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Ludwig Rosenthal

Ludwig Rosenthal war das einzige Kind seiner Eltern. Er besuchte die Schule zunächst in Philipstein, in Gießen die Oberrealschule (heute Liebigschule, Zeugnisse vorhanden von 1910 – 1915) und studierte Jura an der Universität in Gießen.

Im April 1920 ging er für drei Monate nach Heidelberg als Gerichtsreferendar. Er kehrte zurück nach Gießen und beendete das Studium. Seine Dissertation hatte den Titel „Die völkerrechtliche Handlungsfähigkeit der deutschen Einzelstaaten im früheren und heutigen Reichsrecht“, 1923.

Von Oktober 1920 bis April 1933 war er Rechtsanwalt. Danach arbeitete er im Geschäft seines Vaters.

Herbst 1938: Safeöffnung bei der Bank (danach konnten die Besitzer nicht mehr nach Belieben Geld abheben oder über Wertpapiere und Grundbesitz verfügen).

Nachdem den jüdischen Rechtsanwälten zum 30. Nov. 1938 die Zulassung entzogen worden war, konnten sie die Zulassung als Konsulent beantragen. Sie durften dann ausschließlich für jüdische Mandanten tätig werden. Für den Antrag musste Ludwig Rosenthal im Oktober 1939 die Geburtsurkunde der Großmutter väterlicherseits beibringen. Das Personenstandsgesetz war von 1874. Davor wurden Geburten von den Pfarrern festgehalten. Ludwig musste also mühsam die jüdischen Gemeinden der Eltern und Großeltern aufsuchen.

Am 10. November 1938 wurde Ludwig Rosenthal nach Buchenwald verschleppt. Er erhielt die Nummer 21265 und war neun Wochen bis Ende Dezember interniert.  Er wurde entlassen unter der Auflage, schnellstens auszuwandern.

Voller Verzweiflung griff er nach jedem Strohhalm: Touristenvisum für Brasilien, Anfragen zu Bolivien, Kuba, USA, China. Er bemüht sich weiterhin um Auswanderung: Auswanderungsantrag USA vom 24.8.1938, Nr. 224 864. Da dies eine Nummer mit langer Wartezeit ist, meint er, sich bis dahin in den Niederlanden oder England aufhalten zu können.

Als letzter „Konsulent“ in Oberhessen konnte er als Interessenvertreter tätig werden, aber nicht mehr vor Gericht auftreten. Nachdem sein Kollege Dellevie in Kassel ausgewandert war, hielt Rosenthal auch in Kassel Sprechstunden ab.

Ludwig Rosenthal war unverheiratet.

Ludwig Rosenthal wurde von Eltern und Tante getrennt und gehörte zum Transport vom 30.09.1942 von Darmstadt in die Vernichtungsstätte Treblinka (vermutlich). Alle Menschen in diesem Transport wurden unmittelbar nach Ankunft ermordet.

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