Rathaus

Seiteninhalt

Ellen Jeanette Jacob

Ellen Jeanette Jacob wurde am 17. Oktober 1925 in Gießen geboren. Ihre Eltern waren Theo David Jacob und Clothilde Jacob, geborene Blumenthal. Ellen hatte drei ältere Geschwister. Hannelore, Amalie und Günther. Laut Gedenkbuch des Bundesarchivs wurden neben Ellen auch Günther, seine Frau Julie sowie die beiden Eltern im Zuge der Deportation im September 1942 ermordet. Amalie und Hannelore überlebten den Holocaust. Die Familie wohnte zunächst in der Stephanstraße 28, musste aber später in ein Ghettohaus in der Walltorstraße umziehen.

Ellen wechselte zum Schuljahr 1935/1936 auf das Lyzeum. Wie alle jüdischen Schülerinnen musste sie diese Schule im Frühjahr 1938 verlassen.

Im Klassenbuch findet sich der Vermerk: „Am 24.3. laut Verfügung des Stadtschulamtes entlassen.“

In einer eidesstattlichen Erklärung versicherte Ellens Schwester Hannelore nach  dem Krieg dazu, Ellen habe die Schule „aus rassistischen Gründen verlassen, zumal sie auch auf dem Schulweg von den Mitschülern geschlagen, angespuckt und mit Judensau betitelt wurde.“

Wie viele andere jüdische Kinder besuchte Ellen nun den Unterricht der Jüdischen Bezirksschule,  Frankfurter Straße 103, Bad Nauheim (heute Sophie-Scholl-Schule Wetterau).Sie konnte aber später als Jüdin keinen ordentlichen Beruf mehr erlernen. 1940, Ellen war gerade 15 Jahre alt, ging sie für ein Vierteljahr nach Düsseldorf und machte ein Praktikum in einer Pension in der Sternstraße 14, wo viele Juden verkehrten.

Aus Ellens Akte geht hervor, dass sie sich darum bemühte, nach Amerika auszuwandern und dort als eine Art Au-Pair-Mädchen zu arbeiten. Die Vorbereitungen in dieser Sache waren schon recht weit vorangekommen. Ellen musste sich allerdings noch von einem Arzt für die amerikanischen Behörden bestätigen lassen, dass sie körperlich gesund sei. Die Untersuchung wurde im jüdischen Hospital in Frankfurt in der Gagernstraße durchgeführt, und sie erbrachte nicht das gewünschte Ergebnis. An Ellens Herz wurden Unregelmäßigkeiten festgestellt, die medizinisch nicht richtig eingeordnet werden konnten. Jedenfalls erhielt sie nicht die so dringend benötigte Unbedenklichkeitsbescheinigung für die Vereinigten Staaten. Diese Tatsache machte alle Hoffnungen auf eine Ausreise zunichte, und sicherlich vermag niemand von uns sich vorzustellen, was für eine Katastrophe diese Entwicklung für Ellen und ihre Familie bedeutete, denn alle waren sich der Bedrohung durch Nazideutschland sicher bewusst. Dies erkennt man auch an den weitergehenden Bemühungen von Ellens Eltern, ihre Tochter vielleicht in England oder Holland in Sicherheit zu bringen. Allerdings verliefen auch diese neuerlichen Versuche, Ellen außer Landes zu bringen, erfolglos.

Ellen Jacob wurde schließlich im September 1942 zusammen mit vielen anderen Gießener Juden zunächst einige Tage in das Sammellager in die Goetheschule gebracht, dann nach Darmstadt deportiert und schließlich im Konzentrationslager Treblinka ermordet.

Von einer ehemaligen Mitschülerin von Ellen Jacob wurde uns ein Poesiealbum zur Verfügung gestellt, in dem sich ein Eintrag von Ellen vom 03.02.1938 findet.

Er lautet:

„So wie die Rose blüht, so blühe auch dein Glück. Und wenn du Rosen siehst, dann denk an mich zurück.“

 

Text: Trialogteam Ricarda-Huch-Schule

Seite drucken:

Seite empfehlen:

Newsletter

Bestellen Sie sich hier den Newsletter und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Die Stadtverwaltung ist wieder für alle Services geöffnet

Es gibt aber einige Vorkehrungen und meist ist noch eine vorherige Terminabsprache nötig.

Weitere Infos und Kontakte der Verwaltung

Corona-Meldungen im Überblick


Startseite giessen.de