Rathaus

Seiteninhalt

Westanlage 43 (Goetheschule) - Regina Ruth Goldschmidt, Else Friederike Kann, Arno Lorsch

Regina Ruth Goldschmidt
*03.10.1922 in Gießen
deportiert am 30.09.1942 ab Darmstadt vermutlich nach Treblinka
ermordet vermutlich in Treblinka
Stolperstein verlegt am 26.08.2013

Else Friederike Kann
*01.08.1929 in Gießen
deportiert 27.09.1942 ab Darmstadt nach Theresienstadt
ermordet in Auschwitz
Stolperstein verlegt am 26.08.2013

Arno Lorsch
*22.03.1928 in Alsfeld
deportiert am 30.09.1942 ab Darmstadt vermutlich nach Treblinka
ermordet vermutlich in Treblinka
Stolperstein verlegt am 26.08.2013

 

Standort Stolpersteine Westanlage 43


Ruth Regina Goldschmidt

Ruth Regina Goldschmidt wurde am 03.10.1922 in Gießen als zweite Tochter der Eheleute Nathan und Rosa Goldschmidt, geb. Stern, geboren. Ruths Vater war Teilnehmer am Ersten Weltkrieg und trug eine Kriegsverletzung davon. Er übte verschiedene Tätigkeiten aus, unter anderem war er Händler und Vertreter bei Fa. Theisebach. Zunächst wohnte die Familie in der Kaplansgasse 14 und ab März 1933 in der Bahnhofstraße 58.

Ruth wurde Ostern 1929 in die Schillerschule eingeschult und wechselte zum 4. Schuljahr auf die Goetheschule, die sie am 18. März 1937 nach achtjähriger Schulzeit verließ. Sie arbeitete als Hausangestellte. Ruths Mutter verstarb im September 1933. Ihr Vater heiratete im Januar 1934 Lina Stern, vermutlich die Schwester seiner verstorbenen Frau.

Die Familie musste in das Haus Liebigstraße 37, ein Ghettohaus, umziehen. Der Vater versuchte seinen Kinder Ruth Regina und Hildegard die Ausreise nach England zu ermöglichen. Der Versuch scheiterte durch den Beginn des Krieges. Ruth Regina, ihre Schwester Hildegard, ihr Vater und seine Frau Lina wurden am 14.09.1942 in der Goetheschule, die als Sammellager diente, interniert. Zwei Tage später wurden sie nach Darmstadt gebracht und am 30. September 1942 vermutlich nach Treblinka deportiert und dort ermordet.

Else Friederike Kann

Else Friederike Kann wurde am 1. August 1929 als zweite Tochter des Oberstudienrates Dr. Siegfried Kann und seiner Frau Martha geboren. Die Familie lebte im Haus der Großeltern in der Liebigstraße 37. Else wurde Ostern 1936 in die Goetheschule eingeschult. Sie wird als stilles, schüchternes und sehr zurückhaltendes Mädchen beschrieben. Wie alle jüdischen Schülerinnen und Schüler wurde sie im März 1938 gemäß der Verfügung des Stadtschulamtes aus der Schule entlassen. Else war 9 Jahre alt. Im Klassenbuch des Schuljahres 1937/1938 findet sich der Eintrag: „Beurlaubt bis auf weiteres“.

Wahrscheinlich musste die Familie Kann 1941 ihre Wohnung in der Liebigstraße verlassen und in das Ghettohaus in der Landgrafenstraße 8 umziehen. Anfang September 1942 wurde Else zusammen mit ihrer Familie und allen weiteren jüdischen Bürgerinnen und Bürgern, die noch in Gießen lebten, in dem Sammellager in der Goetheschule interniert und am 17.09.1942 mit einem Transport nach Darmstadt gebracht.

Aus den Unterlagen des Konzentrationslagers Theresienstadt geht hervor, dass ihre Schwester Hilde zusammen mit den Eltern am 27.09.1942 von Darmstadt aus dorthin deportiert wurde. Else war auch mit in diesem Transport, sie ist jedoch nicht namentlich erwähnt. Laut Deportationsliste in den Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins Band 85 wurde Else am 09.10.1944 mit ihrer Mutter nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Arno Lorsch

Arno Lorsch wurde am 22.03.1928 in Alsfeld als 2. Kind der Eheleute Gustav und Selma Lorsch, geborene Stiefel, geboren. Er hatte einen ein Jahr älteren Bruder, Norbert. Die Familie kam am 26. Februar 1934 nach Gießen und zog in die Nordanlage 1. Ab April 1937 wohnte Familie Lorsch in der Bahnhofstraße 66 und später in der Walltorstraße 12. Arnos Vater hatte einen Vertrieb von Putz- und Reinigungsmitteln und in der Hammstraße einen Platz zur Vieheinstellung.

1934 wurde Arno in der Goetheschule eingeschult. Wie alle jüdischen Schüler und Schülerinnen wurde er im März 1938 gemäß der Verfügung des Stadtschulamtes aus der Schule entlassen. Arno war 10 Jahre alt.

In seiner Steuerkarte ist als Tätigkeit „Holzschäler“ angeben, ebenso bei seinem Bruder Norbert.

Im September 1942 wurde die Familie in der Goetheschule interniert. Zwei Tage später wurde sie nach Darmstadt gebracht und am 30. September 1942 von dort vermutlich nach Treblinka deportiert und ermordet.

 

Text: Christel Buseck

Seite drucken:

Seite empfehlen:

Newsletter

Bestellen Sie sich hier den Newsletter und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.