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Julius und Claire Stern

Julius Stern wurde 1890 in Breidenbach im Hinterland geboren. Als Julius 10 Jahre alt war, kam er mit seinen Eltern und sechs Geschwistern nach Gießen in die Steinstraße 19, wo sein Vater Isaak Stern und sein Großvater Joseph Stern eine Manufakturwarenhandlung betrieben (Joseph Stern & Söhne). Von hier ging er zur Schule, machte eine kaufmännische Ausbildung und leistete Militärdienst.

Mit 30 Jahren heiratete er in Gießen Johanna Kaminka, die Uhrmachertochter aus dem Haus am Marktplatz mit der Nummer 11. Zwei Kinder kamen zur Welt: Helmut und Sonja. Nur wenige Jahre nach der Hochzeit starb Johanna Stern. Julius Stern, nun Witwer mit zwei kleinen Kindern, fand jedoch schnell seine zweite Ehefrau durch Vermittlung eines Rabbiners. Dies war Claire Thalheimer aus Sennfeld bei Adelsheim in Nordbaden.

Ein Jahr nach der Eheschließung kam 1926 die Tochter Esther zur Welt. Nun bestand die Familie aus sechs Personen, denn Jettchen Stern, eine ledige Tante von Julius Stern, lebte inzwischen mit der Familie zusammen. Tante Jettchen verstarb im Jahr 1940, ihr Grab ist auf dem Neuen Friedhof.

In dem prächtigen Fachwerkhaus am Marktplatz 11 wohnte die Familie Stern mit anderen jüdischen Familien zur Miete mehr als 10 Jahre lang. Da das Haus der Stadt Gießen gehörte, wurde schon zu Beginn der NS-Herrschaft den jüdischen Bewohnern gekündigt und so zogen die Sterns notgedrungen in die Löberstraße 20 um.

Obwohl sie der orthodoxen Religionsgemeinde angehörten, wurden die Kinder schon in jungen Jahren zionistisch geprägt und ausgerichtet. Beide Kinder konnten nach entsprechender Ausbildung und Vorbereitung nach Palästina auswandern. 1936 ging der Sohn Helmut, der sich in Palästina Joseph (Jossi) nannte, und 1938 folgte die Tochter Sonja.

Bereits 1935, also lange vor der Pogromnacht, zog die nunmehr 6-köpfige Familie erneut um, aus der Löberstraße 20 in das Ghettohaus Walltorstraße 48.

Nach dem 9. November 1938 wurde Julius Stern in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt, gequält und gedemütigt, obwohl er Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg gewesen war, verwundet wurde und das Eiserne Kreuz erhielt.

Kurz vor der Deportation war Julius Stern drei Monate Zwangsarbeiter im Tiefbau. Von seinen sieben Geschwistern wurden vier nachweislich ermordet.

Julius Stern wurde 52 Jahre alt, seine Frau Claire Thalheimer wurde 48 Jahre und ihre Tochter Esther 16 Jahre alt.

 

Text: Christel Buseck und Horst Rohmer

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