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Vertreibung der jüdischen Händler von den Viehmärkten

Hermann Michel war im Zuge der Vertreibung der jüdischen Händler von den Viehmärkten in Oberhessen derart verprügelt worden, dass er nicht mehr voll arbeitsfähig war; ein genaues Datum ist nicht überliefert. Er habe daraufhin das Geschäft verkleinert, einen Teil der Nebengebäude verkauft und die eigene Wohnung aufgeteilt, um die andere Hälfte zu vermieten.

1931 wohnten lt. Adressbuch in der ersten Etage außer den Michels noch Kaufmann K.A. Koch und Rektorin E(mma) Weitzel (Leiterin der Frauenarbeitsschule), das heißt zu diesem Zeitpunkt war die Wohnung bereits verkleinert. Im Parterre war noch die Pferdehandlung untergebracht. Laut Adressbuch 1939 wohnen Michels jetzt im Parterre, d.h. die Pferdehandlung war aufgelöst, mit ihnen im Parterre wohnt Kaufmann Wilh. Hollricher (siehe Zeitzeugin-Bericht), in der ersten Etage sind weiterhin Koch und Weitzel aufgeführt.

Die NS-Stadtverwaltung begann 1933 damit, "Nicht-Arier" von den Gießener Märkten auszuschließen; obwohl von der Reichsregierung noch anders lautende Direktiven kamen, in denen die Gewerbefreiheit als oberstes Gebot galt. Als Mittel der Wahl entpuppte sich das Argument, dass Juden "aus Gründen der Sicherheit und Ordnung nicht zugelassen" wurden. Dahinter stand die Befürchtung/Erfahrung, dass bei "arischen Marktteilnehmern" aggressive Stimmungen hervorgerufen wurden. Die jüdischen Händler wichen aus auf den Handel mit Pferden an Vormarkttagen oder in den eigenen Ställen; auch dies wurde nach und nach eingedämmt. Seit Oktober 1935 wurden die Pferdemärkte in Gießen und den umliegenden Ortschaften als "judenfrei" gemeldet. (Lit.: Breitbach 1990)

Die Pferde(zubehör)handlung Michel war im Juni 1936 aus dem Firmenregister endgültig gelöscht worden, der Pferdehandel in Kommission im September 1937. Die Familie lebte von den Mieteinnahmen, vom Ersparten und dem Erlös aus Leihbibliothek und Buchverkauf.

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