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Hannelore Adler

Hannelore Adler wurde am 06.04.1927 als zweites Kind der Eheleute Albert und Helene Adler in Gießen geboren. Sie wurde Ostern 1934 in die Schillerschule – heute Haus B der Ricarda-Huch-Schule – eingeschult. Im November 1937 verließ Hannelore die Schule. Sie ging mit ihrer Mutter nach Bad Nauheim und besuchte dort fortan die Jüdische Bezirksschule in der Frankfurter Straße 103 (heute Sophie-Scholl-Schule Wetterau)

Mit dem ersten Kindertransport wurde die 12-jährige Hannelore mit weiteren 100 Kindern im Januar 1939 in die Schweiz geschickt. Im Kinderheim Wartheim in Heiden, Kanton Ausserrhoden, besuchte sie zunächst bis 1942 die Elemantarschule und anschließend eine Höhere Schule. Dieses Kinderheim wurde vom Israelitischen Frauenverein Zürich unterhalten und bot jüdischen Kindern ein sicheres Zuhause. Die Kosten für den Schulbesuch und den Unterhalt der Schülerin wurde von Jüdischen Wohltätigkeitsorganisationen übernommen. Ein Abschluss in der Höheren Schule war nicht möglich, da die weitere finanzielle Unterstützung nicht gewährleistet wurde. Ab Herbst 1944 wurde Hannelore bei Familie Gugenheim in Zürich untergebracht.

Ein Jahr später, im Oktober 1945, wanderte Hannelore, nach Aussage ihres Sohnes Mark, entgegen dem Willen ihrer Pflegefamilie, nach Palästina aus. Sie lebte und arbeitete zunächst in einer landwirtschaftlichen Niederlassung, in einem Kibbuz, bis Oktober 1946. In der folgenden Zeit besuchte Hannelore in Jerusalem Kurse zur Ausbildung zur Kinderkrankenschwester in der Hoffnung, dass diese Ausbildung ihr die Möglichkeit zum Medizinstudium geben würde.

Im Herbst 1948 wurde sie zum Militär eingezogen. Sie erzählte ihrem Sohn, dass sie die erste weibliche Krankenschwester auf den vorderen Linien im Unabhängigkeitskrieg 1948 für den Staat Israel war. Sie nahm an dem Kampf um Jerusalem teil.

Ab 1950 war Hannelore als Krankenschwester tätig. 1953 ging sie zurück nach Frankfurt am Main. Verwandte, die in Beverly Hills lebten, ermöglichten ihr 1954 die Ausreise in die USA. Sie erhielt eine Anstellung im Sinai Krankenhaus in Los Angeles im Bereich Innere Medizin. Wann Hannelore ihren Vornamen in Aviva, die weibliche Form von Frühling, änderte, ist nicht bekannt. Vermutlich als sie nach Palästina einwanderte. Sie heiratete im Sommer 1958 und lebte mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Northridge unweit von Los Angeles.

Im August 1982 folgte Hannelore Adler einer Einladung der Stadt Gießen zur ersten Begegnungswoche. In Anwesenheit der ehemaligen jüdischen Bürgerinnen und Bürger wurde das Mahnmal gegenüber der jüdischen Friedhofskapelle auf dem Neuen Friedhof eingeweiht. Mit Jossi Stern und seiner Schwester Sonja Porath pflanzte sie Zypressen rund um das Mahnmal. Hannelore Adler – Aviva Lefitz starb 1993.

 

Text: Christel Buseck

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