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"Wir sind die hinter dem Vorhang"

Abgesagte Messen, Konzerte und Tagungen - die Veranstaltungsbranche gehört zu den am stärksten von der Corona-Pandemie gebeutelten Wirtschaftszweigen. Trotzdem war die Firma satis&fy in Karben gerne Gastgeber für den Regionalausschuss Wetterau. Anfang September war dieser zu seiner ersten Sitzung nach der Corona-Zwangspause beim Marktführer für Live-Kommunikation im Haus.

 "Dem Unternehmen satis&fy sind von heute auf morgen unverschuldet Angebot und Nachfrage weggebrochen. Die Politik kann sich nicht vorstellen, wie schwer so eine Situation für alle Beteiligten wirklich ist, wie viele Einzelschicksale daran hängen", betonte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Leder bei der Begrüßung. "Die IHK unterstützt Ihr Unternehmen wo es nur geht.", versprach er den Anwesenden.

Wie Prokuristin Renata Thoma zu Beginn betonte, ist das Unternehmen, welches über zehn Standorte verfügt, in Karben verwurzelt. Neben eigenen Werkstätten verfügt satis&fy auch über Programmier- und Probestudios sowie einen Showroom. "Wir sind die, die hinter dem Vorhang stehen", hob sie hervor. Von der Gestaltung des Gewerkschaftstages der IG Metall über den Bühnenbau der Lets-Dance-Tournee bis hin zur Erstellung einer riesigen LED-Wand zur Vorstellung eines neuen Handys reicht das breite Spektrum des Unternehmens. "Vom Konzept über das Projektmanagement bis hin zu Fabrikation und Veranstaltungstechnik sind wir Ansprechpartner für alles", unterstrich sie.

Chris Fleck, Vorstandsmitglied der satis&fy AG, führte weiter aus: "Von Januar bis März dieses Jahres waren unsere Auftragsbücher mehr als gefüllt, dann kam COVID-19 und von heute auf morgen standen wir vor dem Nichts. Der Lockdown hat die ganze Branche verunsichert," unterstrich er. Zum Glück seien in der Krise einige Türen aufgegangen, beispielsweise zur IHK Gießen-Friedberg, die ihr Bestes zur Unterstützung tue.

Für die Veranstaltungsbranche ständen keine staatlichen Hilfsangebote bereit, so falle das Unternehmen mit 500 Mitarbeitern und einem Umsatz von 85 Millionen Euro in 2018 nicht unter die kleinen und mittelständischen Betriebe. "Unser zentrales Problem ist, dass wir nicht wissen, wann es weitergeht" akzentuierte Fleck.

Trotz einer Größe von 113 Milliarden Euro Umsatz habe die Branche, die sich erst in den 80ern etabliert habe, keine Lobby. Im September sei man dabei, sich zu konsolidieren, habe neue Veranstaltungsformate kreiert, eigene Hygieneleitlinien verfasst und mache gemeinsam mit anderen Betroffenen auf die prekäre Situation aufmerksam. Trotzdem laufen die Planungen für das neue Jahr eher defensiv. Livekonzerte könnten voraussichtlich bis Mai 2021 nicht realisiert werden. Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen seien hingegen durchführbar, sofern man auf die Einhaltung der Hygieneregeln und den nötigen Abstand achte.

 Chris Fleck stellte klar "First in - Last out", sei das Motto der Branche, das sich im Zeitalter von Corona in "First out - Last in" gewandelt habe. Noch habe man keine Kündigungen aussprechen müssen, noch seien etwa 80 Prozent der Mitarbeiter in Kurzarbeit. Man hoffe vielmehr, dass die Mitarbeiter bei der Stange bleiben würden. "Wir brauchen den Mut der Menschen, wieder Veranstaltungen durchzuführen und den Mut der Menschen, wieder Veranstaltungen zu besuchen", brachte es der Vorstand auf den Punkt. Wie bei satis&fy gearbeitet wird, davon konnten sich die Mitglieder des Regionalausschusses bei einem anschließenden Rundgang überzeugen.

 

29.09.2020 
Quelle: IHK Gießen-Friedberg 

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