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Sammlungskonzept

Die Sammlungen des Oberhessischen Museums zeigen eine große Bandbreite auf. Das Museum erhält und bewahrt seit seiner Gründung verschiedene Sammlungsgebiete, wie die Archäologie, die Kunst, ethnographische Objekte und die Volkskunde/Kulturgeschichte mit ihren jeweiligen Unterthemen. Gesammelt wurden überwiegend Objekte, die einen Bezug zu Gießen und der Region haben. Daneben sind in der Regel auf Privatinitiative entstandene Sammlungen als Schenkungen ins Museum gekommen.
Manche dieser Großbestände und Sondersammlungen sind mittlerweile abgeschlossen und werden nicht weiter besammelt, andere hingegen werden kontinuierlich erweitert. Wir wollen Ihnen hier den Kern der Sammlung vorstellen.

Einige unserer Neuerwerbungen stellen wir Ihnen zudem auf unserer Homepage vor. Aktuell ist das Museum intensiv mit der Aufarbeitung der eigenen Sammlung befasst. Große Bestände werden digital erfasst und inventarisiert.

Stadtgeschichte/Kulturgeschichte

Zu diesem Sammlungsbestand gehören die stadtgeschichtlichen Objekte, Möbelensembles aus dem Barock, dem Biedermeier, der Gründerzeit sowie des Jugendstils, Haushaltsgeräte, Kinderspielzeug und Familienportraits sowie Objekte der Gießener Industriegeschichte, wie zum Beispiel Kacheln der Firma Gail Keramik - im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts der wichtigste Produzent von Bau- und Architekturkeramik weltweit.
Das Oberhessische Museum strebt an, den Bestand der Kulturgeschichte weiterzuführen und zu ergänzen, vor allem mit Objekten zur jüngeren Zeitgeschichte (die vergangenen 100 Jahre). Neuzugänge der letzten Monate waren hier zum Beispiel ein Stuhl aus der alten Volkshalle (später Miller Hall) oder das Kassenfenster des Roxy Kinos.

Kunst/Kunsthandwerk

Zum primären Sammlungsgebiet der letzten Jahrzehnte gehörte die Kunst aus dem Gießener, dem hessischen und dem deutschen Raum, insbesondere des 19. und 20. Jahrhunderts mit einem deutlichen Schwerpunkt auf der zeitgenössischen Kunst (2. Hälfte 20. Jahrhundert). Darüber hinaus besteht eine mehrere Tausend Blatt umfassende Sammlung von Werken auf Papier aus der Zeit vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Zum Kunstbestand zählen zahlreiche Ansichten Gießens aus verschiedenen Zeiträumen.
Eine gezielte Erweiterung des Bestands ist derzeit nicht geplant. Jedoch werden weiterhin Objekte angenommen, wenn sie einen Gießen-Bezug aufweisen, oder den Bestand sinnvoll ergänzen, wenn sie etwa zur Vervollständigung eines bereits vorhandenen Konvoluts dienen.

Ethnographische Sammlung

Zur Ethnographischen Sammlung des Museums gehören mehr als 1.000 Objekte aus allen Teilen der Welt. Es handelt sich um Alltagsgegenstände, um rituell genutzte Objekte, Textilien, Masken sowie Musikinstrumente.
Dieser ethnographische Bestand ist abgeschlossen und wird nicht mehr weiter gesammelt. Die Objekte werden derzeit nicht ausgestellt, seit 2016 aber mit verschiedenen Drittmittelzuschüssen gesichert und erforscht. Die dringendste Klärung betrifft die Provenienz der einzelnen Objekte und schließlich die wissenschaftliche Sammlungsbewertung.

Archäologie/Geologie

Dieses Sammlungsgebiet bildete einen Schwerpunkt der Sammeltätigkeit der Anfangszeit des Museums. Es beinhaltet Objekte aus der Steinzeit, aber auch Funde aus der Kelten- und Germanenzeit sowie der Merowinger- und Karolingerzeit. Hier bildet vor allem die Stadtarchäologie einen Fokus, beispielsweise die Grabungsfunde vom Gießener Marktplatz 2005 (u.a. diverse Keramiken aus dem späten 12. und frühen 13. Jahrhundert). Die Sammlung wird nur in Kooperation mit der hessenARCHÄOLOGIE, der zuständigen Abteilung des Landesamts für Denkmalpflege Hessen, erweitert.

Die Weiterführung der Sammlung

Die Sammlungsstrategie des Museums konzentriert sich verstärkt auf den Bereich der stadtgeschichtlichen Objekte. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Migrationsgeschichte Gießens. Durch den Standort als Universitätsstadt und in der Nachkriegszeit als Erstaufnahmeeinrichtung ist Gießen stark geprägt vom Ankommen und Weggehen der Menschen. Auch dies soll sich zukünftig in der Sammlung widerspiegeln. Weitere wichtige Erweiterungsfelder sind etwa Zeugnisse des jüdischen Lebens in Gießen. Das können zum Beispiel Geschirrteile sein, die entweder von den jüdischen Familien an Nachbarn „zur Aufbewahrung“ weitergegeben wurden oder aus den Wohnungen jüdischer Deutscher entwendet wurden. Des Weiteren werden Objekte zur Universitätsgeschichte gesammelt. Ein Neuzugang ist hier beispielsweise der Rechenschieber des Physikprofessors Walter König, etwa aus der Zeit der Jahrhundertwende. Auch Objekte mit Bezug zur Festung Gießen und zur Garnisonsstadt sowie landesgeschichtliche Graphiken mit Gießen-Bezug sind von Bedeutung.Dabei werden Objekte ausgewählt, weil sie einen bestimmten Aspekt der Stadtgeschichte bezeugen können: Gesammelt wird in erster Linie, was eine Geschichte erzählen kann.

In der Sammlung befand sich beispielsweise eine Gemüseterrine aus Porzellan aus dem 18. Jahrhundert. Ihr fehlte jedoch der Deckel. 2019 bot ein Gießener genau diesen Deckel an, da er als Kind in den Trümmern des Alten Schlosses gespielt hat und diesen Deckel wiederzusammengesetzt und über die Jahre aufbewahrt hat. Hier bekommt folglich die Gemüseterrine, über die selbst wenig bekannt ist, eine ganz neue Bedeutung, weil sie uns über die Zerstörung des Alten Schlosses berichten kann. Vor allem sind also die Herkunft, die Provenienz bzw. die Objektgeschichten von herausragender Bedeutung. 

Ein Beispiel für eine aktuelle Sammlungserweiterung bilden Objekte, die die aktuellen Veränderungen der Gesellschaft im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie abbilden (#CollectingCorona). Das Oberhessische Museum will für zukünftige Generationen dokumentieren, wie sich der Alltag der Gießener*innen durch die Krise verändert hat. Dabei zielt die Sammlungsstrategie einerseits auf persönliche Zeugnisse und Eindrücke. Andererseits werden künstlerische Verarbeitungen dieser Ausnahmesituation in die Sammlung aufgenommen. 

Ansprechpartner*innen

Wenn Sie Fragen zu unseren Sammlungen haben oder dem Museum Objekte zur Übernahme anbieten möchten, schreiben Sie uns gerne eine E-Mail, wenn möglich mit einem Foto des betreffenden Objekts. Selbstverständlich freuen wir uns auch über einen Anruf. Informationen, die uns bei der Recherche unterstützen können, sind Namen von Besitzer*innen und Hersteller*innen, Entstehungsdatum, Aufbewahrungsorte und so weiter. Je mehr Informationen, desto einfacher können wir entscheiden.

Kontakt: museum@giessen.de

Tel.: 0641 960 973 0 

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