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Irmgard Rosa Baer

Rosa Baer wurde am 02.08.1929 geboren. Sie war ein uneheliches Kind, was in den zwanziger und dreißiger Jahren, neben der jüdischen Herkunft, für Rosa sicherlich ein zusätzlicher gesellschaftlicher Makel war. Rosas Beruf wird in der Gießener Personenstandskartei als „Näherin“, angegeben. Sie wohnte mit ihrer Mutter in der Walltorstraße 38 (später wahrscheinlich Walltorstr. 42), also einem Ghettohaus.

Als Rosa das Lyzeum, heute Ricarda-Huch-Schule, verließ, geschah dies nicht freiwillig. Zusammen mit etlichen anderen jüdischen Schülerinnen wurde sie zwangsweise von der Schule verwiesen. Im Klassenbuch findet sich zu Rosa der Hinweis:

„Austritt am 24.03.1938 laut Anweisung“ sowie „Entlassen am 24.03.1938 laut Verfügung.“ 

Als Ende September 1942 viele Gießener Jüdinnen und Juden zunächst einige Tage in der Goetheschule interniert und später deportiert wurden, gehörte auch Rosa (wie auch noch einige andere ehemalige Schülerinnen dieser Schule) zu den Opfern dieses Verbrechens. Der Gießener Schriftsteller Georg Edward war, weil er in unmittelbarer Nähe zur Goetheschule wohnte, Augenzeuge dieses Geschehens. Er notierte – merklich erschüttert - in seinem Tagebuch folgende Passage:

„Die letzten Juden sind gestern und heute gewaltsam aus Giessen wegtransportiert worden. Sie waren in der Goetheschule in unserer Nähe zusammengepfercht und es war ein erschütternder Anblick für mich, eine Anzahl Freunde darunter zu sehen, denen man Pappdeckel umgehängt hatte, auf denen Zahlen standen. Den unglücklichen Menschen wurde verboten, mehr als ganz wenig Gepäck mitzunehmen und so gut wie kein Geld. Alles Eigentum und Geld war konfisziert worden. Während der letzten zwei Nächte mussten sie auf Stroh in den leeren Schulzimmern schlafen. Sie wurden in Automobilen auf den Frachtbahnhof geschafft, ich war nicht imstande, es mit anzusehen, obwohl ich vom Fenster aus den Schulhof überblicken konnte. Es wurde mir gesagt, die armen Menschen würden nach Polen geschafft, die jüngeren von ihren Eltern getrennt und diese sobald wie möglich umgebracht. Tausende und Abertausende von Juden sollen von den SS-Männern bereits ermordet worden sein, aber man verlangt, das deutsche Volk solle die blutrünstige Bestie anbeten, die Deutschland dem Verderben entgegenführt und die Deutschen zum verhasstesten Volk der Welt macht“.

Rosa Baer wurde am 30. September 1942 über Darmstadt vermutlich nach Treblinka deportiert und ermordet.

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