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10.03.2026

Lernort im Park: Gießen und Swakopmund schaffen neue Orte der Begegnung

Auszubildende aus Swakopmund und Gießen gestalten mit solarbetriebenen Lern- und Aufenthaltsorten öffentliche Räume neu und setzen ein Zeichen für nachhaltige Stadtentwicklung

Im Park im Schatten sitzen, das Handy laden und am Tisch daneben Hausaufgaben machen. Was selbstverständlich klingt, ist im Januar 2026 in Swakopmund zu einem sichtbaren Zeichen internationaler Zusammenarbeit und der bewussten Aufwertung öffentlicher Räume geworden. Zwei sogenannte Begegnungsinseln sind in öffentlichen Parks der namibischen Küstenstadt entstanden, nicht nur geplant, sondern auch gemeinsam vor Ort gebaut, verkabelt und in Betrieb genommen von Auszubildenden und Ausbildern aus Swakopmund und Gießen. Die Konstruktionen bestehen aus Holz, mit einem Dach, auf dem Solarpaneele angebracht sind. Getragen wird das Dach von stabilen Balken über zwei langen Bänken und einem Tisch. In die tragenden Elemente integriert sind Bewegungsmelder, Beleuchtung und Ladeports für mobile Endgeräte. Nachhaltige Energie trifft hier auf Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, der als Lern-, Begegnungs- und Aufenthaltsort neu erfahrbar wird, entwickelt in enger Abstimmung und umgesetzt im Team.

An der Umsetzung beteiligt waren auf Gießener Seite Marcel Hof (Auszubildender), Christian Hornig (Ausbilder), Markus Cromm (Ausbilder), Dirk Haas (Nachhaltigkeitsbeauftragter) vom Ausbildungszentrum ZAUG sowie Daniel Aydin, Jonas Aschenbrenner (beides Schüler), Jonas Schäfer (Berufsschullehrer) von der Produktionsschule der Theodor-Litt-Schule Gießen und Janina Brendel (Projektkoordinatorin) von der Stadt Gießen. In Swakopmund arbeiteten zehn Trainees, Diana Tjavara (Trainerin) von COSDEC und Robeam Ujaha (Projektkoordinator) von der Stadt Swakopmund Seite an Seite mit der Delegation. Die Begegnungsinseln sind damit Ergebnis eines gemeinsamen Lern- und Arbeitsprozesses über Kontinente hinweg und ein sichtbarer Beitrag zur Wertschätzung und Belebung des öffentlichen Raums. „Hier wird greifbar, was kommunale Partnerschaften leisten können“, betont Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher mit Blick auf das Projekt. „Wenn junge Menschen gemeinsam planen, bauen und voneinander lernen, entsteht nachhaltige Entwicklung ganz konkret vor Ort.“

Der erste Prototyp einer Begegnungsinsel entstand bereits 2024 auf dem Gelände der Produktionsschule. Dort wurde getestet, geplant, verworfen und verbessert, auch mit Blick darauf, wie Lernobjekte öffentliche Räume aufwerten und zum Verweilen einladen können. Besonders intensiv diskutiert wurde die Frage der Materialwahl, denn die klimatischen Bedingungen unterscheiden sich erheblich. Während in Gießen gemäßigtes Klima herrscht, prägen in Swakopmund Wüste, intensive Sonneneinstrahlung, Sand, Meeresluft und Salz die Umgebung. Korrosion ist ein permanentes Thema. Welche Materialien halten? Welche Befestigungen sind langfristig stabil? Und wie lassen sich dauerhafte, gepflegte Orte im öffentlichen Raum schaffen? Diese Fragen wurden in digitalen Planungstreffen, während des Besuchs namibischer Trainees in Deutschland und nun im praktischen Aufbau vor Ort gemeinsam beantwortet. Lernen fand nicht nur im Klassenraum statt, sondern auf Baustellen, in Werkstätten und im direkten Austausch, immer mit dem Ziel, öffentliche Orte funktional und zugleich einladend zu gestalten.

Jonas Schäfer beschreibt die Zusammenarbeit so: „Es ist beeindruckend zu sehen, wie selbstverständlich die Jugendlichen über Kontinente hinweg kooperieren. Unterschiedliche Hintergründe und Erfahrungen spielen keine Rolle. Entscheidend ist die gemeinsame Idee. Genau das macht berufliche Bildung so stark.“

Für die Trainees aus Swakopmund ist die Begegnungsinsel weit mehr als ein Bauprojekt. Trainee Victoria Ndaamekele formulierte es bei der pressewirksamen Eröffnung in Namibia eindrücklich: „Wir haben nicht nur gelernt, wie Solarenergie funktioniert – wir haben erlebt, wie aus einer Idee Realität wird. Diese Begegnungsinsel ist für uns ein Homework Hotspot.“ Thompson, ebenfalls Trainee, brachte seine Erfahrung mit einem Wort auf den Punkt: „Insightful! Dieses Projekt hat unseren Blick auf unsere berufliche Zukunft erweitert.“ In einer Stadt mit enormem Solarpotenzial wird erneuerbare Energie hier unmittelbar erfahrbar. Die ersten Begegnungsinseln stehen in zwei Parks, eine dritte ist vor der städtischen Bücherei Swakopmund geplant, bewusst an Orten, die von vielen Menschen genutzt werden und nun eine neue Qualität als Treffpunkte erhalten. Parallel wird auf dem Gelände der Produktionsschule der ursprüngliche Prototyp aus 2024 verändert und angepasst an die dortigen Bedingungen, Wünsche und mit passenden Materialien.

Die ZAUG gGmbH erstellt begleitend Lernvideos, damit das Konzept dokumentiert wird und künftig auch an anderen Orten nachgebaut werden kann, als Impuls für die nachhaltige Gestaltung und Aufwertung öffentlicher Räume.

Robeam Ujaha hebt die Rolle der Kommune hervor: „Für die Stadt Swakopmund ist dieses Projekt ein wichtiger Schritt, öffentliche Räume innovativ und nachhaltig weiterzuentwickeln. Unsere Kooperation mit Gießen zeigt, wie Städte partnerschaftlich voneinander lernen können.“ Auch Janina Brendel unterstreicht den partnerschaftlichen Ansatz: „Wir arbeiten nicht FÜR einander, sondern MIT einander. Die unterschiedlichen Bedingungen haben uns schon gefordert, aber darin lag auch ein großer Lerneffekt für alle. Die entstandenen Begegnungsinseln können und sollen nach Erprobung noch weitergedacht und -entwickelt werden.“ Zum Ende des Projekts richtet der Oberbürgermeister den Blick nach vorn: „Diese Begegnungsinseln stehen für nachhaltige Städte, hochwertige Bildung und internationale Verantwortung. Vor allem aber stehen sie für junge Menschen, die ihre Zukunft aktiv gestalten und ihre Städte mitgestalten.“

Das Projekt läuft noch bis Mai 2026 und wird mit 100.000 Euro gefördert durch Engagement Global mit ihrer Servicestelle Kommunen in der Einen Welt, mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Was nun in den Parks von Swakopmund steht, ist damit mehr als eine solarbetriebene Sitzgelegenheit: Es ist ein sichtbares Zeichen dafür, wie kommunale Partnerschaft, berufliche Bildung und die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele zusammenwirken. Und wie öffentliche Räume als gemeinschaftliche Orte neu wertgeschätzt werden können, unter namibischer Sonne ebenso wie in Mittelhessen.

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