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Stephanstraße 28 - Theo David und Henriette, Amalie, Hannelore, Ellen Jacob, Gerson und Julie Jacob

 Theo David Jacob
*22.06.1887 in Rüddingshausen, Kreis Gießen
deportiert am 30.09.1942 ab Darmstadt vermutlich nach Treblinka
ermordet vermutlich in Treblinka
Stolperstein verlegt am 08.09.2010

Henriette Clothilde Jacob, geb. Blumenthal
*04.01.1888 in Gemünden, Kreis Westerburg
deportiert 30.09.1942 ab Darmstadt vermutlich nach Treblinka
ermordet vermutlich in Treblinka
Stolperstein verlegt am 08.09.2010

Amalie Jacob, verh. White
*10.06.1918 in Selters, Kr. Montabaur
Flucht nach England
Stolperstein verlegt am 08.09.2010

Hannelore Jacob, verh. Schwarz
*26.08.1921 in Gießen
Flucht nach England
Stolperstein verlegt am 08.09.2010

Ellen Jeanette Jacob
*17.10.1925 in Gießen
deportiert am 30.09.1942 ab Darmstadt vermutlich nach Treblinka
ermordet vermutlich in Treblinka
Stolperstein verlegt am 08.09.2010

Günther Gerson Jacob
*19.01.1920 in Selters, Kreis Montabaur
deportiert 30.09.1942 ab Darmstadt vermutlich nach Treblinka
ermordet vermutlich in Treblinka
Stolperstein verlegt am 08.09.2010

Julie Lore Jacob, geb. Stern
*12.05.1924 in Mannheim
deportiert 30.09.1942 ab Darmstadt vermutlich nach Treblinka
ermordet vermutlich in Treblinka
Stolperstein verlegt am 08.09.2010

 

Standort Stolpersteine Stephanstraße 28


Theo David und Henriette Clothilde Jacob

Theo David Jacob wurde am 22.06.1887 in Rüddingshausen, Kreis Gießen, geboren. Die Eltern waren der Viehhändler Gerson Jacob und seine Frau Amalie, geborene Eckstein. Er besuchte das Gymnasium in Marburg, das er mit der Mittleren Reife verließ.

Eine Ausbildung im Bankhaus Baruch Strauss in Marburg folgte. Nach der Lehre war er in verschiedenen Bankhäusern tätig. Theo David Jacob heiratete am 11.02.1918 Clothilde Blumenthal. Henriette Clothilde Blumenthal, verheiratete Jacob, wurde am 04.01.1888 in Gemünden, Kreis Westerburg als Tochter der Eheleute William und Franziska Blumenthal, geborene Wolf, geboren. Aus den Unterlagen geht hervor, dass die Familie zwei Kinder hatte.

Das Paar lebte zunächst in Selters, Kreis Montabaur. Hier wurden auch die beiden älteren Kinder Amalie und Günther Gerson geboren. Im März 1920 folgte Clothilde von Bad Nauheim mit ihren Kindern ihrem Mann nach Gießen. Die Familie wohnte in der Stephanstraße 28. 1921 wurde Tochter Hannelore geboren und vier Jahre später Ellen Jeanette.             

Theo David Jacob arbeitete zunächst bis Mitte der 20er Jahre als Generalagent einer Darmstädter Bank in Gießen, diese Stellung gab er auf. In den Akten zu den Entschädigungsverfahren heißt es dazu, David Jacob habe die Stellung notgedrungen gekündigt, „da er als Jude nicht länger beschäftigt werden konnte.“ Er verdiente daraufhin seinen Lebensunterhalt als Vertreter einer Versicherungsgesellschaft.

Im Frühjahr 1939 musste die Familie Jacob ihre Wohnung in der Stephanstraße verlassen und in das Ghettohaus Walltorstraße 48 ziehen. Theo David Jacob wurde am 10.11.1938 in das KZ Buchenwald verschleppt (Nummer 21274) und am 16.12.1939 entlassen. Zwischen 1939 und seiner Deportation 1942 wurde er zu Zwangsarbeiten an Bahngleisen im Gießener Raum herangezogen.

Am 14.09.1942 wurde Theo David Jacob mit seiner Frau, seiner Tochter, seinem Sohn und der Schwiegertochter in die Goetheschule gebracht und am 16.09.1942 vom Güterbahnhof mit vielen anderen jüdischen Bürgern nach Darmstadt deportiert. Am 30.09.1942 wurde er vermutlich nach Treblinka deportiert und dort ermordet.

 

Text: Christel Buseck

Amalie Jacob

Amalie Jacob ist die älteste Tochter von Theo David Jacob und seiner Ehefrau Clothilde. Sie wurde am 10.06.1918 in Selters, Kreis Montabaur geboren. Sie lebte zunächst mit ihren Eltern in Bad Nauheim.

Der Vater zog am 01.07.1919 nach Gießen in die Stephanstraße 28. Amalie und ihre Mutter folgten im März 1920.

Amalie besuchte das Lyzeum (heute Ricarda-Huch-Schule) bis Ostern 1933. Aus der Personenstandkarte geht hervor, dass sie 1936 nach Meschede ging. Hier verliert sich ihre Spur.

Bei weiteren Nachforschungen nach der Stolpersteinverlegung konnten wir feststellen, dass Amalie die Flucht nach England gelang. Dort heiratete sie und lebte als Amalie White, geborene Jacob, in Bingly (Yorkshire) England.

 

Text: Christel Buseck

Hannelore Jacob

Hannelore Jacob wurde am 26.08.1921 in Gießen als Tochter der Eheleute Theo David und Clothilde Jacob geboren. Hannelore wuchs mit ihren drei Geschwistern in der Stephanstraße 28 auf. Sie besuchte, wie ihre Schwestern, das Lyzeum (heute Ricarda-Huch-Schule).

In der Zeit von Oktober 1931 bis August 1932 war Hannelore in Kirchhain, Bezirk Kassel. Es ist zu vermuten, dass sie dort bei Verwandten lebte. Ostern 1936 verließ sie die Schule und ging im Juli 1936 nach Düsseldorf, vermutlich war sie dort als Dienstmädchen tätig (wie ihre jüngere Schwester Ellen 1940).

In der Personenstandkartei ist vermerkt, dass Hannelore sich am 31.10.1938 nach Elberfeld abgemeldet hat. Aus den Unterlagen des Internationalen Suchdienstes des Roten Kreuzes konnten wir entnehmen, dass Hannelore die Flucht nach London gelungen ist. Sie heiratete und lebte einige Jahre in der Nähe von Buenos Aires/Argentinien. Später verlegte Hannelore Schwarz, geborene Jacob, ihren Wohnsitz in die Schweiz nach Minusio bei Locarno.

 

Text: Christel Buseck

Ellen Jeanette Jacob

Ellen Jeanette Jacob wurde am 17. Oktober 1925 in Gießen geboren. Ihre Eltern waren Theo David Jacob und Clothilde Jacob, geborene Blumenthal. Ellen hatte drei ältere Geschwister. Hannelore, Amalie und Günther. Laut Gedenkbuch des Bundesarchivs wurden neben Ellen auch Günther, seine Frau Julie sowie die beiden Eltern im Zuge der Deportation im September 1942 ermordet. Amalie und Hannelore überlebten den Holocaust. Die Familie wohnte zunächst in der Stephanstraße 28, musste aber später in ein Ghettohaus in der Walltorstraße umziehen.

Ellen wechselte zum Schuljahr 1935/1936 auf das Lyzeum. Wie alle jüdischen Schülerinnen musste sie diese Schule im Frühjahr 1938 verlassen.

Im Klassenbuch findet sich der Vermerk: „Am 24.3. laut Verfügung des Stadtschulamtes entlassen.“

In einer eidesstattlichen Erklärung versicherte Ellens Schwester Hannelore nach  dem Krieg dazu, Ellen habe die Schule „aus rassistischen Gründen verlassen, zumal sie auch auf dem Schulweg von den Mitschülern geschlagen, angespuckt und mit Judensau betitelt wurde.“

Wie viele andere jüdische Kinder besuchte Ellen nun den Unterricht der Jüdischen Bezirksschule,  Frankfurter Straße 103, Bad Nauheim (heute Sophie-Scholl-Schule Wetterau).Sie konnte aber später als Jüdin keinen ordentlichen Beruf mehr erlernen. 1940, Ellen war gerade 15 Jahre alt, ging sie für ein Vierteljahr nach Düsseldorf und machte ein Praktikum in einer Pension in der Sternstraße 14, wo viele Juden verkehrten.

Aus Ellens Akte geht hervor, dass sie sich darum bemühte, nach Amerika auszuwandern und dort als eine Art Au-Pair-Mädchen zu arbeiten. Die Vorbereitungen in dieser Sache waren schon recht weit vorangekommen. Ellen musste sich allerdings noch von einem Arzt für die amerikanischen Behörden bestätigen lassen, dass sie körperlich gesund sei. Die Untersuchung wurde im jüdischen Hospital in Frankfurt in der Gagernstraße durchgeführt, und sie erbrachte nicht das gewünschte Ergebnis. An Ellens Herz wurden Unregelmäßigkeiten festgestellt, die medizinisch nicht richtig eingeordnet werden konnten. Jedenfalls erhielt sie nicht die so dringend benötigte Unbedenklichkeitsbescheinigung für die Vereinigten Staaten. Diese Tatsache machte alle Hoffnungen auf eine Ausreise zunichte, und sicherlich vermag niemand von uns sich vorzustellen, was für eine Katastrophe diese Entwicklung für Ellen und ihre Familie bedeutete, denn alle waren sich der Bedrohung durch Nazideutschland sicher bewusst. Dies erkennt man auch an den weitergehenden Bemühungen von Ellens Eltern, ihre Tochter vielleicht in England oder Holland in Sicherheit zu bringen. Allerdings verliefen auch diese neuerlichen Versuche, Ellen außer Landes zu bringen, erfolglos.

Ellen Jacob wurde schließlich im September 1942 zusammen mit vielen anderen Gießener Juden zunächst einige Tage in das Sammellager in die Goetheschule gebracht, dann nach Darmstadt deportiert und schließlich im Konzentrationslager Treblinka ermordet.

Von einer ehemaligen Mitschülerin von Ellen Jacob wurde uns ein Poesiealbum zur Verfügung gestellt, in dem sich ein Eintrag von Ellen vom 03.02.1938 findet.

Er lautet:

„So wie die Rose blüht, so blühe auch dein Glück. Und wenn du Rosen siehst, dann denk an mich zurück.“

 

Text: Trialogteam Ricarda-Huch-Schule

Günther Gerson Jacob

Günther Gerson Jacob wurde als zweites Kind der Eheleute Theo David und Clothilde Jacob am 19.01.1920 in Selters, Kreis Montabaur geboren. Theo Jacob zog im Juli 1919 nach Gießen. Clothilde Jacob wohnte weiterhin mit ihren Kindern Günther und Amalie in Bad Nauheim.Im März 1920 folgten sie dem Vater in die Stephanstraße 28.

Nach dem Besuch des Realgymnasiums, das er mit der mittleren Reife verließ, absolvierte er eine Lehre bei der Firma Sommerfeld, Öle und Lacke in Gießen. Ab 1939 musste er Zwangsarbeit bei der Reichsbahn leisten.

Günther Gerson heiratete Julie Lore Stern aus Mannheim. Beide lebten im Elternhaus in der Stephanstraße und wurden von dort in das Ghettohaus in der Walltorstraße 48 eingewiesen. Sie wurden am 14.09.1942 in der Goetheschule interniert. Zwei Tage später wurde er mit seiner Frau nach Darmstadt gebracht, am 30. September 1942 nach Treblinka deportiert und dort ermordet.

 

Text: Christel Buseck

Julie Jacob, geb. Stern

Julie Jacob wurde als Tochter des jüdischen Kaufmanns Wilhelm Stern (selbständiger Vertreter in der Herrenkonfektion) und dessen Ehefrau Elisabeth, geb. Kuhn, am 12.05.1924 in Mannheim geboren.

Sie wuchs im Haushalt ihrer Eltern in der Lameystraße 15 auf – damals ein gut situiertes, bürgerliches Wohnquartier. Am 26.7.1940 zog Julie Stern nach Berlin-Grunewald. Sie heiratete Gerson Günter Jacob, Ort und Datum der Trauung sind nicht bekannt. Sie lebte mit ihrem Mann in Gießen in der Stephanstraße 28.

Beide wurden von dort in die Walltorstraße 48 eingewiesen, wo ihre Schwiegereltern Clothilde und Theo Jacob und die Schwägerin Ellen ebenfalls wohnen mussten. Julie Lore Jacob wurde am 14.09.1942 mit ihrem Mann, den Schwiegereltern und der Schwägerin in der Goetheschule interniert. Zwei Tage später wurden sie nach Darmstadt gebracht und am 30. September vermutlich nach Treblinka deportiert und dort ermordet.

 

Text: Christel Buseck

 

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