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04.02.2020

Gemeinsam für den Klimaschutz

Knapp einen Monat ist das Klimaschutzgesetz in Kraft. Es verändert die Rahmenbedingungen für vieles, was mit der Produktion und der Nutzung von Energie zusammenhängt. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Region Mittelhessen. Um sich ein Bild davon zu machen, wohin die Reise gehen könnte, besuchte Landrätin Anita Schneider im Rahmen ihrer Energietour durch den Landkreis Gießen die Stadtwerke Gießen (SWG). Karl-Heinz Funck (Kreistagsvorsitzender), Anette Henkel (Vorsitzende des Kreistags-Ausschusses für Infrastruktur, Umwelt und Energie), Dr. Manfred Felske-Zech (Leiter der Stabsstelle Wirtschaftsförderung, Tourismus und Klimaschutz), Prof. Dr. Eckhardt Wiederuh (Klimaschutz- und Energiebeirat Landkreis Gießen, ehemals THM, Professor für Energie- und Wärmetechnik, Maschinenbau) und Gerhard Schmidt (Klimaschutz- und Energiebeirat Landkreis Gießen) begleiteten sie. Matthias Funk, Technischer Vorstand der SWG, stellte in seinem Vortrag den Energiebericht der Stadt Gießen vor. „Eine solche Sammlung und Auswertung von Energiedaten legt die Basis, um die von der Bundesregierung vorgegebenen Klimaziele zu erreichen“, erklärte Matthias Funk. Ein Energiebericht dokumentiert den Status quo in Sachen Energieverbrauch und CO2-Ausstoß für einen bestimmten Zeitraum. „Das Wissen darum ist unabdingbar, um eine Entwicklung exakt zu verfolgen und dann die richtigen Maßnahmen zur Zielerreichung anzugehen und umzusetzen“, ergänzte Matthias Funk. Anita Schneider sah das genauso: „Aus eben diesem Grund fertigt der Landkreis Gießen seit dem Jahr 2000 einen Energiebericht für seine Liegenschaften an. So können wir zum Beispiel hohe Energieverbräuche identifizieren und mit gezielten Maßnahmen verringern.“

Schon viel bewegt

Obwohl noch einiges zu tun bleibt, hat sich in Gießen schon viel in die richtige Richtung bewegt.

Eine Kernbotschaft, die Matthias Funk aus dem Energiebericht zitierte: 2018 emittierte die Stadt 7,4 Tonnen CO2 pro Einwohner und Jahr – rund drei Tonnen weniger als 1990. „Dazu, dass Gießen heute im Bundesvergleich schon relativ gut dasteht, haben wir unseren Teil beigetragen“, ergänzte Matthias Funk. 1982 begannen die SWG damit, ein Fernwärmenetz aufzubauen. Aber schon damals war es den Verantwortlichen nicht genug, einfach nur Wärme dafür bereitzustellen. „Um die Energie bestmöglich auszunutzen, setzten unsere Amtsvorgänger von Anfang an auf Blockheizkraftwerke, in denen Strom und Wärme gleichzeitig entstehen. Die heute geforderte Sektorenkopplung ist in Gießen seit Jahrzehnten Realität – zumindest, was Strom und Wärme angeht“, führte er weiter aus.

Seither bildet das Fernwärmenetz die Basis für viele Innovationen. Beispiel TREA 2, der zweite Programmpunkt des Besuchs, durch den dann Jens Hanig, Leiter Festbrennstoffe bei den SWG, führte. Das Heizkraftwerk spart jede Menge fossilen Brennstoff. Stattdessen wandelt es Abfall in nutzbare Energie um – noch effizienter als ihr Vorbild, die TREA 1. Solche Anlagen arbeiten aber nur dann wirtschaftlich, wenn genug Kunden das Jahr über Wärme abnehmen.

Noch in der Pipeline

Den Energiebericht der Stadt Gießen fertigen die SWG als Dienstleister für ihre Eigentümerin an. Darüber hinaus arbeiten die Experten aus der Lahnstraße an einer Ausweitung des Angebots für Kommunen: Schon bald soll es ein Werkzeug geben, das belastbare Prognosen der zu erwartenden CO2-Emissionen und darüber hinaus einen Abgleich mit den tatsächlich erreichten Werten ermöglicht. „Mit dieser Dienstleistung möchten wir unsere kommunalen Partner auf ihrem Weg in die Klimaneutralität begleiten und ihnen helfen, die anspruchsvollen Ziele zu erreichen“, beschrieb Matthias Funk die Idee, die ankam: „Die bevorstehenden Aufgaben in Sachen Klimaschutz können wir wahrscheinlich am besten stemmen, wenn Landkreise, Kommunen und Energieversorger wie die SWG eng zusammenarbeiten.“

Stichwort klimaneutral. Dieses Attribut trifft in Gießen bereits auf den öffentlichen Nahverkehr zu. Die gesamte Flotte der SWG-Tochter MIT.BUS fährt bereits seit fast einem Jahr mit Bio-Erdgas und folglich praktisch CO2-neutral. Schon vor Jahren fiel die Entscheidung, Dieselbusse nach und nach durch solche mit Erdgasantrieb zu ersetzen und so den Schadstoffausstoß immer weiter zu reduzieren. Ähnlich vorausschauendes Handeln kündigte der Vorstand für den Ausbau der E-Mobilität im privaten Bereich an: „Einfach nur mitzumachen, um dabei zu sein, halten wir für falsch. Wir suchen stattdessen nach Lösungen, die nachhaltig funktionieren, und haben so unsere neue Produktpalette E-Revolution im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht.“

Die SWG kümmern sich aber nicht nur um den technischen Aspekt, sondern auch schon seit vielen Jahrzehnten um eine weitere wichtige Komponente für die Energiewende: die Sensibilisierung der Menschen. „Die Energiewende muss ganz vorne beginnen – beim Energieverbrauch eben. Denn die umweltfreundlichste Energie ist doch die, die erst gar nicht verbraucht wird. Deshalb bieten wir unseren Kundinnen und Kunden schon seit vielen Jahrzehnten eine umfassende Energiesparberatung an. Ein ganzes Team von Energieberaterinnen und -beratern steht in unserem Kundenzentrum dafür zur Verfügung“, brachte es Ina Weller, SWG-Unternehmenssprecherin, auf den Punkt. Dieses Angebot reicht von kleinen Tipps für den Haushaltsalltag im Internet über die persönliche Beratung und Vorträge bis hin zu Dienstleistungen, die sich mit der energetischen Optimierung von Gebäuden beschäftigen. „Jährlich kommen einige Tausend Kundinnen und Kunden, um sich zu informieren“, fügte Ina Weller hinzu.

Die Herausforderung gemeinsam meistern

Energiedaten sammeln, auswerten und aufbereiten, belastbare Prognosen abgeben und Soll- mit Istwerten abgleichen sowie intelligente Lösungen entwickeln, die eine sichere Energieversorgung und Klimaschutz verbinden – so interpretierte Matthias Funk den Arbeitsauftrag, der sich für die SWG aus der aktuellen Situation ableitet. Zugleich forderte er klare Rahmenbedingungen: „Die Politik in Berlin muss endlich einen Rahmen vorgeben, Berechnungsverfahren festlegen und genau definieren, wann welches Ziel erreicht sein soll.“ Nur dann ist es aus seiner Sicht möglich, den Umbau der Energieversorgung und die weitgehende Dekarbonisierung erfolgreich voranzubringen. Im Landkreis und in den benachbarten Kommunen indes sieht Matthias Funk wichtige Partner. „Ein solch komplexes Projekt lässt sich nur gemeinsam stemmen“, ist sich der Ingenieur sicher. Der Grundstein dafür ist gelegt.

 

Energieeffizienz-Maßnahmen der Stadt und Energieberichte

 

Quelle: Stadtwerke Gießen AG

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