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Die Stadt Gießen hat eine dezernats- und ämterübergreifende Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner eingerichtet. Damit sollen die städtischen Maßnahmen gebündelt werden, welche die Stadt auf Grünflächen und im Stadtwald gegen den EPS durchführt. Informationen sollen so besser ausgetauscht werden, Bürgeranliegen schneller bearbeitet werden und Maßnahmen intensiviert werden.

Die Stadt bekämpft den EPS seit Jahren, Tendenz stark steigend

Der Eichenprozessionsspinner breitet sich seit Mitte der 1990er Jahre langsam von Süd-Europa her in Richtung Norden aus. 2016 wurden im Wald an der Licher Straße in Höhe Rehschneise erstmals Nester dieser Schmetterlingsart gefunden. Seitdem ist die Stadt aktiv, um das Problem im Stadtgebiet unter Kontrolle zu halten, und zwar sowohl auf innerstädtischen Grünflächen, als auch im Stadtwald.

Die Bekämpfung 2018 auf innerstädtischen Grünflächen - Prävention

Im April/Mai 2018 wurden rund 320 Bäume präventiv mit dem Mittel Dipel Es 8(BT Präparat) behandelt. Es handelt sich dabei um ein natürliches Insektizid auf der Basis des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis. Vorrangig wurden Bereiche behandelt, wo vermehrt Kinder und Jugendliche in Kontakt mit dem EPS kommen können. So wurden Kindertagesstätten, Schulen, Spielplätze, Sport- und Freizeitanlagen behandelt.

Die Ergebnisse waren sehr zufriedenstellend. In den behandelten Bereichen waren fast keine Nester des EPS mehr festzustellen. An der Albert Schweitzer Schule, die 2017 sehr stark betroffen war, wurde von rund 50 Eichen auf dem Gelände nur ein einziges Nest entdeckt und abgesaugt.

Die Bekämpfung 2018 auf innerstädtischen Grünflächen - Entfernung

Im Verlauf des Sommers 2018 stellte sich heraus, dass es auch vermehrt in Bereichen von Bushaltestellen, Grünzügen, Friedhöfen und Straßen Meldungen des EPS gegeben hat. Aufgrund des fortgeschrittenen Larvenstadiums war es nicht mehr möglich, die Nester mit Bacillus thuringiensis dort zu vernebeln. Als Option blieb nur das Absaugen durch Fachfirmen. Dabei wurden die Einsatzorte nach Publikumsverkehr priorisiert: Entfernt wurde mit erster Priorität überall dort, wo Kontakt mit Menschen wahrscheinlich war, weniger in Randbereichen. Nachteil: Diese Methode ist arbeitsaufwändig und erfordert umfassende Arbeitsschutzmaßnahmen, um die Mitarbeiter vor den Brennhaaren zu schützen.

Die Bekämpfung 2019 auf innerstädtischen Grünflächen - Prävention

Nach den Erfahrungen aus 2018 war klar, dass die Präventivmaßnahmen 2019 ausgeweitet werden mussten. Die Zahl der behandelten Bäume wurde von 320 auf 650 erhöht. Jene Bereiche, die 2018 abgesaugt werden mussten, wurden jetzt präventiv behandelt. Eine Behandlung von Bäumen „auf gut Glück“, d.h. ohne begründeten Verdacht bzw. Nachweis ist nicht zulässig. Das Mittel wirkt nicht nur auf eine Art, sondern auf alle frei fressenden Schmetterlingsraupen. Darüber hinaus kann auch dieses Mittel beim Menschen allergische Hautreaktionen verursachen. Eine präventive flächendeckende Behandlung aller Eichenbestände ist verboten. Die Behandlung darf nur dann erfolgen, wenn bei einer vorherigen Befallsermittlung ein Raupenbefall der Bäume festgestellt werden konnte.

Die Bekämpfung 2019 auf innerstädtischen Grünflächen - Entfernung

Die 2018 in der Anneröder Siedlung festgestellten Befälle mit EPS wurden 2019 präventiv behandelt. In 2019 neu festgestellte Fälle werden abgesaugt. Das Absaugen kann erst dann effektiv stattfinden, wenn schon Gespinste vorhanden sind, nicht beim ersten Befall.

Es wurden etliche Beratungsgespräche – persönlich und telefonisch - mit betroffenen Bürger*innen geführt. Diese Gespräche drehten sich häufig um Privatbäume, die nicht in die Zuständigkeit des Gartenamts fallen. Hier wurden entsprechende Fachfirmen zur Bekämpfung genannt.

Bilanz und Ausblick für die innerstädtischen Grünflächen

Die Strategie, Befallsbäume des Vorjahrs präventiv zu behandeln, hat sich bewährt. Leider befällt der Eichenprozessionsspinner zunehmend auch bislang verschonte Eichen. Aktuell basiert die Bekämpfung auf folgenden Maßnahmen:

  • Wöchentliche stichpunktartige Kontrollen
  • Beurteilung des zu erwartenden Verkehrs. Muss eine Behandlung durchgeführt werden?
  • Beauftragung einer Fachfirma zum Absaugen der Nester
  • Dokumentation der abgesaugten Bereiche für zukünftige Präventionsmaßnahmen

Die Kapazitäten des städtischen Baumpflegers sind derzeit fast ausschließlich durch den Eichenprozessionsspinner ausgelastet.

Mit der Dokumentation der in 2019 abgesaugten Bereiche ist gewährleistet, dass diese 2020 in die Präventivmaßnahmen aufgenommen werden.

Die Bekämpfung im Stadtwald - Prävention

Waldbau

Die Gießener Wälder werden naturnah bewirtschaftet. Es werden ausschließlich Mischbestände begründet. Damit wird verhindert, dass z.B. der EPS als eine auf Eichen spezialisierte Art sich flächenhaft in einer Massenvermehrung ausbreiten und etablieren kann. Artenreichtum und Strukturvielfalt sind die beste Gewähr dafür, die gesunde Lebensgemeinschaft Wald zu gewährleisten. Statt der Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln oder Insektiziden im Wald werden die die natürlichen Gegenspieler des EPS gefördert, wie Vögel, Fledermäuse oder Insektenarten, die EPS-Raupen parasitieren.

Kontrolle

Während der Holzerntemaßnahmen im Winter werden die gefällten Eichen auf das Vorhandensein von verlassenen Gespinsten des EPS kontrolliert. In den im letzten Winter bearbeiteten Beständen in Wieseck, am Schiffenberg sowie in Lützellinden zeichnete sich eine mittlere Befallsintensität auf dem Niveau der letzten Jahre ab. Offenbar begünstigt durch die trocken-heiße-Witterung der letzten Wochen wurde nun jedoch auch in bisher EPS-freien Waldbereichen ein starker Befall sichtbar. Nach der Feststellung und Bestätigung von EPS wurde die Intensität des Vorkommens dokumentiert.

Entfernung

Nach der Dokumentation erfolgte eine Priorisierung der einzuleitenden mechanischen Bekämpfungsmaßnahmen. Spezialisierte Baumpflege- oder Schädlingsbekämpfungsfirmen sind mit der fachgerechten Beseitigung von EPS-Raupen durch Absaugen auch in Waldflächen tätig. Diese Bereiche werden weiterhin beobachtet und ggfls. mehrfach bearbeitet.

Bilanz und Ausblick für den Stadtwald

Das Vorkommen von Eichenprozessionsspinnern in Waldflächen wird im Grundsatz als waldtypische Gefahr eingestuft. Es handelt sich um eine natürliche Ausprägung von Insektenvermehrung, die 2019, was die Intensität der Vermehrung anbetrifft, unvorhersehbar hoch ist.
Waldgebiete großflächig mit Bioziden oder Insektiziden zu behandeln, ist nicht zulässig. Ein solcher Eingriff ist mit erheblichen, ebenfalls nicht vorhersehbaren Folgen, für die Lebensgemeinschaft Wald und die in diesem Wald Erholung suchenden Menschen verbunden.

Maßnahmen des Ordnungsamtes

Das städtische Ordnungsamt wird tätig, wenn Eichen auf Privatgelände befallen sind und davon eine Gefährdung der Öffentlichkeit ausgeht. Vorgeschaltet ist eine Prüfung durch den Baumsachverständigen der Unteren Naturschutzbehörde. Die Privateigentümer werden dann aufgefordert, Bekämpfungsmaßnahmen zu veranlassen.

Mitteilungen gegenüber dem Ordnungsamt über solche Eichen sind in diesem Jahr eher spärlich. Offensichtlich haben die Eigentümer bereits von sich aus entsprechende Maßnahmen ergriffen. So hat z. B. die „Wohnbau Gießen"  eigene Bekämpfungsmaßnahmen eingeleitet.

Sicherungsmaßnahmen der Feuerwehr

Die städtische Berufsfeuerwehr unterstützt Garten- und Liegenschaftsamt bei Sicherungsmaßnahmen, z. B. durch das Absperren von Flächen oder die Anbringung von Warnhinweisen. Allerdings können nicht alle befallenen Bäume ausgeschildert werden.

Der Klimawandel lässt Gefährdungen für Mensch und Natur wachsen

Der menschengemachte Klimawandel wird immer spürbarer. Ursache sind Klimagase in der Luft, vor allem Kohlendioxid aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas. 16 der 17 wärmsten Jahre überhaupt seit Beginn der Wetteraufzeichnungen traten nach dem Jahr 2000 auf. Die zunehmenden Hitzewellen haben zahlreiche Auswirkungen. Zum Beispiel sind die hessischen Wälder seit 2018 von extremer Dürre betroffen und in Folge davon Massenvermehrungen des Borkenkäfers. Dies wurde unlängst von HessenForst im Bericht zur Waldschutzlage im hessischen Staatswald dokumentiert.

Der Klimawandel führt auch dazu, dass wärmeliebende Arten bessere Bedingungen vorfinden bzw. wie die sog „invasiven Arten“ erst nach Mitteleuropa dringen. Auch andere Arten, etwa die Asiatische Tigermücke oder neu auftretende allergene Blütenpflanzen wie die Ambrosia sind auf dem Vormarsch. Für die Stadt Gießen wird in Zukunft die Anforderung wachsen, auf diese Gefährdungen flexibel zu reagieren.

Gesundheitsrisiken für den Menschen

Zu den Gesundheitsrisiken durch die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners verweist die Stadt auf die Einschätzungen des Gesundheitsamts des Landkreises Gießen. Die Stadt Gießen selbst hat für die gesundheitliche Bewertung keine Kompetenz und keine Befugnis.

Eigenverantwortliches Handeln ist wichtiger denn je

Einen absoluten Schutz gegen die Gefährdungen durch Eichenprozessionsspinner wird es nicht geben. Daher ist eigenverantwortliches Handeln vonnöten, um sich durch entsprechendes Verhalten zu schützen. Die Gesundheitsämter empfehlen:

  • Halten Sie die Augen offen
  • Informieren Sie Ihre Kinder
  • Meiden Sie befallene Flächen
  • Berühren Sie die Raupen und Gespinste nicht
  • Schützen Sie empfindliche Hautbereiche (Nacken, Hals, Unterarme)
  • Verschieben Sie Pflegearbeiten in befallenen Bereichen; benutzen Sie keine Laubbläser oder -sauger
  • Hängen Sie in befallenen Bereichen keine Wäsche nach draußen
  • Frottieren Sie Haustiere nach Spaziergängen nass ab

Sollte es doch zu einem direkten oder indirektem Kontakt gekommen sein:

  • Wechseln Sie die Kleidung und reinigen Sie sie nass
  • Duschen Sie und waschen Sie die Haare
  • Kratzen Sie die gereizten Hautbereiche nicht. Bei leichten Beschwerden verschaffen Antihistaminika Linderung.
  • Beim Auftreten von Schwindel, Benommenheit, Fieber, schwerem Krankheitsgefühl suchen Sie bitte Ihren Arzt auf; bei schweren allergischen Reaktionen mit Asthma und Atemnot alarmieren Sie den Rettungsdienst.

Meldung des Auftretens mit Mängelmelder, per E-Mail (info@giessen.de) oder telefonisch (0641 306-1004) an die Stadt.

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