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Moltkestraße 18 - Dr. Paul Karl und Nelli, Ernst, Franz Mombert

Dr. Paul Karl Mombert
*09.11.1876 in Karlsruhe
Berufsverbot 1933
Schutzhaft 1938
KZ Welzheim
tot an Haftfolgen am 08.12.1938
Stolperstein verlegt am 26.08.2013

Nellie Mombert, geb. Gieser
*16.03.1880 in Mannheim
Flucht 1938 nach Frankreich
Stolperstein verlegt am 26.08.2013

Ernst Mombert
*09.07.1911 in Freiburg im Breisgau
Flucht 1938 nach Frankreich
interniert in Drancy
deportiert 1942 nach Auschwitz
ermordet am 07.09.1942 in Auschwitz
Stolperstein verlegt am 26.08.2013

Franz Mombert
*21.02.1909 in Freiburg im Breisgau
Flucht 1933 nach Frankreich, anschließend in die Schweiz
Stolperstein verlegt am 26.08.2013

 

Standort Stolpersteine Moltkestraße 18

Dr. Paul Karl Mombert

Prof. Dr. Paul Mombert war der Sohn von Jacob Mombert, Kaufmann in Karlsruhe, und Auguste, geb. Rosenthal. Er studierte in Heidelberg, Leipzig, Berlin und München Nationalökonomie, Rechtswissenschaft und Geschichte. Promotion 1902 dr. oec., 1906 Habilitation in Freiburg, Ernennung zum ordentlichen Professor 1911.

1908 heirateten Paul Mombert und Nellie Gieser, Tochter von Hermann Gieser, Kaufmann in Mannheim, seit 1881 in Frankfurt, und Josephine Pfann. Die beiden Söhne kamen in Freiburg zur Welt.

Paul Mombert war vier Jahre Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg, bis 1922 blieb er an der Universität in Freiburg. Zum 01.10.1922 wurde Mombert als Nachfolger von August Skalweit auf den Lehrstuhl für Nationalökonomie an der Universität in Gießen berufen, 1923 wurde Mombert zum Dr. phil. hc ernannt. Zum 01.07.1933 sollte er entlassen werden wegen „politischer Unzuverlässigkeit“, obwohl Beamter vor 01.08.1914 und als Weltkriegsteilnehmer ausgezeichnet. Aufgrund seiner Eingabe wurde er mit Erlass vom 30.8.1934 in den Ruhestand versetzt. Er zog mit seiner Frau nach Langsur, Nähe Trier, und lebte dann als Privatgelehrter in Stuttgart. Bereits schwer krank, wurde er am 9.11.1938 interniert in KZ Welzheim, Amtsgerichtsgefängnis (Nähe Stuttgart).

Er starb an den Haftfolgen am 8.12.1938 in Stuttgart.

Alfred Mombert, Schriftsteller, war sein Cousin.

Auf drei Gebieten der Wirtschaftswissenschaft hat sich Paul Mombert einen Namen gemacht: Dogmengeschichte, Bevölkerungslehre und Finanzwissenschaft.

Zitate:
Da die Nationalökonomie als eigenständiges Universitätsfach noch nicht etabliert war, musste das Studium zusätzliche Fächer umfassen; bei Mombert waren dies Geschichtswissenschaft und Jurisprudenz.“ (Neue dt. Biographie, 18. Bd. 1997)
Im Mittelpunkt seines wissenschaftlichen Schaffens standen bevölkerungswissenschaftliche Arbeiten.“ (Deutsche biographische Enzyklopädie. Bd. 7.1998)

Publikationen:
große Zahl, einige seiner Werke gelten noch heute in der Fachwelt als beachtenswerte Standardwerke.

Hier war Paul Mombert Mitglied:
• Verein für Socialpolitik
• Deutsche Gesellschaft für Sociologie
• Deutsche Statistische Gesellschaft
• Deutsche Demokratische Partei
• Deutscher Verein für Versicherungswissenschaft

 

Henriette Fürth, die jüdische Sozialpolitikerin aus Gießen, die sich – ausgehend von Mutterschutz und Rolle der Frau in der Gesellschaft – bereits vor dem 1. Weltkrieg als Autodidaktin mit Bevölkerungsfragen beschäftigte, verwendete bzw. stützte sich in ihren Beiträgen auch auf Paul Momberts Publikationen.

Nelli Mombert, geb. Gieser

Nellie Gieser war 1880 in Mannheim geboren, ihre Eltern waren 1881 nach Frankfurt gezogen. Sie ist als Übersetzerin eines soziologischen Werkes von René Worms hervorgetreten: „Die Soziologie“, 1926, erschienen.

Unmittelbar nach dem Tod ihres Mannes im Dezember 1938 floh sie nach Paris. Beide Söhne waren bereits 1933 nach Frankreich geflohen. Wie und wo sie überlebte ist nicht bekannt. In der Entschädigungsakte 1950 gibt sie ihre Adresse mit Grenzach an. Sie starb 1963.

Ernst Mombert

Ernst Mombert wurde 1911 in Freiburg geboren. Er besuchte die Oberrealschule in Gießen und erhielt eine Bescheinigung nach dem Besuch der Unterprima am 27.09.1930. Aufgrund von Zeugnissen über Praktische Tätigkeiten wurde er am 27.5.1933 zum Studium der Agrarwissenschaften zugelassen. In seiner Akte befindet sich der folgende Hinweis „Der Vater des Herrn Ernst Mombert ist Frontkämpfer“. Gießen, 17.05.1933. Bereits am 28.08.1933 verließ er die Uni Gießen mit einem Abgangszeugnis.

Ernst floh am 07.09.1933 nach Paris, wenige Tage nach seinem Bruder. Er wurde am 7. Sept. 1942 ab Drancy nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Franz Mombert

Franz Mombert war 1909 in Freiburg geboren. In Gießen erhielt er das Reifezeugnis des Gymnasiums in Gießen mit Datum vom 29.02.1928. Er war ein Semester in Heidelberg immatrikuliert, anschließend in Leipzig. Am 2. Nov. 1929 schrieb er sich an der Universität Gießen für das Studium der Politikwissenschaften ein. Am 01.10.1930 erhielt er das Abgangszeugnis.

Er floh am 7. Sept. 1933 zunächst nach Frankreich. Seine Dissertation (Uni Kiel) mit dem Titel „Die Wirkungen der Kostensteuern im Konjunkturzyklus“ erschien 1935. Sie wurde von R. Kamitz 1936 im Journal of economics, Vol. 7, No. 1, S. 273 rezensiert, im Jahr 1937 in der Zeitschrift Social Research, Vol 4, No. 1, S. 254 von Fritz Neumark. Im Werk von Erwin Knauss „Die jüdische Bevölkerung Gießens 1933-1945“ findet sich im Nachtrag, 4. Aufl. 1987, eine Adresse in Locarno-Muralto in der Schweiz (6, Via Sempion, 6600 Locarno-Muralto). Weitere Publikationen sind nicht bekannt.

Wie und wo er überlebte ist nicht bekannt.

 

Text: Monika Graulich

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