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Denkmalpreis

Am Tag des offenen Denkmals, jeweils am zweiten Sonntag im September, lobt der Magistrat der Universitätsstadt Gießen seit 2018 den Denkmalpreis aus. Mit diesem Preis werden private Denkmaleigentümer der Stadt ausgezeichnet, die in vorbildlicher Weise und mit großem ideellem und finanziellem Aufwand Kulturdenkmäler erhalten und pflegen.

Preiswürdige Objekte können innerhalb einer jährlich festgesetzten Frist von ca. acht Wochen nach der Auslobung von der gesamten Öffentlichkeit vorgeschlagen werden, Denkmaleigentümer können sich aber auch selbst bewerben. Eine Jury aus Mitgliedern des Denkmalbeirats und Mitarbeitern der Unteren Denkmalschutzbehörde Gießen sowie des Landesdenkmalamts Hessen entscheidet dann bis zum 31. März des Folgejahrs über die Vergabe des Preises. Dieser besteht aus einer Bronzeplakette, die am Denkmal angebracht wird, ein Geldpreis ist mit der Auszeichnung nicht verbunden.

Denkmalpreis 2020

Mietwohnhäuser Kugelberg 57-63

Kategorie: Mehrfamilienhaus

Preisträger: Baugenossenschaft 1894 Gießen eG

In der Kategorie Mehrfamilienhaus geht der Preis an die Baugenossenschaft 1894 Gießen eG für die Sanierung der Wohnhäuser Kugelberg 57, 59/61 und 63. Sie war die erste Gießener gemeinnützige Baugenossenschaft, die auf dem 1919 von der Stadt Gießen zur Linderung der Wohnungsnot nach dem 1. Weltkrieg ausgewiesenen Areal südöstlich der Bergkaserne Wohnungen erbauen ließ. Zunächst entstanden 1922/23 auf der Nordseite der neuen Straße „Am Kugelberg“ 20 zweigeschossige Einfamilien-Reihenhäuser mit Nutzgärten. Es folgten 1926/27 zur Senkung der Baukosten zwölf zweigeschossige Mehrfamilienhäuser mit ausgebautem Dachgeschoss. Zu diesen gehören die nun vorbildlich sanierten Wohnhäuser 57, das Doppelhaus 59/63 und Nr. 63. Sie unterscheiden sich durch die Anordnung und Ausformung von Giebeln und Gauben, der Position von Balkonen und durch die dezente neoklassizistische Bauzier.

Die preiswürdige Gesamtsanierung umfasste die Fassaden, die denkmalgerechte Wärmedämmung und zugleich nachhaltige Neueindeckung der Dächer mit Schiefer, die Sanierung der Wohnungen unter Erhalt der bauzeitlichen Grundrisse und zudem zur Verbesserung der Wohnqualität den Anbau von Balkonen im Erdgeschoss nach Vorlage der Balkone im Obergeschoss. Die Jury überzeugte besonders die Fassadensanierung. Untypische, gestaltlose Kunststofffenster aus den 1970er Jahren wurden durch Holzfenster nach historischem Vorbild ersetzt und wieder Holzfensterläden montiert. Unter größtmöglicher Wahrung des historischen Erscheinungsbilds entstanden durch zusätzlichen Einbau von Dachflächenfenstern und Ergänzung von wohlproportionierten Gauben gut belichtete Wohnräume im Dachgeschoss. Zur weiteren Anpassung an moderne Lebensverhältnisse wurden aus den klein parzellierten und vernachlässigten Grünanlagen großzügige Garten- und Stellplatzanlagen im Nordwesten gestaltet, die sich gut in das Ensemble integrieren.

Hervorgehoben wurde auch, dass die Baugenossenschaft unter Leitung ihres Architekten, Herrn Sebastian Bagsik, die denkmalgerechte Sanierung sozialverträglich umsetzte, so dass keine Mieter wegen der Bauarbeiten oder der neuen Mietstruktur ausgezogen sind.

Die Denkmaltopographie Gießen würdigt die Gesamtanlage Kugelberg-Friedensstraße als eine Wohnsiedlung der 1920er Jahre von seltener Geschlossenheit. Die denkmalgerechte Sanierung durch die Baugenossenschaft 1894 Gießen eG hat einen wertvollen Beitrag zum Erhalt eines wichtigen stadt- und sozialgeschichtlichen Bauzeugnis der 1920er Jahre geleistet, von dem eine vorbildliche Außen- und Signalwirkung – insbesondere für weitere Sanierungen in der Siedlung - ausgeht.

Bismarckturm

Preisträger: Förderverein Bismarckturm e. V.

Der Bismarckturm wurde 1904 durch Spenden aus der Studentenschaft und des Lehrkörpers der Universität errichtet. Seit dieser Zeit diente der Turm nicht nur Universitätsangehörigen, sondern allen Bevölkerungsschichten als ein beliebtes Ausflugsziel mit einzigartigem Panoramablick auf Gießen und die Umgebung. Der monumentale, aus mächtigen Lungensteinquadern gemauerte Turm hat einen quadratischen Grundriss mit einem würfelförmigen Aufsatz mit einer Reliefinschrift „BISMARCK“ und darüber ein betont flachgehaltenes Relief des Reichsadlers. Er ist ein Kulturdenkmal aus künstlerischen, kulturgeschichtlichen und universitätsgeschichtlichen Gründen.

In den 1970 Jahren wurde der sanierungsbedürftige Turm aus Sicherheitsgründen und wegen ständiger Vandalismusschäden geschlossen. Erst durch die Gründung des Fördervereins Bismarckturm Gießen e.V. und dessen Initiative erfolgte eine Sanierung des einsturzgefährdeten Turms. Der mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen entwickelte Finanzierungsplan sah vor, dass die Baukosten in Höhe von 135.000 Euro (ohne Außenanlagen) zu einem Drittel vom Förderverein und zu einem Drittel durch die Stadt Gießen getragen werden. Die restlichen Mittel in Höhe von 45.000 € wurden durch Landesfördermittel der Denkmalpflege gesichert.

Um den Turm und insbesondere die Krone vor Witterungseinflüssen und Feuchtigkeit zu schützen, wurde das komplette Fugennetz der Turmfassade denkmalgerecht erneuert und Steinschäden der Lungsteinquader fachgerecht behoben. Zudem wurde die Eingangstreppe erneuert, das Podest mit Basaltsteinen gepflastert und die Natursteininnentreppe restauriert. Ziel der Sanierung war die Wiedereröffnung und Begehung des Turms. Dazu wurden die nicht mehr tragfähige Aussichtsplattform erneuert, der Turmaufsatz mit restaurierter Ausgangstür wieder aufgebaut sowie die Feuerschale auf der Krone metallrestauratorisch bearbeitet und abgedichtet und eine originalgetreue Rekonstruktion der zerstörten oberen Metallspindeltreppe mit Handlauf eingebaut. Die wieder freigelegte Türöffnung zum Turm erhielt eine aus massiven Stahlplatten genau nach historischem Vorbild rekonstruiert Eingangstüre. Eine mit Baumbepflanzungen neu angelegte 100m lange Allee bildet heute den Zuweg zum Turm.

Die Sanierung des Bismarckturms konnte nur aufgrund des außergewöhnlichen und mühevollen Engagements des Fördervereins sowie dessen nicht unbeachtlicher finanzieller Beteiligung erfolgen. Trotz vieler Widrigkeiten haben die Mitglieder des Fördervereins über fast ein Jahrzehnt den Erhalt und die Sanierung des Bismarckturms vorangetrieben. Baustellenüberwachung, Bauleitung, Vertragsverhandlungen mit Firmen, Mittelbeantragung, Spendengelder sammeln, Behördengänge, Rechtsstreit und vieles mehr erfolgte in Eigenleistung.

Der Denkmalpreis 2020 im Film

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Denkmalpreis 2020 - Zwei Vorbilder für den Erhalt alter Baukultur

Eine Jury aus Mitgliedern des Denkmalbeirats, Mitarbeitern der Unteren Denkmalschutzbehörde Gießen und des Landesamts für Denkmalpflege Hessen haben zwei Preisträger für den Denkmalpreis der Stadt Gießen 2020 ausgewählt: Die Mietwohnhäuser Kugelberg 57 - 63 und den Bismarckturm
[Die Treffen der Jury und die Bereisung der Objekte fanden vor der Einführung der bei der Veröffentlichung des Films geltenden Pandemieschutzmaßnahmen statt.]

Denkmalpreis 2018

Industriedenkmal Alter Schlachthof, Schlachthofstraße 10

Kategorie: Industriedenkmal

Preisträger: Herr Dr. Wolfgang Lust

Der 1908 bis 1913 erbaute, ehemals städtische Schlachthof prägt durch eine charakteristische Silhouette mit markantem Turm und detailreicher, farblich abwechslungsreicher architektonischer Gestaltung das westliche Lahnufer der Stadt Gießen. Im Laufe seiner hundertjährigen Betriebszeit verunklärten den Jugendstilbau mehrere, in der Höhe variierende Anbauten.

Der neue Eigentümer, Herr Dr. Wolfgang Lust, hat unter größtmöglichem Erhalt der Originalsubstanz mit einer aufwendigen Gesamtsanierung eine neue Nutzung aus Wohnen, Gewerbe und Gastronomie für das aus künstlerischen, städtebaulichen und stadtgeschichtlichen Gründen unter Denkmalschutz stehende Industriedenkmal verwirklicht.

Die originäre Baukörperkubatur wurde unter Verzicht auf vorhandene Nutzflächen durch den Rückbau späterer An- und Einbauten freigelegt, historischen Fassaden aus den späteren Verfliesungen herausgeschält und mit nachgebrannten Klinkern restauriert. Die bauzeitlichen, sehr verschiedenartigen Holz- und Metallfenster wurden größtmöglichst erhalten oder nach historischem Vorbild rekonstruiert. Die Öffnung der ehemaligen Kalthalle als Außenbereich für Gebäudeerschließung, für Veranstaltungen und als Aufenthaltsort verschafft dem Ensemble eine eindeutige städtebauliche Orientierung und Mitte und lässt die ursprünglich gewerbliche Nutzung nachempfinden.

Licht in die ehemals dunklen und räumlich tiefen Kühlhäuser bringen Dachterrassen hinter den Bestandsklinkerwänden sowie über die Klinkerwände hinausragende, sich harmonisch einfügende moderne Glasaufbauten. Eine in Teile des Kellers eingebaute und nur über einen Autolift erreichbare Tiefgarage wurde sehr unscheinbar in das Denkmal integriert.

Die historische Stahl-Tragkonstruktion der Schlachthallen ist z.B. in Coworking-Spaces weiterhin ablesbar und auch die neue Gaststätte im ehemaligen Maschinenhaus behält mit Teilen der Originalausstattung und den historischen Metallfenstern ihren ursprünglichen Raumcharakter. Mit der aufwendigen Instandsetzung des prägnanten, heute allerdings funktionslosen Schornsteins besteht ein wichtiges Erinnerungszeichen der Industriekultur fort.

Hervorzuheben ist, dass für den Eigentümer, Herrn Dr. Wolfgang Lust, zugunsten des Erhalts des Kulturdenkmals bei der Sanierung nicht allein die wirtschaftlichen Aspekte dominierten. Die Sanierung leistet einen sehr wertvollen Beitrag zum Erhalt eines bedeutenden Bauwerks und wichtigen Zeugnisses der hessischen Wirtschaftsgeschichte und erzielt zudem eine vorbildliche Außen- und Signalwirkung. Sie ist in hohem Maße der Verleihung des Denkmalpreis 2018 der Universitätsstadt Gießen würdig.

Wohnhaus Ludwigstraße 40 und 40A

Kategorie: Stadtwohnhaus

Preisträger: Fuhrmann Planen & Bauen GmbH & Co. KG

Die Stadtwohnhäuser in der Ludwigstraße entstanden ab 1880 für Unternehmer, Fabrikanten, Handwerker und Architekten und prägen mit ihren repräsentativen, vor allem der italienischen Renaissance nahestehenden Gestaltungselementen auch heute noch die Hauptachse des Universitätsviertels. Die in einer Vielzahl trotz Kriegsschäden erhaltenen Gebäude wurden oftmals baulich verändert und Nutzgebäude wie Werkstätten und Lager in den charakteristischen Hinterhöfen errichtet.

Das zweigeschossige Wohnhaus Ludwigstraße 40 (Vorderhaus) wurde vom Gießener Architekten Karl Schön 1889 für den Fabrikanten Wiesel auf annähernd quadratischem Grundriss nach spätklassizistischen Gestaltungsprinzipien erbaut und 1908 mit einem schlichteren, dreigeschossige Hintergebäude (40A), das durch einen Hof vom Vorderhaus getrennt ist, ergänzt. Ein zeitgleich in das Vorderhaus straßenseitig eingebautes Ladengeschäft besteht mit mehrfachen Umbauten bis 2007, anschließend wird die Straßenfassade wieder geschlossen.

Der neue Besitzer, die Firma Fuhrmann Planen&Bauen GmbH & Co. KG aus Winnenden hat 2016-18 das aus künstlerischen und städtebaulichen Gründen unter Denkmalschutz stehende Gebäudeensemble saniert und Eigentumswohnungen eingerichtet. Nach vom Bauherrn beauftragten restauratorischen Untersuchungen der Putze und Farbfassungen der Fassaden und Innenräume wurden die Farbanstriche denkmalgerecht wiederhergestellt und die aufwendige dekorative Ausstattung des Vorderhauses mit Deckenmalereien und Stuckornamentik fachgerecht saniert. Die größtenteils vorhandenen bauzeitlichen Fenster mit originalen Beschlägen wurden erhalten und aus energetischen Gründen zu Kastenfenstern umgebaut oder nach historischem Vorbild erneuert, die Straßenfassade im Bereich des ehemaligen Ladens nach historischem Vorbild rekonstruiert. Dem denkmalfachlichen Anspruch auf größtmöglichen Erhalt von Originalsubstanz entsprach auch die Restaurierung von bauzeitlichen Türen, Beschlägen, Fenstergriffen sowie der Terrazzo- und Holzböden. Das Dachgeschoss des Hinterhauses wurde mit vier Dachgauben ausgebaut, die Dachneueindeckung erfolgte nach Befund mit Doppelmuldenfalzziegeln.

Die mit dem Denkmalschutz eng abgestimmte Sanierung durch die Firma Fuhrmann Bauen & Planen GmbH & Co. KG stellt einen wichtigen Beitrag zum Erhalt bürgerlicher Architektur in Gießen um die Jahrhundertwende 1900 dar. Die Ludwigstraße hat in diesem Abschnitt durch die denkmalgerechte, vorbildliche Sanierung eine enorme Aufwertung erfahren.

Hofreite Kirchstraße 6

Kategorie: Hofreite

Preisträger: Frau Ute Thelen und Hanns-Georg Thelen

In der Kirchstraße im Ortskern von Gießen-Wieseck sind noch viele Fachwerkhäuser aus dem 18. Jahrhundert erhalten, die aber oftmals nach dem Zweiten Weltkrieg stark verändert wurden. Das Sichtfachwerk wurde überputzt oder hinter Kunstfaserplatten, versteckt, Balken für größere Fenster oder neue Geschosshöhen und die alten Klappläden entfernt. Sanierungen seit den 1970er Jahren legten vielfach das Fachwerk frei, oftmals allerdings unter Verwendung von nicht-denkmalgerechten Materialien, so dass Folgeschäden entstanden

Die Preisträger Hanns-Georg Thelen und Frau Ute Thelen haben nun das schmale Fachwerkwohnhaus Kirchstraße 6 aus dem 18. Jahrhundert mit großem ideellem und finanziellem Engagement saniert. In enger Abstimmung mit der Denkmalpflege haben sie vorbildhaft das äußere und innere Erscheinungsbild der ehemaligen Hofreite wiederhergestellt, das Fachwerk freigelegt und instand gesetzt, das Dach saniert, Fenster und Klappläden nach historischem Vorbild erneuert und die unpassende Haustüre aus den 1960er Jahren samt Aluminiumvordach rückgebaut sowie die Innenwände mit Lehmputz versehen. Die historischen Pflastersteine der Hofdurchfahrt wurden aufwendig unter dem Asphalt freigelegt und der Innenhof mit Kopfsteinpflaster schön gestaltet. Die detailgetreue Restaurierung unter größtmöglichem Erhalt von Originalsubstanz, die handwerkliche Qualität der Arbeiten und die Verwendung von traditionellen Baustoffen werden denkmalfachlichen Ansprüchen überaus gerecht und die Jury erhofft sich durch diese Auszeichnung auch eine Vorbildwirkung dieser Sanierungsmaßnahme.

Der Denkmalpreis 2018 im Film

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