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Verleihung der Hedwig-Burgheim-Medaille

Der Magistrat zeichnet alle zwei Jahre Bürger*innen mit dieser Medaille aus, die sich um Verständigung und Verständnis zwischen den Menschen verdient gemacht haben. Er erinnert damit an das Wirken der jüdischen Pädagogin Hedwig Burgheim, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurde.

Datum:

08.09.2022

Uhrzeit:

18:00 Uhr

Ort:

Netanya-Saal des Alten Schlosses

Oberhessisches Museum

Brandplatz 2
Altes Schloss
35390 Gießen

0641 960973-13
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Geehrt wird in diesem Jahr Christel Buseck.

Christel Buseck
Christel Buseck

Christel Buseck ist seit 1994 Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Gießen-Wetzlar. In dieser Funktion beteiligte sie sich von 1994 bis 2014 maßgeblich an der Gestaltung und Umsetzung der Begegnungswochen der ehemaligen Gießener jüdischen Bürger*innen in Gießen, zu der der Magistrat zwischen 1982 und 2014 alle zwei Jahre eingeladen hat. Sie organisierte und begleitete die Programmteile der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und war in dieser Zeit für die jüdischen Gäste aus aller Welt auch ständige Ansprechpartnerin. Zudem pflegte sie diese Kontakte auch zwischen den Begegnungswochen durch Schriftverkehr, persönliche Besuche in Israel und die Beherbergung von jüdischen Gästen in ihrem Privathaus.

Als Lehrerin der Ricarda-Huch-Schule Gießen arbeitete Christel Buseck von 2005 bis zu ihrer Pensionierung 2015 an Schulprojekten zur Erinnerungsarbeit mit, so zum Beispiel:

  • 9. November 1938 - Vom nationalsozialistischen Regime organisierte und gelenkte Gewaltmaßnahmen gegen Juden -,
  • Ausstellung zum Gedenken an deportierte jüdische Schüler*innen der Schule,
  • Lesungen,
  • Stolperstein-Verlegungen am Eingangsportal der Schule,
  • Zeitzeugen-Bericht des Holocaust-Überlebenden Thomas Breuer vor Schüler*innen,
  • Teilnahme am Wettbewerb Trialog der Kulturen und Religionen der Herbert Quandt-Stiftung - Verbindendes und Trennendes in den Religionen Judentum, Christentum und Islam, und
  • Schrank der Religionen in der Schulbibliothek.

Zudem engagiert sich Christel Buseck seit 2011 - auch im Ruhestand seit 2015 - in der Vorbereitung und Durchführung der mittlerweile sieben projektorientierten Schüler*innen-Austausche zwischen der Richarda-Huch-Schule Gießen und der Partnerschule Eldad High School in der Gießener Partnerstadt Netanya in Israel. Auch war sie an den Vorbereitungstreffen zur Begründung der Schulpartnerschaft, insbesondere dem Besuch einer Gießener Lehrer*innen-Delegation in Netanya, maßgeblich beteiligt. Durch ihre tatkräftige Unterstützung hat sie vor allem den teilnehmenden Schüler*innen das vorbehaltlose Kennenlernen der jeweils anderen Kultur sowie das Auseinandersetzen mit der geschichtlichen Vergangenheit ermöglicht. Viele der daraus entstandenen Freundschaften bestehen noch heute.

Christel Buseck hat in der Universitätsstadt Gießen auch immer wieder Anstöße für eine gelebte Erinnerungskultur gegeben. So gehen zum Beispiel die Errichtung und Erneuerung von Gedenktafeln (unter anderem für Siegmund Heichelheim in der Südanlage und zur Erinnerung an die Orthodoxe Synagoge), und die Durchführung von Gedenkveranstaltungen (unter anderem zum 75. und 80. Jahrestag der Deportation von Gießener Juden) auf ihre Anregung zurück.

Zudem hat Christel Buseck in vielen Gesprächen mit dem 2018 verstorbenen ehemaligen Vorsitzenden des Vereins ehemaliger Gießener und der Umgebung, Josef Stern, und dessen Hinterbliebenen erreicht, dass der von Josef Stern mit ehemaligen Gießener Juden in aller Welt geführte Schriftverkehr, sein Archiv der Überlebenden, als wertvoller Bestand für das Stadtarchiv Gießen gesichert werden konnte.

Christel Buseck engagiert sich seit 2006 auch als Gründungsmitglied der Koordinierungsgruppe Stolpersteine in Gießen und ist zurzeit deren Sprecherin. Sie recherchiert mit hohem Zeitaufwand zu den jeweiligen Einzelschicksalen vor der Deportation und insbesondere zu bisher unbekannten Opfern. Darüber hinaus organisiert sie das Verlegen vieler Stolpersteine. Christel Buseck ist es zudem wichtig, dass sich junge Menschen in die Spurensuche aktiv mit einbringen, zum Beispiel im Stadtarchiv eine Meldekarte in die Hand nehmen und Daten abgleichen oder in den Akten nach Fotografien suchen. Damit trägt sie zum gesellschaftspolitischen Engagement und zur gesellschaftlichen Verantwortung der jungen Generation bei.

Mit ihrem umfangreichen Wirken hat sich Christel Buseck in besonderem Maße um die Verständigung und das Verständnis zwischen den Menschen im Sinne Hedwig Burgheims engagiert.

Im Programm der Feierstunde anlässlich der Übergabe der Hedwig-Burgheim-Medaille sprechen Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher, Brigitte Itzerott und Pfarrer Cornelius Mann, die beide die Laudatio halten, und Christel Buseck. Lukas Rink (Klavier), und Rolf Weinreich (Gitarre und Gesang) umrahmen die Feierstunde musikalisch.

 

Die Bürger*innen sind zur Teilnahme an der Feierstunde herzlich eingeladen. Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher bittet, sich auf der Corona-Themenseite über die am Tag der Feierstunde eventuell bestehenden Corona-Regelungen zu informieren.

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