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Die Familien Michel und Schiff aus Gladenbach

Meier Michel (geb. 1862) war 1889 der erste Pferdehändler in Gießen, zumindest der erste, der im Adressbuch eingetragen war. Lt. Personenstandskartei war er mit seiner Familie 1887 nach Gießen gezogen mit der Geschäftsadresse Bleichstraße 24, die Wohnung war lt. Adressbuch zunächst in der Alicenstraße 11. Meier Michel ist als Prokurist für die Firma Salomon Michel eingetragen. Weder zur Firma noch zur Person Salomon M. fanden sich Unterlagen im Stadtarchiv Gießen.

Im Buch zu den Juden aus Gladenbach/Kreis Biedenkopf ist ein Salomon Michel (1828-1907) genannt, der mit Betty geb. Cohn (o .D.) verheiratet war; nicht aufgeführt ist, ob und wann die beiden nach Gießen zogen oder wer in ihrem Namen das Geschäft in Gießen eröffnete. Genannt sind zwei Söhne: Wolf Benjamin Michel (geb. 23.06.1862), der das Geschäft in Gladenbach führte; er und seine Familie wurde im Holocaust ermordet, nur Sohn Leonhard Michel (geb. 06.10.1897) emigrierte mit Familie frühzeitig nach Kolumbien (1933). Der andere Sohn von Salomon M. war Hermann Michel, der nachweisbar mit seiner Frau Franziska, geb. Schiff, aus Gladenbach 1908 nach Gießen zog, also ein Jahr nach dem Tod seines Vaters. Den Gladenbacher Akten zufolge verkauften sie ihr dortiges Haus 1911.

Die Söhne von Hermann Michels Bruder Wolf führten noch 1927 Geschäfte in Gladenbach: Isidor (geb. 04.02.1892) eine Manufakturwarenhandlung und Leonhard (geb. 06.10.1897) eine Viehwarenhandlung, beide in der Bahnhofstraße 11. Über die Urgroßväter verwandt waren sie auch mit Ernst Michel (geb. 02.12.1893), der ein Geschäft für den Handel mit Häuten, Fellen und Därmen führte und mit dessen Bruder Julius (geb. 02.06.1882), der eine Viehhandlung führte; beide waren in der Burgstraße ansässig. Die Genannten zogen mit ihren Familien 1935/38 nach Marburg, mit Ausnahme von Leonhard, der bereits 1933 auswanderte und den Holocaust als einziger überlebte.

1887 waren Meier Michel und seine Frau Rosalie, geb. Schiff, nach Gießen gezogen, die Bleichstraße 24 war zunächst nur Geschäftsadresse. 1898 ist Meier Michel im Adressbuch als Besitzer des Hauses eingetragen und Hermann Michel in Gladenbach ist als Mitinhaber aufgeführt. Weder Meier Michel noch Rosalie, geb. Schiff, tauchen in den Gladenbacher Listen auf, über ihre Herkunft ist bislang nichts bekannt.

Die Personenstandskarte Meier Michel in Gießen weist Anfang des 20. Jahrhunderts als weitere Familienmitglieder auf: Berthold Michel (geb. 09.05.1888) und Johanna Michel (geb. 15.03.1890), beide in Gießen geboren und zur Schule gegangen; des weiteren Siegfried Schiff (geb. 20.03.1891), geboren in Gladenbach und ebenfalls Gießener Schüler. Siegfried Schiff ist in den Gladenbacher Listen aufgeführt als Sohn von Willy Schiff (14.11.1856-11.09.1928) und Fanny, geb. Michel (15.11.1857-1.03.1930). Darüber wird schon deutlich, dass die Familien mehrfach untereinander heirateten, wie auch bei:

Die Familie Hermann Michel (geb. 1865) zog 1908 nach Gießen, nach dem Tod von Meier Michel 1919 (57-jährig) führte Hermann Firma und Pferdehandel allein weiter.

Beide, Meier und Hermann Michel, hatten Ehefrauen, die eine geborene Schiff (Rosalie geb. 1865, Franziska geb.1873,) aus Gladenbach waren. Sie stammten aus der alteingesessenen und ebenfalls weit verzweigten Kaufmannsfamilie Schiff in Gladenbach, die mit "Landesprodukten und Spirituosen" handelten. In den Gladenbacher Familienlisten ist nur Franziska genannt, Tochter von Wolf Schiff (geb. 08.02.1845, gestorben 14.02.1935 in Gießen) und Sara geb. Mai aus Mömlingen (18.07.1847-20.07.1929).

Auch Meier und Rosalie Michel sind (wie Hermann und Franziska Michel) in der jüdischen Abteilung des Friedhofs am Rodtberg in Gießen bestattet worden.

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