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27.04.2020

IHK tagt digital - Unternehmen aller Branchen brauchen eine Perspektive

„Bei der IHK herrscht Hochbetrieb“. Rainer Schwarz, Präsident der IHK Gießen-Friedberg, begrüßte 15 Unternehmer in digitaler Runde: „Wir müssen den Dialog aufnehmen, Perspektiven aufbauen und Horizonte vermitteln“, sagte er in der Begrüßung. Statt der turnusgemäßen Vollversammlungssitzung informierte die IHK in einer Videokonferenz und startete eine intensive Diskussion zur Corona-Krise: „Wir müssen die Argumente der Unternehmen in die Politik tragen und dürfen nicht in eine Depression verfallen, sondern die Politik muss eine Wegweisung geben“.

 

Viel Lob für die IHK

Zunächst berichtete Matthias Leder, IHK-Hauptgeschäftsführer, von zahlreichen Gesprächen, die mit Helge Braun, Bundesminister für besondere Aufgaben, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier oder mit dem hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir stattfanden. „Für unsere Beratung zur Corona-Soforthilfe und zu verschiedenen Kreditprogrammen erhalten wir viel Lob von den Unternehmen, die sich in teilweise schlimmen Situationen befinden“, erklärte Leder. Schwarz bestätigte: „Die Kreditprogramme laufen zu kurz, die Soforthilfe ist zu bürokratisch aufgebaut und scheitert oft allein an der Definition des Begriffs Liquiditätsengpass“. Insbesondere die Gastronomie, die Reisebranche, die Veranstaltungswirtschaft und Teile des Einzelhandels, der von den Schließungen betroffen ist, seien fundamental von der Krise betroffen.

 

Gastronomie und Hotellerie werden stranguliert

IHK-Vizepräsident Rainer Dietz vom Lauterbacher Posthotel Johannesberg sagte, viele Betriebe aus der Gastronomie stünden am Abgrund. Er kritisierte, dass es keine konkreten Hinweise gäbe, wie ein so dringend notwendiger Neustart im Detail aussehen solle. „Wir arbeiten an Konzepten, um die Abstandsregelungen einzuhalten. Das ist häufig in unseren kleinen Gasthäusern und Restaurants aber nicht möglich. Und die Hotellerie fällt vollkommen flach“, sagte Dietz. Daher seien viele Gastronomiebetriebe auf die Soforthilfe angewiesen.  Rainer Schwarz: "Die Soforthilfe muss versteuert werden. Überdies ist es ist kein Allheilmittel, immer nur mehr Kredite zu verteilen". Dürften Unternehmen auf Dauer keine Geschäfte machen, führe das letztlich in die bilanzielle Überschuldung. "Dort, wo längere Zeit behördliche Verbote gelten werden, müssen wir stärker über eigenkapitalähnliche Förderungen und auch über direkte Zuschüsse aus einem staatlichen Fonds nachdenken", lautet Schwarz‘ Fazit.

 

Chaos um die Größe beim Einzelhandel

Die jüngst beschlossene Lockerung der 800m²-Vorschrift bei der Wiedereröffnung des Einzelhandels stieß einerseits auf Zustimmung der Unternehmen. Gleichzeit argumentierte Frank Sommerlad vom Gießener Möbelhaus Sommerlad: „Es ist schlicht ein falscher Blickwinkel zu sagen: bis 800m² darf geöffnet werden. Darüber hinaus nicht.“ Er schlug als Verbesserung stattdessen vor, einen Wert zu finden, der die Besucher pro Fläche angibt. „Die erforderlichen Abstände könnten umso besser eingehalten werden, je mehr Fläche zur Verfügung steht“, sagte Sommerlad. Claudia Claussen, Inhaberin eines Friedberger Feinkostladens, bestätigte diese Sicht: „Ich darf in meinen kleinen Laden nur eine begrenzte Zahl von Kunden hereinlassen“.

 

Gravierende Probleme in der Veranstaltungswirtschaft

Matthias Leder stellte nochmals die existenzbedrohenden Probleme der Veranstalter dar. „Wir haben hier in der Region drei wirkliche Marktführer. Kerngesunde Unternehmen. Denen wird derzeit die komplette Grundlage genommen mit der Aussage, dass es bis Ende August 2020 keine Großveranstaltungen geben werde. Dabei sind die Firmen in der Lage, Sicherheitskonzepte für Veranstaltungen unter 1.000 Besuchern zu realisieren“, sagte Leder und erinnerte an die aktuelle Absage des Münchener Oktoberfestes: „Auch viele Schausteller können Sicherheit organisieren, doch hier erfolgt mehr oder weniger ein Geschäftsverbot“.

 

 

Reisebranche: Viele werden vom Markt verschwinden

Mark Philippi, Busunternehmer aus Mücke sagt voraus, dass im Jahre 2020 keine einzige Busreise mehr stattfindet: „Es werden viele Busunternehmen vom Markt gehen müssen“. Gleichwohl bestätigte er der Politik, „einen guten Job zu machen. Aber Politiker denken nicht wie Unternehmer“. Gleichwohl gab Philippi seinen Unternehmerkollegen Zuversicht mit auf den Weg: „Wir müssen die Lockerungen sehr ernst nehmen, denn Corona ist ein ernstes Problem. Einen zweiten Lockdown darf es nicht geben. Dies würde uns ruinieren“.

Von Seiten der Unternehmen kam abschließend der Wunsch, diesen gelungenen virtuellen Erfahrungsaustausch fortzusetzen. Als Termin wurde der 4. Mai gefunden – kurz nach dem Termin der Bundesregierung, bei dem es um das weitere Vorgehen in der Corona-Krise geht.

Quelle: IHK Gießen-Friedberg

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