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Bahnhofstraße 14 - Louis und Anna, Sally und Paula Katz

Louis Katz
*20.07.1876 in Gießen
deportiert am 27.09.1942 ab Darmstadt nach Theresienstadt
ermordet am 20.12.1944 in Theresienstadt
Stolperstein verlegt am 23.03.2016

Anna Katz, geb. Cohn
*20.06.1883 in Paderborn
deportiert am 27.09.1942 ab Darmstadt nach Theresienstadt
ermordet am 28.10.1942 in Theresienstadt
Stolperstein verlegt am 23.03.2016

Sally Katz
*29.01.1878 in Gießen
deportiert am 30.09.1942 ab Darmstadt nach Treblinka
ermordet in Treblinka
Stolperstein verlegt am 23.03.2016

Paula Katz, geb. Nathan
*04.04.1896 in Lohra
deportiert am 30.06.1942 vermutlich nach Treblinka
ermordet vermutlich in Treblinka
Stolperstein verlegt am 23.03.2016

 

Standort Stolpersteine Bahnhofstraße 14


Hermann und Ida Katz, geb. Vöhl, kamen 1873 aus Laubach nach Gießen. Hier kamen vier Kinder zur Welt: Louis am 20.07.1876, Sally am 29.01.878, Maximilian am 24.09.1879 (im Alter von neun Jahren verstorben, auf dem Alten Friedhof beigesetzt) und Else am 20.10.1888.

Hermann Katz betrieb in Bahnhofstraße 14 das Gewerbe Kleiderfabrikant bis 1907, dann war er Ellerwarenhändler. Hermann Katz starb am 31.05.1916, seine Frau Ida, geb. Vöhl, am 17.07.1849 geboren in Gedern, überlebte ihren Mann um 22 Jahre, sie verstarb am 30.08.1938, beide sind auf dem Neuen Friedhof beigesetzt.

Louis und Anna Katz

Louis war am 20.07.1876 in Gießen geboren. Vom 15.01.1919 bis 31.12.1938 hatte er Agenturen und Kommissionen in Waren und Versicherungen, und war Briefmarkenhändler.

Anna war am 20.06.1884 in Gedern geboren. Sie kam am 16.03.1905 zur Heirat nach Gießen. Das Ehepaar gehörte der liberalen israelitischen Gemeinde in Gießen an. Ihre einzige Tochter Gertrud, geb. 17.04.1907 in Gießen, heiratete am 24.07.1940 Dr. Wilhelm Bachenheimer, Schillerstraße 17.

Louis und Anna Katz wurden am 30.07.1941 bei Tochter und Schwiegersohn Wilhelm Bachenheimer in die Schillerstraße 17 eingewiesen. Sie mussten im November 1941 in das Jüdische Altersheim Walltorstraße 48 umziehen. Sie wurden zunächst in das Sammellager Goetheschule Gießen verschleppt, am 17.09.1942 in das Sammellager Liebigschule in Darmstadt. Von dort wurden sie am 27.09.1942 nach Theresienstadt deportiert.

Anna Katz wurde am 28.10.1942, Louis am 20.12.1942 ermordet.

Sally Katz

Sally Katz wurde am 29.01.1878 in Gießen geboren. Die erste Ehe von Sally mit Mathilde Hammel, geb. 25.08.1972 in Heddernheim, wurde am 13.09.1906 geschlossen und blieb kinderlos. Mathilde verstarb am 25.04.1919, sie wurde auf dem Neuen Friedhof begraben.

Sally war wenige Jahre Ellerwaren- und Kleiderhändler (1905 – 1908). Vom 01.04.1919 bis 31.10.1924 verkaufte er im „Kaufhaus Sally Katz“, Bahnhofstraße 14, Kurzwaren, Weißwaren, Manufakturwaren, Konfektion und Pelze. Danach verkleinerte er das Angebot für ein knappes Jahr. Im Jahr 1933 hatte er für einige Monate den kommissionsweisen Verkauf von Wein, sowie Vertretungen für Neuheiten technischer und verwandter Art. Drei Jahre war er bis 31.12.1936 Handels- und Warenvertreter.

Sally und Paula mussten am 07.08.1941 aus der Bahnhofstraße 14 ausziehen, waren eingewiesen in Alicenstr. 16, ab 29.11.1941 in die Walltorstraße 48. Sie heirateten am 31.08.1942.

Am 17.09.1942 wurden sie nach Darmstadt verschleppt, am 30.09.1942 nach Treblinka deportiert und nach der Ankunft ermordet.

Paula Katz

Paula wurde am 04.04.1896 in Lohra geboren als Tochter von Abraham und Berta Nathan, geb. Rosenthal. Sie kam 1912 aus Kassel nach Gießen, arbeitete als Kontoristin bei Bär & Wetterhahn, Getreidehändler, wohnte in der Bahnhofstraße 65. Am 04.01.1916 zog sie nach Lohra. Mehr als zwanzig Jahre später, am 14.10.1937 kam sie wieder nach Gießen, wohnte in der Bahnhofstraße 14.

Sally und Paula mussten am 07.08.1941 aus der Bahnhofstraße 14 ausziehen, waren eingewiesen in die Alicenstraße 16, ab 29.11.1941 in die Walltorstraße 48. Sie heirateten am 31.08.1942.

Am 17.09.1942 wurden sie nach Darmstadt verschleppt, am 30.09.1942 nach Treblinka deportiert und nach ihrer Ankunft ermordet.

überlebende Angehörige

Else Schneider, geb. Katz
*20.10.1888 in Gießen
Gestorben am 01.04.1982 in Gießen.

Else war die Schwester von Louis und Sally Katz.

Else besuchte die Höhere Mädchenschule (heute Ricarda-Huch-Schule) von Ostern 1895 bis Ostern 1900. Sie betrieb in der Schulstraße 10 zwei Jahre das Gewerbe Ellenwarenhandel, und arbeitete ab 23.08.1912 bei ihrem Vater Hermann Katz.

Das Aufgebot wurde am 27.12.1913 in Gießen gestellt. Der Ehemann, Dr. Ernst Schneider, geb. 07.01.1885 in Gießen, hatte am Realgymnasium das Abitur gemacht, zwei Semester in Königsberg, und zwölf Semester in Gießen Agrarwissenschaften studiert. Er wurde 1911 promoviert, und war Assistent am Institut für Getreideverarbeitung in Berlin. Ab 15.01.1913 war er Leiter der Versuchs-und Pflanzenzuchtstation der Gebr. Presnuchin in Stawy, Post Kagarlick (auch Kagarlyk), Gouv. Kiew). Else kam am 15.03.1927 mit den drei in Kiew geborenen Kindern nach Gießen, Friedensstr. 45

-        Elisabeth, geb. 01.10.1914
-        Hans, geb. 31.10.1918
-        Ilse, geb. 17.04.1923

Else und die Kinder zogen am 24.10.1933 nach Frankfurt, Mainzer Landstraße 441 bis 1935, dann Rheinstr. 37, 1936-1939.

Wie und wo Else überlebte, ist nicht bekannt. Sie ist ab 1954 in Gießener Adressbüchern, ab 1957 mit Adresse Plockstraße 13, verzeichnet. Sie starb am 01.04.1982 in Gießen.

Zeitweise lebten in Bahnhofstr. 14

  • Gertrude Seligmann, *05.05.1917 in Oberndorf. Hausangestellte, in Gießen, vom  04.12.1933 in der Frankfurter Straße 6 (bei Rosenbaum), vom 22.07.1934 bis 31.03.1936 in der Bahnhofstraße 14 bei Katz. Umzug nach Frankfurt. Schicksal unbekannt.
  • Bella Libmann, geb. Joseph. *03.07.1892 in Griesheim. In Gießen vom 02.04.1936 bis 27.07.1936. Ab Frankfurt am 24./25.09.1942 nach Raasiku deportiert und ermordet.
  • Hedwig Loeb * 17.08.1893 in Köln. In Gießen vom 01.10.1936 bis 31.12.1936, Hausangestellte bei Katz. Sie wurde am 27.10.1941 ab Düsseldorf nach Lodz deportiert, im Mai 1942 nach Chelmno (Kulmhof) und dort ermordet.
  • Jenny Fischbein, *25.05.1916 in Halberstadt. Hausangestellte vom 02.02. bis 28.02.1937 bei Katz. Rückkehr nach Halberstadt. Sie wurde am 14.04.1942 von Berlin aus nach Warschau Ghetto deportiert.
  • Margarete Sternberg, *27.09.1906 in Paderborn. Kam am 22.03.1937 nach Gießen, wohnte bis 03.05.1937 in der Bahnhofstraße 14 und zog nach Düsseldorf. Im Gedenkbuch verheiratete Warschawsky. Deportiert ab Berlin am 02.03.1943 nach Auschwitz, ermordet.
 

Text: Monika Graulich

 

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