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Wieseck

Porträt

Wieseck, im Nordosten der Stadt gelegen und direkt an die Kernstadt Gießen grenzend, ist mit Abstand der größte Gießener Stadtteil und blickt auf eine längere Geschichte als Gießen selbst zurück. Die Ersterwähnung stammt aus dem Lorscher Kodex im Jahr 775. Es gab zwischen Gießen und Wieseck einen lebhaften Tauschhandel: Die eine Seite lieferte die landwirtschaftlichen Produkte, die andere die handwerklichen Erzeugnisse. Die Gießener Stadtherren übten sanften Druck aus, um die Bewohner in die Stadt zu locken und damit die Einwohnerzahl zu erhöhen. 1646 brannte es in Wieseck, nur drei Wohnhäuser blieben unversehrt.

Die Einwohner selbst nennen ihre Heimat liebevoll „Wissich“ – angelehnt den ursprünglichen Namen der Siedlung „Wissichheim“. Wahrzeichen des Ortes ist der mächtige Wehrturm „die Poart“ in der Alten-Busecker-Straße.

Im Jahr 1939 wurde das selbständige Wieseck, wie auch Kleinlinden und die Domäne Schiffenberg, per Erlass des damaligen Gauleiters von Hessen-Nassau der Stadt Gießen zugeschlagen. Die Hintergründe muten angesichts des nahen Zweiten Weltkriegs militaristisch an, wollte man der Stadt Gießen durch die Vergrößerung von Bau- und Siedlungsflächen die Wehrhaftmachung der Garnisonsstadt ermöglichen. Die Zustimmung zur Eingemeindung hielt sich bei den Wieseckern allerdings in Grenzen. Im Jahre 1950 versuchten rund 500 Bewohner sogar, durch eine Resolution die Ablösung von Gießen zu erreichen. Heute hat man sich wohlwollend zusammengerauft. Wieseck ist infrastrukturell am besten von allen Gießener Stadtteilen an die Kernstadt angebunden und durch ein lebendiges Vereinsleben bekannt.

3 Dinge, die man hier gesehen haben sollte

Die „Poart“:
Der mächtige Wehrturm der ehemaligen Dorfbefestigung wird 1458 in seiner heutigen Form erstmals erwähnt. Deutlich ist noch eine alte Schießscharte zu sehen, mit deren Hilfe die Bauern seinerzeit plündernde Heere oder andere bewaffnete Haufen abzuwehren wussten. Allerdings darf man sich unter einer solchen Dorfbefestigung keine aufwendige Wallanlage vorstellen, wie sie Landgraf Philipp der Großmütige in Gießen errichten ließ. Vielmehr bestand die Umfestigung teilweise nur aus festen Zäunen, Hecken oder einem Graben.

Das Heimatmuseum:
Lange Zeit hatte Wieseck kein eigenes Heimatmuseum. Der im Jahr 2006 gegründete Heimatverein Wieseck e.V. fand schließlich im ehemaligen Gasthaus Schepers in der Philosophenstraße einen würdigen Platz. Seit 2014 werden hier lokale Fund- und Sammelstücke aus vergangenen Zeiten präsentiert. Sonderausstellungen und die regelmäßige Herausgabe eines Heimatkalenders geben Einblicke in das dörfliche Leben des Wieseck von damals. Die Eröffnung der vorbereiteten Sonderausstellung „Wiesecker Fahnen und Vereine“ soll in 2021 stattfinden. Termine werden über die Tageszeitungen bekannt gegeben.

Evangelische Michaelskirche (Kirchstraße 19)
Eine Kirche wird in Wieseck erstmals 778 urkundlich erwähnt, wobei ein Abt Beatus von Honau das Gotteshaus zusammen mit einer Reihe anderer an das Kloster in Honau überträgt. Die heutige Kirche steht wahrscheinlich auf den Fundamenten des Sakralbaus aus dem 8. Jh. Der steinerne Unterbau ihres quadratischen Ostturms wurde gegen Ende des 13. Jh. erbaut, das Chorgewölbe gegen Ende des 15. Jhs. Das sakrale Schmuckstück unweit der Wiesecker Poart ist ein hessisches Kulturdenkmal und ist mit seinem Chorturm, der von einem dreistufigen Haubenhelm bekrönt wird, Ortsbild prägend.

Wanderung/Ausflugstipp

Gleich mehrere attraktive Erholungsgebiete liegen bei den Wieseckern quasi vor der Haustüre. Da ist zum einen natürlich die Wieseckaue, die sich entlang des namensgebenden Flüsschens zur Gießener Innenstadt erstreckt. In den Auwiesen hat auch der Segelflugplatz des Flugsportvereins Gießen seinen Sitz. Bei schönem Wetter kann man den Starts und Landungen der Segelflieger zuschauen oder dem Rauschen des Mühlrades der nahen Struppmühle lauschen. Nördlich von Wieseck befindet sich das Naturschutzgebiet Hangelstein. Die bewaldete Basaltkuppe ist von besonderem botanischen Wert und vom Aussichtspunkt "Schöne Aussicht" genießt man einen herrlichen Ausblick auf die benachbarten Burgen bis nach Wetzlar. Ein interessantes Kleinod sind die „Wiesecker Teiche“, die auf dem ehemaligen Motocross-Gelände am Rande des Hangelsteins entstanden sind.

Besonderheit

Die Ur-Gießener nennen sich selbst Schlammbeiser. Auch die Wiesecker haben ihren ganzen eigenen „Spottnamen“: „Wissicher Sandbeul“ – was auf den damaligen Abbau von Sand und Kies im Ortsgebiet zurückgeht und eine wichtige Einnahmequelle des Dorfes darstellte.

Regionale Spezialiät: Wissicher Schmaandkuche
Besonders beliebt in der Region ist der Wissicher Schmandkuchen. Die ehemalige Wiesecker Bäckerei Weller war für ihren herzhaften Schmandkuchen berühmt.

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