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Elisabeth Henriette Will

Elisabeth Henriette Will, geb. Klein, geboren in Wien am 2. November 1901 als Kind jüdischer Eltern. Sie macht Abitur und studiert Germanistik und Musikgeschichte an der Wiener Universität, beendet aber das Studium nicht, wird stattdessen Kindergärtnerin und tritt 1925 in den Dienst der Stadt Wien.

Auf einem Ball, zu dem sie die Eltern mitnehmen, lernt sie Heinrich Will kennen, der an der Wiener Kunstakademie studiert. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Fast 4 Jahre sehen sie sich, aber meist sonntags. Nach einem Italienaufenthalt Heinrichs hält dieser 1929 bei ihrem Vater um ihre Hand an. Sie verloben sich, Heinrich fährt nach Gießen, findet ein geeignetes Atelier und eine Wohnung in der Moltkestraße. Sie tritt zum evangelischen Glauben über. In Wien wird am 12.07.1930 die Hochzeit in der Wiener Evangelischen Kirche in Wien gefeiert, dann beginnt das gemeinsame Leben in Gießen.

Sie fügen sich gut in das Leben in Gießen ein und lernen einige Leute näher kennen. Ende der 30iger Jahre wird es für Juden in Deutschland immer schwieriger, aber es gibt Menschen die sie schätzen und sie kann sich im Freundeskreis fast wie normal fühlen. Dazu kam, dass durch die so genannte Privilegierte Mischehe in der sie mit ihrem Mann lebte, sie gewisse Sicherheiten hatte. Jüdische Frauen die mit einem arischen Mann verheiratet waren, mussten den Judenstern nicht tragen. Die Wills waren zwischenzeitlich im April 1932 in eine preiswertere Wohnung in die Friedrichstraße 8 in den 3. Stock unters Dach gezogen.

1941 ist ein besonders hartes Jahr für Elisabeth Will. Die Nazis verlangen, dass alle weiblichen Juden den zusätzlichen Vornamen Sara führen müssen. Heinrich hält sie davon ab ihre Kennkarte ändern zu lassen. Dies wird bei einer Kontrolle entdeckt und am 3. August 1941 wird sie wegen Vergehens gegen die Kennkartenverordnung und wegen Unterlassung der Führung des Vornamens Sara zu 100 Reichsmark oder 20 Tage Gefängnis verurteilt. Sie ist damit vorbestraft.

Am Abend des 6. Februar 1942 gegen 22 Uhr, werden anlässlich des Treffens des sogenannten Freitagskränzchen beim Abhören von Feindsendern etliche Personen, darunter auch Frau Will und ihr Mann, verraten durch die Gestapoagentin Dagmar Imgart, verhaftet. Die regelmäßigen Treffen fanden in der Wohnung des Dr. Alfred Kaufmann, An der Johanneskirche 5 1 Stock, statt. Die verhafteten Personen werden gefesselt ins Gestapo-Gefängnis in der Neuen Bäue verbracht. Von dort werden sie am nächsten Tag in die Gestapo-Zentrale nach Darmstadt zu Verhören transportiert. Bis Mitte März verbleiben sie dort in der Gewalt der Gestapo. Am 18. März werden sie in das normale Untersuchungsgefängnis Darmstadt verlegt. Für den 20./21. Juli 1942 ist vor dem Volksgerichtshof der Prozess festgelegt. In einem Schauprozess werden dort Heinrich Will und Dr. Kaufmann zum Tode, weitere Frauen; darunter auch Elisabeth Will zu mehrjährigen Zuchthausstrafen verurteilt. Elisabeth Will und Bobby Schmidt, Lehrerin an der Goetheschule in Gießen, werden am 14. August 1942 ins Frauenzuchthaus Ziegenhain überführt. Von dort wird Frau Will am 7. Dezember 1942 um 14:15 Uhr nach Auschwitz entlassen. Ein Todestag ist nicht bekannt, vermutlich wurde sie direkt von der Rampe in die Gaskammer geführt.

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