 1938 war er gezwungen, sein Haus in der Frankfurter Straße 49 an das Land Hessen unter Wert zu verkaufen. Die Villa wurde im Krieg zerstört.

Nach der Enteignung wohnte Franz Soetbeer in der Alicenstr. 6, und führte dort auch seine Praxis. 1943 wurde er denunziert und verhaftet. Sein Tod unter ungeklärten Umständen wurde als „Selbstmord“ bekannt gegeben. Nach seinem Tod wurde das Vermögen beschlagnahmt. Franz Soetbeer war Mitglied der SPD.

Franz Soetbeer war verheiratet mit Emmy, geb. Schrader, *20.10.1871 in Niederschelden, gestorben 27.03.1961 in Baden-Baden. 1911 kaufte das Ehepaar das Grundstück „Am Seltersberg links der Chaussee“ (=stadtauswärts), spätere Adresse: Frankfurter Str. 49. Emmy war am 17.1.1938 nach Berlin gezogen, die Ehe wurde nicht geschieden. Die Witwe machte nach 1945 Ansprüche als Alleinerbin geltend, mit wenig Erfolg.

Das Ehepaar hatte vier Kinder:

  • Maria Mathilde, *18.11.1899, Nervenärztin; verheiratet mit Prof. Dr. Alfred Marchionini, Dermatologe, während NS-Zeit in Ankara, nach Rückkehr Uni München, kinderlos
  • Gertrud Emmy, *22.11.1900, verheiratet mit Prof. Dr. Adolf Seitz, Uni Gießen
  • Anna Maria, *08.01.1903, 23.6.1934 Guatemala; verheiratet mit Heinz Frankel, Crystal City/Texas
  • Oskar Friedrich, *14.02.1905, emigrierte am 26.11.1926 nach New York

Das Schicksal Franz Soetbeers wurde durch die Ausstellung „Legalisierter Raub. Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945“ beleuchtet. Es wird beispielhaft nachgezeichnet, wie der Kriegsteilnehmer des 1. Weltkriegs – beginnend im Frühsommer 1933 – durch den Staat seiner Existenz, seines Vermögens und schließlich seines Lebens beraubt wurde.

Material/Literatur

  • Aeskulap und Hakenkreuz. 1989. Helga Jakobi, Peter Chroust, Mathias Hartmann.
  • Legalisierter Raub. Die Ausplünderung im Nationalsozialismus durch die Reichsfinanzverwaltung in Hessen. 2004. Susanne Meinl, Jutta Zwilling.
  • Die medizinische Fakultät der Universität Gießen im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit: Personen und Institutionen, Umbrüche und Kontinuitäten. 2007. Hrsg. von S. Oehler-Klein. Stuttgart 2007 (= Die Medizinische Fakultät der Universität Gießen 1607-2007, hrsg. von V. Roelcke, Bd. 2).
  • Universitätsarchiv Gießen
  • Hauptstaatsarchiv Wiesbaden und Staatsarchiv Darmstadt

 

Text: Monika Graulich

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