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Friedensstraße 25 - Ursula Balser

Ursula Balser
*05.05.1933 in Gießen
seit 1938 Patientin in verschiedenen Heilanstalten
‚verlegt‘ am 13.04.1943 in die Heilanstalt Idstein
ermordet am 11.05.1943 in der Heilanstalt Idstein
Stolperstein verlegt am 26.08.2013

 

Standort Stolperstein Friedensstraße 25


Ursula Balser wurde am 03.05.1933 in der Friedensstraße 25 geboren. Helmut Balser, der um ein Jahr ältere Bruder von Ursula berichtete, dass seine kleine Schwester ab dem 3. Lebensjahr an Hirnhautentzündung erkrankt und seither von extrem starken Kopfschmerzen gepeinigt war. Sie konnte nicht ruhig liegen und sitzen, wippte hin und her und schrie dabei häufig. Bei ihr weiß man nicht, wann sie in die Licher Str. 106 gekommen ist, sondern nur, dass sie von dort aus das erste Mal (am 05.06.1938) in den Kalmenhof/ Idstein kam. Von dort aus wurde sie am 29.09.1939 nach Goddelau verlegt (dieser Tag der Einweisung ist identisch mit dem von Liselotte Herrnbrodt, die aber aus Gießen kam). Ein zweites Mal kam Ursula am 13.04.1943 in die Heilungsanstalt Kalmenhof/ Idstein, wo sie am 11.05.1943 umkam.                                     

Es ist bekannt, dass es mehrere ‚freundliche’ Überredungsversuche gegeben hatte, Anna Balser (Mutter) zu erklären, dass sie sich um ihre anderen Kinder kümmern müsse und Ursula nicht richtig fördern könne. Irgendwann wurden diese Maßnahmen intensiver, sie, deren Mann (Ernst Balser) fernab bei der Wehrmacht war, konnte sich nicht gegen die Einweisung wehren, versuchte aber den Kontakt zur Tochter zu halten und diese 2 bis 3 Mal im Jahr zu besuchen. Das war wohl auch der Grund, warum sie erst im Jahr 1943 ‚verstarb’.

Die Krankheit des Kindes war vor allem durch den Blockwart Herrn Rennmeister, der jeden Sonntag alle Familien aufsuchte, um Beiträge für diverse Einrichtungen zu sammeln, in einer weiteren Öffentlichkeit bekannt geworden.

Die Lebensläufe beider Mädchen liefen teilweise parallel, die Eltern waren immer im Gespräch miteinander. Als Anna Balser einen Brief erhielt, dass ihre Tochter in Idstein auf dem Wege der Besserung sei und bald entlassen würde, warnte der Nachbar Richard Herrnbrodt, dass sie sich mit dem Gedanken vertraut machen müsse, Ursula nie mehr zu sehen. Wenige Wochen später kam die Todesnachricht. Sie fuhr mit dem oben erwähnten ältesten Sohn Helmut dorthin, um die Tochter tot, mit offenen Augen, in einem Papierhemd im Sarg liegend zu sehen, was für den damals Elfjährigen ein bis heute  traumatisches Erlebnis ist. Die anschließende Beisetzung fand direkt vor dem Gebäude statt, bei einer extrem großen Anzahl frisch angelegter Gräber.

Ein Bestattungshelfer flüsterte Anna Balser zu, dass vor wenigen Stunden wieder ein Patient, sich ans Herz fassend, umgefallen sei, was nun täglich geschehe (medizinische Versuche?)!

 

Text: Eva Bender-Gilchrist

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