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27.09.2019

Beratung für ungewollt Schwangere nur in staatlich anerkannten Beratungsstellen

Wegen der seit einigen Tagen in Stadt und Landkreis Gießen fahrenden Busse mit großflächiger Werbung von „Pro femina“ sind viele Unsicherheiten und Diskussionen entstanden. Die Werbung verspricht ungewollt Schwangeren „Hilfe für eine gute Entscheidung“. Bei den Beauftragten für Frauen und Gleichberechtigung der Stadt Gießen sowie des Landkreises Gießen benennen nun Frauen ihre Verunsicherung darüber, dass dieses Angebot womöglich keine unabhängige, ergebnisoffene und vor allem staatlich anerkannte Beratung sei. Diese Frauen erwarteten, dass ihnen im Rahmen der Beratung der sogenannte „Beratungsschein“ ausgehändigt wird, der notwendig ist, falls sie sich für eine legale Abtreibung entscheiden.

„Der Anschein, dass eine solche Schwangerschaftskonfliktberatung durchgeführt wird, kann die Notsituationen von Frauen verschärfen – sie haben aufgrund der Fristen für einen Abbruch der Schwangerschaft wenig Zeit“, so Landrätin Anita Schneider dazu.

„Pro femina“ aber darf und will auch offenbar keine Beratungsscheine ausstellen, die die Voraussetzung für einen legalen Schwangerschaftsabbruch sind. Fraglich ist daher, ob „Pro femina“ wirklich eine ergebnisoffene, unabhängige Beratung im Sinne des Schwangerschaftskonfliktgesetzes (SchKG) durchführen kann und möchte. „Wir als Stadt und Landkreis Gießen möchten darauf hinweisen, dass nur die staatlich anerkannten Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen die geforderten gesetzlichen Standards erfüllen, Frauen in einer solch schwierigen Situation zu beraten“, betont Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz.

Der Landkreis Gießen möchte Frauen, die sich in einer solchen Lage befinden, unterstützen und auf offene und unabhängige Beratungsangebote hinweisen. Hintergründe zur Rechtslage sowie alle unabhängigen Beratungsstellen und Ärzte aus der Region, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen und ihr Einverständnis  zur Nennung gegeben haben, sind auf der Internetseite des Landkreises aufgeführt.

Landrätin Schneider verweist zudem darauf, dass der Landkreis Gießen über den Verhütungsmittelfonds bereits seit zehn Jahren Menschen mit finanziellen Schwierigkeiten unterstützt, wenn es um die Kostenübernahme für ärztlich verordnete Verhütungsmethoden geht. „Eine finanzielle Notlage darf nicht ausschlaggebend dafür sein, dass jemand mit einer ungewollten Schwangerschaft konfrontiert ist“, sagt Schneider. „Wir möchten bewusst zur Selbstbestimmung beitragen.“

ProFamilia in Gießen verwaltet diesen Fonds. Diesen können Menschen in Anspruch nehmen, die Grundsicherung nach dem SGB II, Hilfe zum Lebensunterhalt nach Kapitel 3, SGB XII; Grundsicherung nach Kapitel 4, SGB XII oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) beziehen.

Sachliche Informationen darüber, welche Hilfen schwangere Frauen in Anspruch nehmen können, sowie über die Voraussetzungen, Risiken, Methoden und Adressen für einen Schwangerschaftsabbruch bekommen Frauen bei folgenden Beratungsstellen. Nur diese stellen auch die Beratungsbescheinigung gemäß § 7 SchKG aus:

Diakonie Hessen – Diakonisches Werk Gießen
Südanlage 21
35390 Gießen
Tel 0641-932280

Donum Vitae Regionalverband Gießen e.V.
Schulstr. 4
35390 Gießen
Tel.: 0641-9727689

Pro Familia – Beratungszentrum Gießen
Liebigstr. 9
35390 Gießen
Tel.: 0641-77122

Diakonisches Werk  Gießen – Außenstelle Grünberg
Bahnhofstr. 37
35305 Grünberg
Tel.: 06401-2231140

Pro Familia – Außenstelle Hungen
Am Zwenger 8
35410 Hungen
Tel.: 06402-507951

Weitere Informationen unter www.familienplanung.de

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