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19.04.2022

Tierärztliche Ambulanz für Haustiere aus der Ukraine

Ehrenamtliche Initiative in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen (EAEH) am Standort Gießen

Nicht zum ersten Mal flüchten Hunderttausende Menschen vor Krieg und Gewalt nach Deutschland. Es gibt viele Anlaufstellen und etablierte Strukturen, und doch ist seit Beginn des Ukraine-Krieges einiges anders. Um einen vermeintlichen Nebenaspekt kümmert sich seit einigen Tagen eine tierärztliche Ambulanz in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen (EAEH) in Gießen. Ins Leben gerufen hat die Initiative der Leiter der Gießener Vogelklinik, Prof. Dr. Michael Lierz. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen des Fachbereichs Veterinärmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) sowie niedergelassenen Tierärztinnen und Tierärzten kümmert er sich dort ehrenamtlich um die Haustiere von Geflüchteten. Die Ehrenamtlichen der JLU und das Veterinäramt des Landkreises Gießen unterstützen damit das Regierungspräsidium Gießen, welches für die EAEH zuständig ist.

„Wir erleben aktuell zum ersten Mal, dass viele Menschen, die nach Deutschland flüchten, ihre Haustiere mitbringen. Das stellt uns vor neue logistische und organisatorische Herausforderungen“, sagt Manfred Becker, der zuständige Abteilungsleiter beim Regierungspräsidium Gießen. Tiere, die aus dem Ausland kommen und nicht gegen Tollwut geimpft sind, müssen eigentlich für mehrere Wochen in Quarantäne. „Man muss sich das vorstellen: Traumatisierte und meist vaterlose Familien kommen nach tagelanger Flucht hier in Gießen an. Insbesondere Kinder in dieser Situation auch noch von ihren Haustieren zu isolieren, wäre sicher problematisch“, beschreibt Lierz seine Motivation, hier tätig zu werden. Er sei sehr dankbar für die Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Gießen und mit dem Veterinäramt, mit denen das Konzept der Sprechstunde kurzfristig eng abgestimmt werden konnte. Auch das Veterinäramt weist Geflüchtete mit Heimtieren immer wieder daraufhin, dass sie keine dauerhafte Wegnahme ihrer Tiere fürchten müssen. Wichtig ist jedoch die Erfassung, um den Gesundheitsstatus zu überprüfen.

In der neu geschaffenen Ambulanz geht es vorrangig darum, vor allem Hunde und Katzen aus der Ukraine mit den nötigen Papieren zu versorgen und eventuell fehlende Impfungen nachzuholen. Im Anschluss können die Geflüchteten ihre Haustiere direkt wieder mitnehmen – es ist aber möglich, dass das Tier danach für einige Zeit isoliert gehalten werden muss. Dass auf die Quarantäne nach Einzelfallprüfung verzichtet werden kann, hat einen einfachen Grund: „Tollwut ist ein Problem, das vor allem Straßenhunde betrifft, die nach Deutschland importiert werden“, erläutert Lierz. Die vorgeschriebene Tollwutimpfung und die Quarantäne seien in diesen Fällen sehr berechtigt. „Hier haben wir es aber in aller Regel mit Haustieren zu tun, die eng mit ihren Familien zusammenleben“, erklärt der Tierarzt. In Absprache mit dem Veterinäramt des Landkreises sei es möglich, die Tiere innerhalb ihrer Familien isoliert zu halten.

„Ich hätte es mir nicht vorstellen können, meine Hunde in Odessa zurückzulassen“, erzählt die 21-jährige Studentin Maria, die mit ihrer Mutter nach Deutschland gekommen ist. Auf der Flucht mit ihren drei kleinen Hunden (ein Chihuahua und zwei Japan-Chins) lebten die beiden Frauen unter anderem auch fünf Tage lang in einer Turnhalle in Bukarest. Für das Angebot der tierärztlichen Ambulanz in Gießen, die es ihr ermöglicht, die Hunde weiter bei sich zu behalten, ist sie sehr dankbar. „Ich freue mich sehr, dass die drei hier geimpft und registriert werden und wir hier zusätzlich auch Futter bekommen“, berichtet sie.

Unabhängig von Impfungen und Registrierung ist die Ambulanz natürlich auch eine Anlaufstelle für kranke Haustiere von Geflüchteten. Auch die Kliniken des Fachbereichs Veterinärmedizin der JLU bieten im Notfall eine unentgeltliche Behandlung der Haustiere von Geflüchteten an.

Weitere Informationen: www.uni-giessen.de/ukraine

Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen

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