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"Starke Familie Voraussetzung für starke Wirtschaft"

Fachforum „Unternehmenskultur der Zukunft“ zeigt Möglichkeiten zur Integration von Frauen als dringend benötigte Arbeitskräfte – „Familienfreundlichkeit von Unternehmen ist Schlüssel“

Viele Unternehmen - auch in Mittelhessen - suchen dringend Fachkräfte. Dabei gibt es eine Möglichkeit, die Betriebe nach Meinung von Fachleuten noch nicht ausreichend erschlossen haben: „Unternehmer halten sich oft für familienfreundlicher, als es Arbeitnehmer wahrnehmen“, sagte jetzt Manfred Weber, stellvertretender Leiter der Geschäftsstelle Mittelhessen der Handwerkskammer Wiesbaden und Bündnismentor der Initiative „Lokale Bündnisse für Familie“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, während einer Veranstaltung des Arbeitskreises Neue Wege zur Fachkräftesicherung im Regionalmanagement Mittelhessen.

Weber sprach während eines Fachforums mit dem Titel „Unternehmenskultur der Zukunft. Fachkräftesicherung im Wandel der Arbeitswelt Hessen: Neue Wege zur Mitarbeiterbindung im Kontext individueller Lebensentwürfe“ in Wetzlar. Während des vom Arbeitskreis in Kooperation mit der Stabsstelle Fachkräftesicherung in Hessen des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration organisierten Treffens wurde deutlich, dass nicht zuletzt eine Personengruppe über wesentliche Fähigkeiten und Kompetenzen verfügen, die für Unternehmen wertvoll sind: Frauen, die wegen familiärer Verpflichtungen oder auch einer Flucht dem Arbeitsmarkt länger nicht zur Verfügung standen.

„Häufig sind solche Lebensereignisse wie die Pflege von Angehörigen und Migrationsbewegungen die Ursache für Brüche im Berufsleben oder das Fehlen eines Berufsabschlusses“, so der Arbeitskreis Neue Wege zur Fachkräftesicherung. Gleichzeitig brächten diese Frauen Eigenschaften wie Organisationstalent, Verantwortungsbewusstsein und Loyalität mit. Wie Arbeitsgeber dieses Potenzial für sich erschließen können, sollten während des Fachforums auch Praxisbeispiele zeigen; Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten für Betroffene und Unternehmen standen ebenfalls auf der Agenda.

„Uns liegt der Informationsaustausch am Herzen“, sagte Claudia Wesner von der Stabstelle Fachkräftesicherung in Hessen zu Beginn des Events. Ein Schlüsselelement sei die Familienfreundlichkeit von Unternehmen, machte Manfred Weber in seinem darauffolgenden Vortrag deutlich – auch für den Erfolg der Region: „Lebensqualität für die Familien stoppt die Abwanderung und macht die Region attraktiver.“ Für die Unternehmen könnten eine gesteigerte Produktivität, ein geringerer Krankheitsstand und das Image in der Öffentlichkeit Gründe sein, sich familienfreundlicher aufzustellen.

Weber sieht das Handwerk hier in einer guten Position. „Gegenseitige Wertschätzung ist das Zauberwort.“ Als Beispiel nannte er einen Fleischermeister, der das Kind der Angestellten im Betrieb mitbetreut, ohne dass ihm das als besonders erwähnenswert erschein: „Für ihn war das eine Selbstverständlichkeit.“ Als weiteres Vorbild aus der Praxis führte Weber den Betrieb von Bäckermeister Stefan Simon an. Für diesen sei die Vereinbarkeit von Beruf und Familie „eine Herzensangelegenheit“ nach dem Motto, eine „starke Familie ist die Voraussetzung für eine starke Wirtschaft.“

Karsten Beer vom Projekt „Chance Arbeitsmarkt“ der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, Ausbildungs- und Beschäftigungsinitiativen mbH (GWAB) erzählte von den Erfahrungen der Initiative, die die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt fördert. Es falle Frauen deutlich schwieriger als Männern, in die Förderprojekte reinzukommen, sagte er. Eine Frau, die es geschafft hat, ist Mussarat Siddique, die auf dem Fachforum davon berichtete, wie sie ihren Weg aus der Flucht hin zur staatlich anerkannten Erzieherin trotz aller Widerstände gemeistert hat. „Das war kein einfacher Weg“, sagte sie.

Sabine Urke von der Abteilung Jugend und Beruf der Zaug gGmbH berichtete von ihrer Arbeit, bei der sie mit hochqualifizierten Frauen arbeitet, aber auch mit „Müttern, die erst motiviert werden müssen“. Da die Ausbildung in der Heimat oft hiesigen Ansprüchen nicht genüge, „muss oft nachqualifiziert werden“. Als „Best-Practice“-Beispiel hatte Urke Mannar Jarous mitgebracht: Die Syrerin hatte in ihrer Heimat Informatik studiert und sich mit Hilfe von Zaug sprachlich und fachlich für den Arbeitsmarkt fit gemacht. Seit einem Jahr hat sie einen festen Job, den sie dank der Familienfreundlichkeit des Unternehmens auch neben ihrer Verpflichtung als Mutter zweier Kinder ausüben kann. Für Urke zeigte der Fall, wie wichtig vernetzte Institutionen sind. „Sonst rennen die Teilnehmer von A nach B nach C.“

Zum Abschluss berichtete Isabel Domicke von der Einrichtungsleitung des Seniorenzentrums Rambachhaus Alsfeld über ein Beispiel aus der Pflege. In Zusammenarbeit mit einer Altenpflegeschule hatte das Zentrum drei Migrantinnen als Auszubildende übernommen. Eine wichtige Rolle, um Ausgrenzungen zu überwinden, habe die „interne Unternehmenskultur“ gespielt, sagte Domicke. Letztlich sei es möglich, „zwischenmenschliche Beziehungen auch ohne Sprache zu vermitteln“. Manche Schwierigkeiten habe man durch „einfache Tricks“ vermeiden können. Aber: „Man braucht Zeit“, resümierte die Einrichtungsleiterin.

 

10.10.2019 
Quelle: Regionalmanagement Mittelhessen GmbH 

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