Rathaus

Seiteninhalt
07.11.2019

Dr. Lea Elsässer mit Wilhelm-Liebknecht-Preis ausgezeichnet

In einer öffentlichen Feierstunde am 03. November 2019 hat der Magistrat der Universitätsstadt Gießen den Wilhelm-Liebknecht-Preis an Dr. Lea Elsässer verliehen.

Mit dem Preis würdigt der Magistrat die hervorragende Dissertation von Dr. Elsässer zum Thema „Wessen Stimme zählt? Soziale und politische Ungleichheit in Deutschland“.

Mit der Entscheidung folgt der Magistrat dem Auswahlgremium, das aus Vertreterinnen und Vertretern der Justus-Liebig-Universität, des Oberhessischen Geschichtsvereins, der Oberbürgermeisterin und von den in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Parteien benannten Personen besteht.

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz stellte in ihrer Rede fest, dass auch 150 Jahre nach Wilhelm Liebknechts leidenschaftlichem Einsatz für die Rechte der Arbeiterbewegung die Forderung nach einer Verbindung zwischen politischer und sozialer Gleichheit noch hochaktuell ist. Warum dies so sei, darauf könne die Arbeit von Dr. Elsässer Schlaglichter werfen, so Grabe-Bolz. Die Autorin zeigt in ihrer Arbeit auf, dass die politische Gleichheit per Wahlgesetz zwar gewahrt ist, dass aber Politik die Interessen der Wähler der unteren Schichten im Handeln nicht repräsentiert; dass sich dadurch die soziale Schere weiter öffnet; und dass damit, so sagt Dr. Elsässer, das Gleichheitsversprechen der Demokratie verletzt werde. Aus Sicht von OB Grabe-Bolz lohnt es sich, sich mit diesem Untersuchungsergebnis auseinanderzusetzen – besonders für politische Verantwortungsträger.

In der Laudatio betonte Professor Dr. Armin Schäfer den besonderen Verdienst der Preisträgerin, die Responsivitätsforschung auf Deutschland übertragen zu haben. In diesem Feld wird der Frage nachgegangen, in wie weit sich die Entscheidungen der Politik an den Meinungen und Interessen von Wählern orientieren. Mit hohem Aufwand habe Dr. Elsässer das bestehende Meinungsbild in der Bevölkerung, wie es sich in Umfragen ausdrückte, mit den Entscheidungen des Bundestages verglichen. Als Ergebnis stellt sie eine Schieflage der Entscheidungen zuungunsten sozioökonomisch Benachteiligter fest.

Der Verlust von Vertrauen in die Politik ist, so Dr. Elsässer in ihrer Rede zur Preisverleihung, dem Umstand geschuldet, dass die eigenen Interessen und Meinungen eben nicht zählten. Nicht gefühlt, sondern real. Wenn sich das Auseinandergehen der Schere zwischen Arm und Reich in den Entscheidungen des Bundestages als Benachteiligung der prekären Bevölkerungsgruppen wiederfinde, sei dies eine Gefahr für die Demokratie. Ein Schluss, den auch Wilhelm Liebknecht interessiert hätte.

Seite drucken:

Seite empfehlen: