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Grundwasser

Das unterirdische Wasser im Stadtgebiet wird an zahlreichen Stellen beobachtet und untersucht. Die Messungen ermöglichen Aussagen über Qualität, Tiefenlage und Fließrichtung des Grundwassers.

Kataster für Grundwassermessstellen und Bodenaufschlüsse

Seit 1987 werden in Gießen systematisch Grundwassermessstellen, Brunnen, Baugrundbohrungen und sonstige Bodenaufschlüsse digital erfasst, bewertet und in das Messstellenkataster aufgenommen.
An 130 Grundwassermessstellen werden zweimal pro Jahr die Grundwasserstände gemessen, an 30 ausgewählten Messtellen wird zusätzlich die chemische Zusammensetzung des Wassers analysiert. Für rund 5000 Bohrungen liegen Bodenprofile mit Schichtenverzeichnissen vor.

Verfügbare Daten

Alle vorhandenen Daten für einen Untersuchungspunkt oder Bodenaufschluss werden digital in einem geographischen Informationssystem erfasst. Bodenprofile mit Schichtenverzeichnissen oder Grundwasserstände in Form von Ganglinien können Interessierten auf Anfrage per E-Mail zur Verfügung gestellt werden.

Die Daten in unserem Informationssystem werden ständig aktualisiert und ergänzt. Sollten Sie im Besitz von Bodengutachten sein und diese zu Informationszwecken zur Verfügung stellen wollen, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie sich per E-Mail mit uns in Verbindung setzen würden.

 

 

Grundwasserverhältnisse mit Daten zum geologischen Untergrundaufbau und Auswertungen zu Grundwasserständen

Grundwasserführende Schichten

In Gießen werden seit 1989 regelmäßig Grundwasserbeobachtungen an 130 Grundwassermessstellen durchgeführt. Weitere 1.000 Bohrungen mit einmaligen Grundwasserstandsmessungen, die im Rahmen von Baugrund- oder Altflächenuntersuchungen durchgeführt wurden, werden zusätzlich für die Ermittlung der Grundwasserverhältnisse herangezogen.

Aufgrund der starken Gliederung des geologischen Untergrundes in Gießen bewegt sich das Grundwasser in unterschiedlichen Grundwasserhorizonten.
Oberflächennahes Grundwasser zirkuliert in den Poren der tertiären Sande und Kiese sowie in den Lahnkiesen.
Tiefere Grundwasserstockwerke können in den Felsgesteinen des Paläozoikums ausgebildet sein und werden mit einigen wenigen Tiefbrunnen im Stadtgebiet erschlossen.

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Grundwassergleichenplan

Aus den vorliegenden Messdaten wurde für Mai 2010 ein Grundwassergleichenplan für das obere Grundwasserstockwerk in Gießen konstruiert.
Danach strömt das Grundwasser vom Stadtrand zu den Vorflutern Lahn, Wieseck und Klingelbach. Das Gefälle der Grundwasseroberfläche ist im Innenstadtbereich mit Werten kleiner 1 % sehr gering. Größere Grundwassergefälle treten, bedingt durch einen Wechsel im geologischen Aufbau, im Bereich Margaretenhütte, westlich der Marburger Straße und Hohe Warte auf. Hier kann der Grundwasserspiegel Gefälle bis zu 15 % aufweisen.

Die absolute Grundwasserhöhe liegt bei rund 154 Meter über Normal Null (m ü. NN) im Innenstadtgebiet und steigt auf ca. 177 m ü. NN westlich der Marburger Straße, im Bereich der Hohen Warte oder im Gießener Südwesten sogar auf 220 m ü. NN.

Grundwassergleichenplan (PDF, 2 MB) 

Quellkartierung in Gießen

Wegen ihres sauberen Wassers und des geheimnisvollen Ursprungs aus dem Inneren der Erde sind Quellen schon seit jeher Anziehungspunkte für Menschen gewesen. Sie dienten der Trinkwassergewinnung, fanden Verwendung in der Heilkunde und waren Mittelpunkt früher Ansiedlungen. Heute haben die Quellen diese Bedeutung weitgehend verloren. Sie sind großenteils gefasst, drainiert, überbaut oder vollständig zerstört.

Quellenkartierung in Gießen
Eine Quellenkartierung, durchgeführt in den Jahren 2002 und 2003, sollte Aufschluss darüber geben, wie viele Quellen im Gießener Stadtgebiet noch existieren, welche Quelltypen auftreten und ob noch ursprüngliche, naturbelassene Quellen vorhanden sind. Dazu wurden zunächst alle verfügbaren Karten- und Geschichtsmaterialien wie topographische Karten verschiedenen Alters, geologische Karten, historische Stadtpläne, Berichte der Heimatvereine, Unterlagen des Stadtarchivs und wissenschaftliche Veröffentlichungen gesichtet und ausgewertet. Insgesamt gab es Hinweise auf 63 Quellen im Stadtgebiet, deren Standorte besichtigt, eingestuft, beschrieben und fotografiert wurden. Dabei konnten 15 gefasste, 27 naturbelassene wasserführende und 6 trockene Quellenstandorte kartiert werden. 10 der ehemals vorhandenen Quellen sind entweder überbaut oder zerstört.

Karte der Quellen im Stadtgebiet von Gießen (PDF, 1,3 MB)

Quelltypen in Gießen

Quellen entstehen immer dort, wo Grundwasser an die Erdoberfläche tritt. Häufig besteht eine Quelle aus dem eigentlichen Wasseraustritt und einem dazugehörigen Quellbach. Je nach geologischem Untergrundaufbau, Geländemorphologie und hydrologischen Bedingungen unterschiedet man verschiedene Quelltypen, die alle im Gießener Stadtgebiet vorkommen.

Sturz- oder Fließquelle
Die Sturz- oder Fließquelle ist der bekannteste - in Gießen aber auch der seltenste - Quelltyp. Sie stellt sich als kleiner zwischen Felsen hervortretender "Wasserfall" dar, der schnell in einem Quellbach abfließt. Voraussetzung für diesen Quelltyp ist ein starkes Oberflächengefälle und das Auftreten von Felsgestein im Wechsel mit undurchlässigen Schichten. Diese Voraussetzungen sind in Gießen am ehesten im Schiffenberger Wald gegeben, wo Basalte oberflächennah auftreten.

Tümpelquelle
Ebenfalls sehr selten treten in Gießen Tümpelquellen oder Quelltöpfe auf. Das Wasser tritt hier meist vom Grund her in eine Bodenmulde ein. Über den Muldenrand fließt das Quellwasser dann in den sich anschließenden Quellbach. Tümpelquellen, jedoch ohne Quellbach, wurden im Schiffenberger Wald (Foto), an der Hohen Warte und in Rödgen kartiert.

Sickerquelle
Sickerquellen sind die am häufigsten vertretenen Quelltypen in Gießen. Sie entstehen meist in Geländesenken, in denen sich das Grundwasser der umliegenden Hänge sammelt. In zahlreichen kleinen Rinnsalen tritt Wasser aus der Erde aus und bildet Feuchtstellen, wie zum Beispiel im Gießener Staatsforst (Foto). Dem Gefälle folgend bildet sich der Quellbach durch das Zusammenfließen mehrerer Wasseraustritte.

Gefasste Quelle
Eine Besonderheit sind die zahlreichen älteren Quellfassungen im Schiffenberger Wald. Die unmittelbaren Quellbereiche sind hier mit Steinen abgemauert oder wie im Fall des Hirtenbrunnens (Foto) mit einer behauenen Steinplatte gefasst. Die Quellbäche fließen häufig in Weiher, werden aufgestaut oder in Kanäle eingeleitet.

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