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Erste Fahrradstraßen in Gießen

Kfz-Verkehr ist nur "Gast"

In Gießen gibt es bisher noch keine Fahrradstraßen. Um über diese Form der Verkehrsregelung aufzuklären und die Planungen vorzustellen, hatte die Stadt zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung eingeladen.

[Ergänzung vom 14.11.2019 - Präsentation der Infoveranstaltung:]

 

"Wir möchten den Radverkehr fördern und damit die Lebensqualität in unserer Stadt steigern. Um dieses Ziel zu erreichen, soll in den nächsten Jahren ein Netz aus Fahrradstraßen und Radrouten entstehen. Hierdurch sollen sichere und attraktive Verbindungen für Radfahrer abseits der Hauptverkehrsstraßen geschaffen werden." so Verkehrsdezernent Bürgermeister Peter Neidel. Das soll vor allem Menschen mit einem höheren Sicherheitsbedürfnis Lust aufs Radfahren machen.

Im ersten Schritt werden die Goethestraße zwischen Südanlage und Gnauthstraße sowie die Löberstraße und Lonystraße zwischen Bleichstraße und Bismarckstraße zu Fahrradstraßen. Die Planung der Fahrradstraßen orientiert sich an den hessischen Qualitätsstandards und Musterlösungen sowie an wissenschaftlichen Erkenntnissen zu bestehenden Fahrradstraßen.

Es werden eigene Verkehrszeichen aufgestellt und auffällige Piktogramme auf der Fahrbahn markiert. Diese drei Fahrradstraßen bleiben für den Kraftfahrzeugverkehr geöffnet. Das muss extra beschildert werden. Allerdings ist Kraftfahrzeugverkehr hier nur zu Gast. Die Höchstgeschwindigkeit ist für alle Tempo 30. Allerdings dürfen Radfahrer nebeneinander fahren. Sie geben das Tempo vor, auch wenn dadurch Autos ausgebremst werden. Solange ein ausreichender Seitenabstand zu den Radfahrern nicht gegeben ist – Gerichte sprechen von mindestens 1,5 Metern - müssen Autos dahinter bleiben. Auch im Begegnungsfall mit Autos sollen Radfahrer weiter nebeneinander fahren können und das in einem deutlichen Abstand zu parkenden Fahrzeugen. Dafür ist mehr Platz auf der Fahrbahn erforderlich. Gleichzeitig sollen die schwächsten Verkehrsteilnehmer, die Fußgänger, ausreichend Raum erhalten.

Menschen mit Kinderwagen oder Rollstuhl sollen nicht länger auf die Fahrbahn ausweichen müssen, Kinder auf dem Fahrrad unterwegs sein können ohne Beschädigung von parkenden Fahrzeugen, aber auch Begegnung möglich sein. Das hat Auswirkung auf das Parken. Es wird nur noch einseitiges Parken auf der Fahrbahn geben und zwar versetzt, um den Kfz-Verkehr zu entschleunigen. Damit Feuerwehr und Müllfahrzeuge durchkommen, darf ausschließlich in den markierten Bereichen gehalten und geparkt werden. Das wird intensiver kontrolliert werden. Zum Ausgleich für wegfallende Parkplätze in einem Bereich mit hohem Parkdruck wird im Laufe des kommenden Jahres im Quartier die nächste Bewohnerparkzone eingerichtet. In Fahrradstraßen sollen Radler gleichmäßig und schnell unterwegs sein können. Deshalb erhalten alle Fahrzeuge auf der Goethestraße durch Beschilderung Vorfahrt. Ausgenommen davon sind die Kreuzungen mit anderen Fahrradstraßen, also Löber- und Lonystraße. Dort gilt rechts vor links. Auch die Ludwigstraße hat als Hauptverkehrsstraße weiter Vorfahrt. Allerdings soll der Radverkehr auch signalisiert werden und Grün schon in der Anfahrt automatisch anfordern können. Im Idealfall entfallen dann Wartezeiten.

Trotz Öffnung für den motorisierten Verkehr soll der Durchgangsverkehr reduziert werden. Deshalb wird die Goethestraße zwischen Löberstraße und Ludwigstraße zur Sackgasse und im Abschnitt Stephanstraße bis Gnauthstraße zur Einbahnstraße – natürlich für den Radverkehr geöffnet. Die Ausfahrt ist in Zukunft nur noch auf die Gnauthstraße möglich. Allerdings soll auch das Linkseinbiegen Richtung Schiffenberger Weg ermöglicht werden. Die Kreuzung wird entsprechend umgebaut.

„Fahrradstraßen bringen mehr Lebensqualität im Quartier. Es wird dort leiser und durch weniger Lärm und Abgase gesünder. Sie bringen mehr Sicherheit für Radler, da hier weniger Kfz-Verkehr mit geringer Geschwindigkeiten unterwegs ist, der auch noch im Besonderen Rücksichtnahme auf den Radverkehr nehmen muss. Das entschleunigt. Nebeneinanderfahren ist auch viel kommunikativer. Fahrradstraßen haben eine hohe Symbolwirkung. Sie sind ein Zeichen dafür, dass umweltfreundlicher Radverkehr anerkannt und wertgeschätzt wird. Eingebunden in ein Netz führen sie schneller ans Ziel. Das soll mehr Menschen zum Radfahren motivieren.“ fasst die Radverkehrsbeauftragte Katja Bürckstümmer die Vorteile dieser Radverkehrsführung zusammen.

Die Beschilderung, Markierung und der Umbau hängt von der Verfügbarkeit einer geeigneten Firma ab. Ziel ist im kommenden Frühjahr (2020) eröffnen zu können. Als Folgemaßnahme sollen die Bewohner Parkausweise nutzen können und die übrigen Parkplätze bewirtschaftet werden. Auf jeden Fall wird es im Vorfeld nicht nur Ankündigungen in den Medien geben, sondern im Quartier auch über Wurfsendungen und Flyer am Auto informiert.

 

Infos rund um`s Fahrrad in Gießen

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