Wirtschaft

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01.10.2019

Mittelhessen digital

Im Wetzlarer Leitzpark hat kürzlich der Dialog von Vertreterinnen und Vertretern mittelhessischer IT-basierter Unternehmen die Region auf den Weg zu einem neuen Industrie-Cluster gebracht. Über 100 Teilnehmer versammelten sich unter Federführung des Regionalmanagements Mittelhessen im Wetzlarer Osten, um den Austausch zum Thema "digitale Geschäftswelt" zu pflegen. Einen Einstieg lieferte Gunter Schneider von der SCHNEIDER GmbH & Co. KG mit einem Keynote-Beitrag über "intelligente Systeme in der Optikfertigung" und die Vorteile, die „Industrie 4.0“ in der Fertigung bietet. Für ihr voll integriertes Linsenproduktionssystem hatte das Unternehmen erst kürzlich den German Innovation Award bekommen. Beim so genannten Campfire hatten die Gäste anschließend Gelegenheit, mit IT-Unternehmern und -Gründern ins direkte Gespräch über Fragen digitaler Applikationen zu kommen.

„Ich denke, dass in Mittelhessen noch sehr viele Unternehmen das gleiche Pferd weiterreiten, auf dem sie viele Jahre erfolgreich unterwegs waren“, sagte nach seinem Keynote-Vortrag über den Stand der Digitalisierung in der Region. Darin liege „eine gewisse Gefahr, dass wir die Richtungsveränderung nicht schnell genug hinkriegen“. Es sei aber unbedingt notwendig, dass Unternehmen sich orientierten, „was digital für sie bedeutet“, welche Veränderungen man durchlaufen könne und wolle, um in Zukunft weiter erfolgreich zu sein, sagte er. Darin liege auch der Sinn eines neuen Digital-Clusters. „Da ist viel zu tun.“

Das Event in Wetzlar wollte der Unternehmer daher auch als „Weckruf“ zum digitalen Wandel verstanden wissen – „weil man hinschaut, wie andere es tun, welche Möglichkeiten, Vernetzungen und mögliche Partner es gibt, mit denen man arbeiten kann.“ Neue Unternehmen oder solche, die anders aufgestellt seien, falle diese Erkenntnis dabei oft leichter als vielen etablierten Champions der Region. Insgesamt sei es notwendig, „den Gradienten der Veränderung schärfer anzupassen“, machte Schneider deutlich. Diesen Prozess hinauszuschieben sei keine Lösung.

Als „Wegbegleiter, Innovator und Sparringspartner“ für mittelständische Unternehmen in der Region im Rahmen der Digitalisierung will Jens Ihle, Geschäftsführer der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH (RMG) das Netzwerk Mittelhessen Digital verstanden wissen, das als Fundament für den Digitaldialog dient – „aus der Motivation heraus, dass man als digitales Unternehmen in Mittelhessen noch mehr durch Partnerschaften erreichen kann“. Dem Zusammenschluss gehörten Betriebe mit einer „digitalen Kernkompetenz“ an, die ganz unterschiedlich sei, ergänzte Ihle. „Und die bringen sie mit in die Diskussion ein, um den regionalen Mittelstand auf Veranstaltungen wie dieser mit Impulsen zu versorgen.“ Als Teil des von der EU geförderten Projekts "Ökosystem Digital-Gründung-Innovation Mittelhessen (DiGIMit)" wird der Digitaldialog aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung kofinanziert.

Impulse für den Mittelstand gab es in Wetzlar nach Schneiders Keynote-Vortrag beim anschließenden „Campfire“: Auf der Tagesordnung standen dabei allgemein digitale Trends, aber auch spezifische Themen wie Recruitment, Tools für die Unternehmenskommunikation, Cyber-Sicherheit und das „Internet of Things“ (IoT). Eine provokante These dabei zur Digitalisierung in Deutschland war dabei: „Wir haben uns komplett verlaufen, kommen aber gut voran.“ An den verschiedenen Ständen des „digitalen Lagerfeuers“ diskutierten darüber Vertreter von Sylphen, die Interaktiven, Fabrik19 und Intelligent Data Analytics mit den Teilnehmern.

Einer der Teilnehmer war Florian Kraus, beim Schweißgeräte-Hersteller Hürner aus dem mittelhessischen Atzenhain unter anderem zuständig für die digitale Transformation eines der führenden Hersteller von Schweißanlagen für Kunststoff-Rohre. Es sei sehr interessant zu sehen wie sich Mitarbeiter in ähnlichen Positionen mit den gleichen Problemen beschäftigten, sagte Kraus. „Da kommen wir auf viel bessere Ideen, wenn wir da miteinander sprechen.“ Den Mittelstand sieht er insgesamt in einer guten Position, sich den Herausforderungen des digitalen Wandels zu stellen: „Der ist viel agiler“ als zum Beispiel große Konzerne, sagte der promovierte Luft- und Raumfahrtingenieur. Aber: „In manchen Fällen haben wir auch noch sehr viel Nachholbedarf.“

 

Quelle: Regionalmanagement Mittelhessen GmbH

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