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05.11.2020

Film lässt Zuschauer in die Zeit des Wiederaufbaus eintauchen

Verschollene Aufnahmen aufgetaucht - Filmpräsentation im Netanya-Saal des Alten Schlosses eröffnet

Die Vergangenheit wirkt oft unnahbar und kommt in Büchern, alten Akten oder Schwarz-Weiß- Fotografien mit einer gewissen Distanz daher. Diese Distanz kann schwinden, wenn uns bewegte Bilder in die Geschichte eintauchen lassen. Umso mehr, wenn es sich um die Geschichte der eigenen Stadt handelt.

Eine solche Gelegenheit nutzte am 27. Oktober das interessierte Publikum einer vom Oberhessischen Museum mit seinem Kleinen Filmbüro in Kooperation mit dem Stadtarchiv organisierten Abendveranstaltung im Netanya-Saal des Alten Schlosses. Im Mittelpunkt stand die Präsentation von lange für verschollen gehaltenen Filmaufnahmen, die dem Stadtarchiv kürzlich aus privater Hand überantwortet wurden. Das für sein Alter gut erhaltene, trotz Schnitt aber recht roh wirkende Material der Originalfilmrollen (Format: Normal-8) flackerte in Form eines Digitalisats über die Leinwand. Die Herstellung war von Gießens Hochbauamt 1950 bei der ortsansässigen Drogerie- und Fotofirma Winterhoff in Auftrag gegeben worden. Weil das Ergebnis damals aber offenbar nicht den Erwartungen entsprach, verschwanden die kostenbaren Streifen in der Versenkung.

Die Beschriftung der Filmdosen „Wiederaufbau des Stadtzentrums von Gießen“ trifft den Kern: Zu sehen sind Hundertschaften fleißiger Arbeiter, die mit teilweise einfachsten Mitteln und unendlicher Anstrengung Trümmer beiseiteschaffen, Ruinen stürzen und Straßen neu pflastern. Am Ende tragen die Bürger*innen die Früchte der Arbeit: Sie betreten die neu errichteten Kaufhäuser und flanieren über die Gassen. Es handelt sich um einen Einblick in das manchmal gar nicht so fremde Gießen des Jahres 1950, das trotz massiver Kriegszerstörung auch Zuversicht ausstrahlt. „Das sollte jeder Gießener einmal gesehen haben“, stellte eine Zuschauerin dem Filmabend eine gute Bilanz aus.

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Geleitet wurde die anderthalbstündige Veranstaltung von Dr. Katharina Weick-​Joch (Oberhessisches Museum), Mario Alves (Kleines Filmbüro) und Christian Pöpken (Stadtarchiv). Zusammen mit den Zuschauer*innen kommentierten sie den laufenden Stummfilm, wobei die versammelte Expertise manche neue Erkenntnisse über die Geschichte der Stadt zutage förderte und ein frisches Interesse an der zukünftigen Erschließung und Präsentation weiterer Bewegtbilder durch Museum und Archiv erahnen ließ.

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