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Nach dem Novemberpogrom 1938

Hermann Michel gehörte zu den gut 30.000 Männern, die direkt nach der Reichspogromnacht vom 09.11.1938 verhaftet und in verschiedene Arbeitslager (zum Beispiel Buchenwald) deportiert wurden. Die meisten kamen bald wieder frei, die letzten im April 1939, sofern sie die katastrophalen Zustände im Lager überlebt hatten. Hermann Michel, der schon über 70 Jahre alt und bereits ein kranker Mann war, wurde relativ lange festgehalten (bis 17.2.1939), wie den Suchakten in Bad Arolsen zu entnehmen ist. Er erholte sich von den Folgen nicht mehr - die Enkelin sprach von "langem Siechtum" - und starb im Dezember 1940.

Enkelin Charlotte O. berichtete, dass der Fahrer des NSDAP-Kreisleiters sich für das Haus Bleichstraße 28 interessierte und er ihre Großmutter (an anderer Stelle ist die Rede von ihren Eltern) gleich bei der Beerdigung ihres Mannes unter Druck gesetzt habe, den Verkaufvertrag für das Hausgrundstück zu unterschreiben (sog. "Arisierung", also erzwungener Verkauf von jüdischem Besitz).

Dieser Fahrer habe sich bereits im Adressbuch unter dieser Adresse eintragen lassen. (vgl. Gladenbach) Laut Adressbuch wohnte im Hinterhaus ein Kraftfahrer Wilh. May; ob es sich bei ihm um den besagten Chauffeur handelt, ließ sich nicht bestätigen.

Verkauft wurde das Haus an einen benachbarten Dachdeckerbetrieb, danach an eine ortsbekannte Installationsfirma. Die Adressbücher weisen zwar bis 1941 Michel als Besitzer aus, doch dürfte es in diesem Zeitraum nicht mehr gegolten haben. Das nächste Adressbuch erschien erst 1949, daher lassen sich darüber die weiteren Besitzverhältnisse nicht klären.

Franziska Michels letzte Wohnadresse war der Wetzlarer Weg 17 (Knauß 1987), wo sich eines der Gießener Ghettohäuser befand; wann genau ihr Haus in der Bleichstraße zwangsverkauft wurde ist ungeklärt. Am 21. November 1941 beging sie Selbstmord.

Auffällig ist, dass dies der Tag vor der zweiten großen Deportation in Frankfurt war. Womöglich hatte sie durch Frankfurter Verwandte davon erfahren. (Hinweis Dr. Susanne Meinl)

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