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Hedwig-Burgheim-Medaille

Die jüdische Pädagogin Hedwig Burgheim leitete von 1920 bis 1933 das Fröbel-Seminar (Ausbildungsstätte für Kindergärtnerinnen)  in Gießen. Im Jahr 1943 erlitt sie im Konzentrationslager Auschwitz einen gewaltsamen Tod.

In Anerkennung und Würdigung hervorragender Verdienste um Verständigung und Verständnis zwischen den Menschen und im verpflichtenden Gedenken an die bis heute fortwirkende segensreiche Tätigkeit Hedwig Burgheims wird seit 1981 durch den Magistrat der Universitätsstadt Gießen die Hedwig-Burgheim-Medaille verliehen.

Die nächste Verleihung

Verleihungen finden alle zwei Jahre im August statt.

Aktuelle Pressemeldungen


Bisherige Preisträger

2022: Christel Buseck

Christel Buseck war als Mitglied und seit 1994 als Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Gießen-Wetzlar an der Gestaltung und Umsetzung der vom Magistrat von 1982 bis 2014 alle zwei Jahre durchgeführten Begegnungswoche der ehemaligen Gießener jüdischen Bürger*innen maßgeblich beteiligt. Sie organisierte und begleitete die Programmteile der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und war darüber hinaus für die jüdischen Gäste aus aller Welt ständige Ansprechpartnerin während der Begegnungswoche. Auch zwischen den Begegnungswochen pflegte sie durch Schriftverkehr, persönliche Besuche in Israel oder die Beherbergung von jüdischen Gästen in ihrem Privathaus diese Kontakte.

Als Lehrerin der Ricarda-Huch-Schule Gießen arbeitete sie von 2005 bis zu ihrer Pensionierung 2015 an Schulprojekten zur Erinnerungsarbeit mit. Beispielhaft werden folgende Projekte genannt: 9. November 1938 - Vom nationalsozialistischen Regime organisierte und gelenkte Gewaltmaßnahmen gegen Juden -, Ausstellung zum Gedenken an deportierte jüdische Schüler*innen der Schule, Lesungen, Stolperstein-Verlegungen am Eingangsportal der Schule, Zeitzeugen-Bericht des Holocaust-Überlebenden Thomas Breuer vor Schüler*innen, Teilnahme am Wettbewerb Trialog der Kulturen und Religionen der Herbert Quandt-Stiftung - Verbindendes und Trennendes in den Religionen Judentum, Christentum und Islam, Schrank der Religionen in der Schulbibliothek.

Zudem engagiert sich Frau Buseck seit 2011 - auch im Ruhestand seit 2015 - in der Vorbereitung und Durchführung der mittlerweile sieben projektorientierten Schüler*innen-Austausche zwischen der Ricarda-Huch-Schule Gießen und der Partnerschule Eldad High School in der Gießener Partnerstadt Netanya in Israel. Sie war an den Vorbereitungstreffen zur Begründung der Schulpartnerschaft, insbesondere dem Besuch einer Lehrer*innen-Delegation in Netanya, maßgeblich beteiligt.  Buseck hat durch ihre tatkräftige Unterstützung der sieben Schüler*innen-Austausche wesentlich mit dazu beigetragen, dass die teilnehmenden Schüler*innen die jeweils andere Kultur vorbehaltlos kennenlernen und sich mit der geschichtlichen Vergangenheit auseinandersetzen konnten. Noch heute haben viele der daraus entstandenen Freundschaften Bestand.

Christel Buseck hat in der Universitätsstadt Gießen wiederholt Anstöße für eine gelebte Erinnerungskultur gegeben, zum Beispiel die Einrichtung und Erneuerung von Gedenktafeln (unter anderem für Siegmund Heichelheim in der Südanlage und zur Erinnerung an die Orthodoxe Synagoge), oder die Durchführung von Gedenkveranstaltungen (unter anderem zum 75. Jahrestag der Deportation von Gießener Juden).

In vielen Gesprächen mit dem 2018 verstorbenen ehemaligen Vorsitzenden des Vereins ehemaliger Gießener und der Umgebung, Josef Stern, und dessen Hinterbliebenen hat sich Christel Buseck dafür eingesetzt, dass der von Josef Stern mit ehemaligen Gießener Juden geführte Schriftverkehr (Archiv der Überlebenden) als wertvoller Bestand für das Stadtarchiv Gießen gesichert werden konnte.

Christel Buseck engagiert sich seit 2006 auch als Gründungsmitglied der Koordinierungsgruppe Stolpersteine in Gießen und ist zurzeit deren Sprecherin. Sie recherchiert und organisiert viele Stolperstein-Verlegungen, wobei der Rechercheaufwand zu den Einzelschicksalen vor der Deportation, insbesondere zu bisher unbekannten Opfern, einen hohen Zeitaufwand erfordert.

Mit der Gedenkform Stolperstein-Verlegung wird an die Opfer der NS-Diktatur erinnert, die deportiert und ermordet wurden, und die keinen Grabstein haben. Für überlebende Angehörige der Opfer können ebenfalls Stolpersteine an der letzten frei gewählten Adresse verlegt werden. Für Christel Buseck ist es auch wichtig, dass sich junge Menschen bei der Spurensuche aktiv mit einbringen: Im Stadtarchiv eine Meldekarte in die Hand nehmen, in Akten blättern, nach Fotografien suchen.

2020: Dr. Sascha Feuchert

Professor Dr. Sascha Feuchert ist Professor für Neuere deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur und ihre Didaktik am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen und Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Professor Feuchert ist als Leiter der international und national renommierten Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der Justus-Liebig-Universität Gießen für die Konzeption und die Durchführung von Forschungsvorhaben verantwortlich. Zudem koordiniert er die Zusammenarbeit mit Schulen und außerschulischen Bildungsträgern.

Als Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur setzt sich Professor Feuchert vornehmlich mit Texten der Holocaust- und Lagerliteratur wissenschaftlich und didaktisch auseinander. Dabei bilden Texte von Überlebenden des Holocaust einen Schwerpunkt. Zentrales Anliegen der Arbeitsstelle ist es, dafür zu sorgen, dass diese Texte der Nachwelt erhalten bleiben und in Wissenschaft, Schule und Öffentlichkeit rezipiert und diskutiert werden. Zugleich werden Wege gesucht, wie die Erinnerung an den Holocaust durch einen aktiven Umgang mit der Literatur auch dann noch gesichert werden kann, wenn die Generation der Zeitzeugen nicht mehr da sein wird.

Zu den Projekten und Tätigkeitsbereichen der Arbeitsstelle gehören neben literaturwissenschaftlichen Editions- und Forschungsprojekten - die sich auch anderen Texten zum Nationalsozialismus widmen - das zielgruppenorientierte Angebot von Lehrveranstaltungen, Workshops und Exkursionen zu Gedenkstätten.

Ein wichtiges Ziel der Arbeitsstelle ist die Ausbildung künftiger Multiplikatoren*innen durch den intensiven Dialog mit Schulen sowie die gezielte Beteiligung von Lehramtsstudierenden an Seminaren und Forschungsprojekten. Mit dieser Ausbildung künftiger Lehrer*innen trägt Professor Feuchert in hohem Maße dazu bei, dass das Thema Holocaust auch künftig, wenn es keine Zeitzeugen mehr geben wird, durch die Vermittlung von Texten im Unterricht präsent bleibt.

Professor Feuchert begleitet seit den 90er Jahren Studienfahrten von Schüler*innen und Studierenden nach Auschwitz und gestaltet Gedenkstätten-Seminare mit. Ziel ist es, den jungen Menschen zu verdeutlichen, welche unheilvollen Folgen ein Menschenbild haben kann, das auf der Ungleichwertigkeit von Menschen fußt.

Seit 1996 arbeitet Professor Feuchert intensiv mit der Universität Lodz zusammen und koordiniert die erfolgreiche Zusammenarbeit der Arbeitsstelle Holocaustliteratur mit der Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung zu Lich bei der pädagogischen Arbeit mit Schulen und Gedenkstätten.

2007 ist Professor Feuchert Mitherausgeber der fünfbändigen "Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt", die zwei Jahre später auch in Polen erschien, sowie 2011 Mitherausgeber der zweibändigen "Tagebücher (des Laubacher Justizangestellten) Friedrich Kellners".

In der von der Arbeitsstelle Holocaustliteratur mit herausgegebenen achtbändigen Reihe "Studien und Dokumente zur Holocaust- und Lagerliteratur" erzählen Holocaustüberlebende zum ersten Mal auf Deutsch von ihrem Schicksal. Dem persönlichen Engagement von Professor Feuchert ist es zu verdanken, dass zahlreiche Überlebende des Holocaust zu Seminaren an der Justus-Liebig-Universität Gießen, zu Besuchen in Schulen und zu öffentlichen Veranstaltungen nach Gießen gekommen sind, um mit Zeitzeugenberichten und im Gespräch die Erinnerung an die nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen wach zu halten.

Als Vorsitzender des Literarischen Zentrums Gießen leistet Professor Feuchert einen zentralen Beitrag dazu, dass in Gießen auch verfolgte Autoren wie Can Dündar von ihren Erlebnissen berichten konnten. Als Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des PEN-Zentrums Deutschland von 2012 bis 2018 setzte er sich besonders für inhaftierte und politisch verfolgte Autor*innen ein.

2018: Hanno Müller

Hanno Müller, ehemaliger Lehrer, sammelt seit über 35 Jahren Informationen über die jüdische Bevölkerung Gießens und der umliegenden Städte und Gemeinden auf hohem wissenschaftlichem Niveau und dokumentiert und veröffentlicht sie in umfangreichen Publikationen, Familienbüchern und Nachschlagewerken für Eintragungen in Kirchenbüchern.

Besonders hervorzuheben ist die 2012 herausgegebene großformatige, 850 Seiten umfassende Publikation "Juden in Gießen - 1788 - 1942, die nicht nur Geburten, Eheschließungen und Todesfälle enthält, sondern darüber hinaus familiengeschichtliche Informationen, rekonstruierte Familienzusammenhänge und zahlreiche unveröffentlichte Fotos. Diese umfangreichen Mikrobiographien lassen die Vergangenheit lebendig werden und öffnen eine Tür zu den verlorenen jüdischen Lebenswelten in Gießen und den umliegenden Orten. Sie zeigen Schicksale und Lebenswege sowie Aufstiege und Niedergänge einzelner Personen und Familien bis hin zur Vernichtung im Holocaust auf. Zugleich eröffnen sich durch die umfangreiche Grundlagensammlung von Hanno Müller für die historische Forschung, aber auch für interessierte Heimat- und Familienforscher neue Möglichkeiten der Fragestellung und Auswertung zur Familiengeschichte der Juden.

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz: "Mit seinen veröffentlichten Publikationen mahnt uns Hanno Müller, dass das Wissen um Geschehnisse in der Vergangenheit nicht verdrängt werden darf. Die Erinnerung an die Geschichte der Juden in unserer Region und an ihre Ermordung im Holocaust ist zugleich eine Sensibilisierung für Toleranz gegenüber den Mitmenschen, einerlei welcher Herkunft, welcher Religion und welcher Hautfarbe sowie für die Achtung der Menschenrechte".

Für seine Dokumentation der jüdischen Geschichte in Gießen und den umliegenden Gemeinden und Städte wurde Hanno Müller 2009 mit dem Hessischen Verdienstorden am Bande ausgezeichnet. Sein herausragendes Wirken zur Bewahrung der jüdischen Geschichte und Kultur wurde 2013 von der Obermayer Foundation mit der Verleihung des Obermayer German Jewish History Awards gewürdigt. Die Preisträger werden weltweit vorgeschlagen.

2016: Thomas Breuer

Thomas Breuer hat junge Sportler der Moshe Sharet-High-School in Netanya und Sportler Gießener Vereine zusammengebracht, in deren Folge es zu regelmäßigen sportlichen Begegnungen kam. Daraus entwickelten sich durch die unterstützende Begleitung von Thomas Breuer Kontakte zur Eldad-High-School in Netanya, die in eine Schulpartnerschaft mit der Ricarda-Huch-Schule in Gießen mündete. Seit 2007 berichtet Thomas Breuer vor Schulklassen in Gießen und im Landkreis Gießen sowie vor Gießener Vereinen als Zeitzeuge über seine Lebensgeschichte.

Thomas Breuer initiierte zudem Gespräche zwischen der Interessengemeinschaft der Gießener Gesang- und Musikvereine und der Musikschule in Netanya, die durch seine weitere Mitwirkung die Grundlage für regelmäßige Austausche zwischen den Musikschulen in Gießen und Netanya bildete.

Im Rahmen der Städtepartnerschaft Gießen-Netanya entwickelt Herr Breuer immer wieder neue Ideen zur Belebung der Städtepartnerschaft und ist an deren Umsetzung beteiligt

2014: Oberbürgermeister a.D. Manfred Mutz (posthum)

Weitere Informationen folgen

2012: Anna Mettbach

Weitere Informationen folgen. 

Preisträger 2010 und früher

2010

Herr Dieter Steil

2008

Herr Josef Stern 

2006

Herr Dr. Micha Brumlik

2004

Herr Dr. Erwin Knauß

2002

Herr Dr. med Dr. h.c. Dietrich Ringleb

1999

Herr Ignatz Bubis

1997

Herr Günther Bernd Ginzel

1995

Frau Dr. h.c. Thea Altaras

1994

Herr Helmut Grün

1993

Herr Dr. Helmut Berding

1992

Herr Dr. h.c. Henry G. Brandt

1991

Frau Dr. Monika Richarz

1990

Herr Dr. Dieter Trautwein

1989

Herr Ministerpräsident a.D. Albert Osswald

1988

Herr Dr. Eckhardt von Nordheim

1987

Herr Dr. Erich Dauzenroth

1986

Frau Auguste Wagner

1985

Frau Dr. Barbara Just-Dahlmann

1984

Herr Dr. Martin Stöhr

1983

Frau Charlotte Petersen

1982

Herr Oberbürgermeister a.D. Dr. Avraham Bar Menachem

1981

Herr Dr. Adam Scheurer 

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