Rathaus

Seiteninhalt

Gutenbergstraße 23 - Margarete Elise Hofmann

Margarete Elise Hofmann, geb. Heinz
*15.01.1896 in Nidda
eingewiesen am 03.12.1927 in die Heilanstalt Gießen
1941 Heilanstalt Weilmünster
‚verlegt‘ am 24.04.1941 nach Hadamar
ermordet am 24.04.1941 in Hadamar im Rahmen der sogenannten Aktion T4
Stolperstein verlegt am 26.08.2013

 

Standort Stolperstein Gutenbergstraße 23


Margarete Elise Hofmann, geb. Heinz, wurde am 15.01.1896 in Nidda, damals Kreis Büdingen, geboren. Sie heiratete später in Gießen ihren Mann, den selbständigen orthopädischen Schuhmachermeister Wilhelm Hofmann, der auch das Amt des Inningsobermeisters in Gießen begleitete. Aus dieser Ehe gingen der Sohn Willy, die beiden Töchter Martha Lotte Rinsland, geb. Hofmann, und Margarete Emilie Grötzsch, geb. Hofmann, hervor, die noch lebt.

Ihr Ehemann betrieb eine eigene Schuhmacherwerkstatt und beschäftigte zwei Gesellen und einen Lehrling, der nach dem Tod des Meisters 1954 das Geschäft übernahm. Dieses führt er bis vor ein paar Jahren an gleicher Stelle weiter. (Seltersweg, im Gässchen der Eisdiele Dolomiten)

Die Familie lebte damals in Gießen, Gutenbergstraße 23, Ecke Nahrungsberg , im Hause der Burschenschaft „Alemannia", welches der letzte Wohnsitz der Verstorbenen war. Frau Hofmann bekochte dort die Studenten und kümmerte sich um deren Räumlichkeiten. Die Versorgung der Familie und die Arbeit für die Burschenschaft waren sehr belastend. Hinzu kam außerdem ein negativer Einfluss einer freireligiösen Kirchengemeinschaft, die ihr Seelenleben zum Zusammenbruch brachte. Sie war zunächst bei Prof. Sommer an der Uni­klinik Gießen, Am Steg, in Behandlung und wurde danach in die „Landes-Heil- und Pflegeanstalt Gießen" überwiesen.

Aus den Unterlagen der damaligen „Landes-Heil- und Pflegeanstalt Gießen" geht hervor, dass Frau Hofmann im Dezember 1926 erstmals als Patientin aufgenommen wurde. Da eine Gesundung nicht erkennbar war und der Aufenthalt in der Anstalt sich über Jahre hinzog, wurde dem Ehemann empfohlen, sich von der Kranken scheiden zu lassen. Es mussten drei Kinder versorgt und die Kosten von 5,00 RM/Tag aufgebracht werden, was den Ehemann aus großer Not dann auch zur Scheidung bewog. Die 14-jährige Tochter Lotte hatte schon geraume Zeit den Haushalt versorgt und musste als Ersatzmutter zur Verfügung stehen.

Der Vater heiratete wieder. Aber die neue Frau war kein Mutterersatz und wollte von den „fremden" Kindern ihre Ruhe haben. Wiederum ein schweres Los für die Kinder. Ein Besuch vor der Verlegung nach Weilmünster zeigte eine von Hunger ausgezehrte und durch Medikamente verstörte Frau.

Am 21. März 1941 wurde mitgeteilt: ,,infolge Luftschutzmaßnahmen ist in hiesiger Anstalt Platz zu schaffen für etwa notwendig werdende Verlegungen von Kranken aus städt. Krankenanstalten. Auf Grund dieser Maßnahmen ist die Verlegung der Obengenannten in die Anstalt Weilmünster (Lahn) am 21.03.1941 erfolgt. gez.: Heil Hitler". Die Zuführung in die Landes-Heilanstalt Weilmünster wurde vom dortigen Anstaltsdirektor Dr. Schneider schriftlich bestätigt.

Tatsächlich aber wurden die Kranken dort gesammelt, um danach weiter nach Hadamar mit den „grauen Bussen" verfrachtet zu werden. Weilmünster wurde nur als Zwischenstation benutzt, vorwiegend um die Angehörigen über den Verbleib der Patienten in Unkenntnis zu setzen.

Besuche waren nicht mehr erwünscht. Man teilte mit: ,,Der Oberpräsident (Verw. d. Bez.- Verb. Nassau) in Wiesbaden hat angeordnet, dass aus Gründen der Reichsverteidigung während der Dauer des Krieges die Besuchstage in den Anstalten aufgehoben sind, mithin Besuche vorerst nicht mehr angenommen werden können. Ausnahmen können nur in Fällen schwerer körperlicher Erkrankungen gemacht werden. Gez.: Die Anstaltsleitung."

Am 24.04.1941 wurde sie zusammen mit 95 Frauen nach Hadamar„ verlegt". Die Verlegung bedeute, dass die Busse in vorbereitete Garagen einfuhren und die Frauen sofort in den Keller geführt wurden. Dort mussten sie sich entkleiden und begaben sich in den „Duschraum", wo sie vergast und mit einer auf Schienen rollenden Lore in die im Nachbarkeller befindlichen zwei Verbrennungsöfen ihr Ende fanden.

Am 07. Mai 1941 wurde der Schwester in Bielefeld mitgeteilt: ,,Wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Ihre Schwester, Frau Margarete Elise Hofmann, geb. Heinz, unerwartet am 07.05. an akutem Darmverschluss mit hinzugetretener Bauchfellentzündung verstorben ist."

Als Enkel der Ermordeten ist es mir ein großes Bedürfnis meiner Oma wenigstens diese letzte Ehre zukommen zu lassen. Wurde doch aus Gründen von Scham während des „Dritten Reiches" und später nach dem Krieg dieses Thema tabuisiert. Der Mensch hat ein Recht nicht in Vergessenheit zu geraten - gerade weil ihm so viel Ungerechtigkeit und Leid widerfahren ist.

Wolf-Henning Rinsland
(Enkel)

Seite drucken:

Seite empfehlen:

Newsletter

Bestellen Sie sich hier den Newsletter und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.