Wirtschaft

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05.03.2026

Konjunkturumfrage IHK 2026

Es fehlt auch 2026 an Investitionen - Die wirtschaftliche Situation hat sich noch nicht entspannt. Zwar sind die Unternehmen wieder etwas optimistischer geworden, die Konjunkturumfrage zeigt aber starken Reformbedarf. IHK-Präsident Rainer Schwarz und Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Leder fordern deutliche Wachstumsimpulse, wenn wir in der globalen Wirtschaftsliga oben mitspielen wollen.

Weiterhin angespannt: So schätzen die Mitgliedsunternehmen der IHK Gießen-Friedberg die wirtschaftliche Lage zum Jahresbeginn 2026 ein. Der Konjunktur-Klimaindex für den IHK-Bezirk ist im Vergleich zum Herbst 2025 zwar von 88 auf 95,2 Punkte gestiegen. Er liegt damit aber nach wie vor unter der Zufriedenheitsschwelle von 100 Punkten. "Die unsicheren wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen belasten weiter die Geschäfte unserer Mitglieder insbesondere auch ihre Erwartungen und damit einhergehend ihre Planungen. Dass nur 24 Prozent der befragten Unternehmen in 2026 mehr Mittel als im vergangenen Jahr investieren möchten, ist alarmierend. Wenn wir in der globalen Wirtschaftsliga den Anschluss nicht verlieren wollen, brauchen wir dringend starke Impulse der Politik. Denn im internationalen Vergleich sind Lohnnebenkosten, Steuerlast sowie Energieausgaben hierzulande zu hoch und die Bürokratie erdrückend", kritisiert IHK-Präsident Rainer Schwarz.

Grundlage der Analyse ist die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage unter den Mitgliedsbetrieben in den Landkreisen Gießen, Wetterau und Vogelsberg. Der Blick in die Branchen zeigt, dass die verschiedenen Wirtschaftszweige unterschiedlich stark von der Krise betroffen sind: In der Industrie hellt sich die Lage etwas auf, der Klimaindex steigt auf 78,8 Punkte (Herbst 2025: 72,3), bleibt aber klar unter der Zufriedenheitsschwelle. Gleichfalls eine Gegenbewegung nach oben zeigt die Bauwirtschaft und erreicht 101,0 Punkte (Herbst 2025: 90,6). Mit 114,3 Punkten zeigt sich das Gastgewerbe vergleichsweise erholt (Herbst 2025: 95,7). Die Dienstleistungen können ebenfalls leicht hinzugewinnen: von 103,8 auf 107,5 Punkte. Auch verbessert, aber noch auf einem niedrigen Niveau, rangieren der Handel in seiner Gesamtheit mit 84,9 Punkten (Herbst 2025: 69,1) und der Einzelhandel mit 85,6 Punkten (Herbst 2025: 65,4), wobei insbesondere Letzterer weiter mit der Online-Konkurrenz und bundesweit verstärkt mit dem Warenangebot chinesischer Plattformen zu kämpfen hat. Jüngst kritisierte der Präsident des Handelsverbands Deutschland, Alexander von Preen, in der Tageszeitung Welt, dass bei vielen der billigen importierten Produkte aus China europäische Standards systematisch nicht eingehalten würden: Produktsicherheit werde ignoriert, Umwelt- und Sozialauflagen umgangen und geistiges Eigentum verletzt. Er forderte die politischen Vertreter Deutschlands deshalb zum Handeln auf.

Einige Zahlen für Deutschland, vorgelegt von der DIHK, belegen die gesamtwirtschaftlich herausfordernden Rahmenbedingungen: Mit 20.000 Unternehmensinsolvenzen von Januar bis Oktober 2025 lag die Größenordnung der zahlungsunfähigen Betriebe in der Bundesrepublik so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Auch die Arbeitslosenzahl erreichte im Januar 2026 mit über drei Millionen den höchsten Stand seit 2014. Regional wiederum sehen die Unternehmen die größten Risiken für ihr Geschäft in der schwachen Inlandsnachfrage, gefolgt von den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sowie hohen Arbeits- und Energiekosten. Erst an fünfter Stelle rangiert der Fachkräftemangel. "In wirtschaftlich unsicheren Zeiten ist es verständlich, dass Betriebe ihr Personal eher nicht aufstocken und erstmal abwarten. Als IHK setzen wir hier durch gezielte Angebote für gute Aus- und Weiterbildung bewusst Anreize, denn trotz allem halten wir die kontinuierliche Förderung der Belegschaft für eine wichtige und auch notwendige Investition in die Zukunft", sagt Schwarz.

Das Auslandsgeschäft kann derzeit nicht als Wachstumsmotor herhalten. Lediglich elf Prozent der Unternehmen rechnen mit steigenden Exporten, von einem gleichbleibenden Volumen gehen 47 Prozent aus und 42 Prozent von sinkenden Ausfuhren. "Dass in außenwirtschaftlich unsicheren Zeiten, geprägt von einer Hochzollpolitik der USA, nun das Mercosur-Abkommen vom EU-Parlament auf den Prüfstand gestellt und an den EuGH verwiesen wurde, erhöht weiter die Unsicherheit. Gerade jetzt sind für unsere exportorientierten Unternehmen Planungssicherheit und die Erschließung neuer Märkte von großer Bedeutung", betont IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Leder. Positiv sei in diesem Zusammenhang die politische Einigung zum Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien zu bewerten, nun müsse es möglichst schnell ratifiziert werden. "Auch die IHK Gießen-Friedberg engagiert sich im internationalen Umfeld: Durch die Konferenz The World meets in Giessen vernetzen wir Unternehmen aus der Region mit Partnern aus anderen Kontinenten", ergänzt er.

Im Vergleich der Landkreise setzt sich der Wetteraukreis beim Klimaindex mit 98,6 Punkten (Herbst 2025: 92,3) knapp vor Gießen (98,0; Herbst 2025: 89,7) an die Spitze. Mit 80,8 Punkten hat sich auch im Vogelsberg die Stimmung verbessert (Herbst 2025: 72,4), es ist aber noch deutlich Luft nach oben. Die befragten Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem gesamten IHK-Bezirk bemängeln in ihrer Einschätzung der aktuellen Lage überwiegend die überbordende Bürokratie. Mit Blick auf die Regulatorik und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sagt Leder: "Vieles an Regulierung wird unseren Mitgliedsunternehmen von Berlin und Brüssel vorgegeben. Deshalb sind wir im ständigen Austausch mit den Abgeordneten der Landes-, Bundes- und Europapolitik. Darüber hinaus kann eine regionale Wirtschaftsförderung Gutes bewirken. Ich denke dabei an die Ausgestaltung kommunaler Steuern, die interkommunale Zusammenarbeit, die Ausweisung von Gewerbeflächen und die Stärkung der Berufsschulstandorte." IHK-Präsident Rainer Schwarz pflichtet ihm bei: "Gemeinsam mit der Politik können wir mehr erreichen. Die Zeit zu handeln ist jetzt."


Quelle: IHK Gießen-Friedberg

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