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Restaurierungsberichte

Das Oberhessische Museum beherbergt eine vielseitige Sammlung von Objekten der Kunst- und Kulturgeschichte und es ist die Aufgabe des Museums diese zu bewahren.
Dabei wird an jedes Objekt der qualitative und kulturhistorische Anspruch gestellt, dass seine Authentizität erhalten wird. Dazu gehören auch Spuren des Gebrauchs, der Alterung sowie der Beschädigung. Restauratorische Maßnahmen dienen daher vor allem der präventiven  Konservierung, aber auch der Aufbereitung von Objekten für den Ausstellungskontext oder den Transport.

Das Oberhessische Museum hat keine eigene Restaurierungswerkstatt, weshalb externe Fachrestaurator*innen mit ihrer jeweiligen Spezialisierung für Projekte involviert werden. An dieser Stelle stellen wir Ihnen einige unserer abgeschlossenen Restaurierungsprojekte vor und gewähren Ihnen Einblicke in die Arbeit eines/r Restaurators/in.

Restaurierung und Konservierung des Portraits »Gustav Bock« von Max Liebermann, Kreidezeichnung

Das Portrait von Gustav Bock aus dem Jahr 1908 stammt aus der Hand des Künstlers Max Liebermann (1847 – 1935). Die 33,3 x 24,1 cm große Kreidezeichnung wurde von Martina Noehles, einer Graphik- und Papierrestauratorin, restauriert und konserviert.
Die Zeichnung wies u.a. Vergilbungen mit einem umlaufenden, helleren Belichtungsrand, Oberflächenschmutz sowie eine vertikale Verwischung der Kreide in der Blattmitte auf, die in der Zeichnung als heller Strich und über dem Kopf als dunkle Wischspur auftrat.
Frau Noehles konnte mithilfe einer partiellen Trockenreinigung die Wischspur über dem Kopf korrigieren, wozu sie einen Latexschwamm und einen Radierstift verwendete. Die helle Wischspur in der Zeichnung retuschierte sie mit einem Pastellstift.

Die Rahmung, Restaurierung und Konservierung wurden finanziert von der MUSEUMSGESELLSCHAFT GIESSEN - Verein zur Förderung des Oberhessischen Museums e.V.

Restaurierung und Transportvorbereitungen von 16 Holzskulpturen

Da im Alten Schloss Renovierungsarbeiten anstehen, müssen auch die 16 spätmittelalterlichen Holzfiguren zwischenzeitlich im Depot aufbewahrt werden. Dazu wurden sie von Restaurator Manfred Schürmann für den Transport vorbereitet.
Seine Aufgabe bestand vor allem darin, die Fassung der Skulpturen zu sichern. Die Fassung ist die farbliche Bemalung, die sich durch Erschütterungen etc. ablösen kann. Die Teilchen, die sich dabei vom Holzträger lösen können, werden wiederum als Schollen bezeichnet. Dafür wurden zwei Festigungsmittel verwendet: ein Hautleim, der aus Rinderhäuten hergestellt wird, und Methocel. Dabei ist es wichtig, dass Materialien verwendet werden, die auch in der Figur selbst enthalten sind. Bis in die 1980er Jahre wurden Kunststoffe bei der Sicherung eingesetzt, die im Gegensatz zu Methocel nicht reversibel sind. Die hauptsächlich aus Cellulose bestehende organische Verbindung jedoch ist spannungsarm und lässt das Holz unter der Schicht weiter arbeiten, so dass sich keine Risse bilden.
Das Festigungsmittel wird auf der Christusfigur, die um 1480 entstanden ist, aufgetragen und die Schollen anschließend mit einem Silikonpinsel angedrückt. Um solch eine Figur zu sichern, benötigt der Restaurator etwa einen Arbeitstag.

Restaurierung eines Rahmens

Der Rahmen des Gemäldes wies mehrere Fehlstellen im Ornament auf, die nachträglich ergänzt wurden. Allerdings entsprachen die Ergänzungen weder in ihrer Form, noch in ihrer Färbung dem Original. Daher entschied sich die Restauratorin Sabine Kuypers, spezialisiert auf Gemälde, Rahmen und Skulpturen, die unschönen Ergänzungen zu entfernen und zu korrigieren.
Weil die originale Vergoldung des Rahmens in der Vergangenheit nachträglich mit einem Goldlack überstrichen wurde, legt Sabine Kuypers die Fassung, also die ursprüngliche Vergoldung, frei. Auf dem Bild sieht man die Materialien, die für die Fehlstellenergänzung benötigt werden. Mit Silikonabformmasse wird ein Abdruck vom originalen Ornament einer intakten Ecke gemacht: Dieses Modell wird nach der Aushärtung mit Kittmasse gefüllt. Dann erfolgt das Einsetzen des Abdruckes in die Fehlstelle.

© Fotos: Sabine Kuypers

Restaurierung einer Jugendstil-Skulptur aus Keramik

Die glasierte Keramikskulptur wurde 1928 von G. Rieger hergestellt und trägt keinen Titel. Sie ist 42 x 20 x 13 cm groß und wies grau verfärbte Retuschen am linken Handgelenk sowie am rückseitigen Stützpfeiler auf. Zudem war an dem Handgelenk eine grobe und rissige Kittung zu erkennen. 

Die Dipl.-Restauratorin Birgit Schwahn hat die Restaurierung durchgeführt. Sie hat dafür im ersten Schritt die Retuschen mit einem Mikrodampfstrahlgerät und destilliertem Wasser entfernt. Dabei zeigte sich, dass Fragmente des Stützpfeilers auf der Rückseite bei einer früheren Restaurierung einmal geklebt wurden. Die „Altklebung“ wurde von ihr entfernt. Auch die linke Hand der Figur wurde entfernt und die Bruchkanten anschließend wieder isoliert und neu geklebt.
Im letzten Schritt wurden weitere Fehlstellen und Ausbrüche ergänzt und retuschiert.

© Fotos: Birgit Schwahn

Restaurierung eines Meissen-Tellers

Der Teller der Marke Meissen (Durchmesser 18 cm) bestand vor der Restaurierung aus sechs Scherben, die ehemals geklebt und zum Teil stark überretuschiert wurden. Dabei wurde auch originaler, noch gut erhaltener Dekor über- bzw. nachretuschiert.

Die Dipl.-Restauratorin Birgit Schwahn erhielt den Teller in zwei Teilen, da die Altklebung sich bereits gelöst hatte. Birgit Schwahn löste alle Klebungen mit warmen Wasser und Tensid, eine Art Lösungsvermittler, sowie mit einem Mikrodampfstrahlgerät. Die Klebstoffreste wurden anschließend ebenfalls mit dem Mirkodampfstrahlgerät, einem Glasfaserpinsel und einem Skalpell entfernt. Außerdem nahm Frau Schwahn nach der Neuklebung die Ergänzung kleinerer Fehlstellen und Ausbrüche vor. Im letzten Schritt folgten die Retusche des roten Dekors und die minimale Ergänzung vom Golddekor mit Blattgold.

© Fotos: Birgit Schwahn

Restaurierung des Gemäldes »Beim Lampenschein« von Carl F. W. Geist

Das Ölgemälde auf Leinwand „Beim Lampenschein“ von Carl. F. W. Geist (1870-1931) ist 84,5 x 63,5 cm groß und wurde im Jahr 1897 angefertigt. Es wurde von der Dipl.-Restauratorin Barbara Dietz restauriert. Die Restaurierung hatte das Ziel, neben den konservatorischen Maßnahmen, eine ästhetische Verbesserung des Erscheinungsbildes herzustellen, um es in einen ausstellungsfähigen Zustand zu bringen.

Das Gemälde befand sich in keinem guten Zustand, da sich starke Lockerungen der Malschicht abzeichneten und sich an den Rändern schlecht angepasste Kittungen zeigten. Zudem war die Oberfläche von einer dicken glänzenden Firnisschicht bedeckt, die nur wenig Leinwandstruktur erkennen ließ und große Bereiche in der unteren Bildhälfte waren offenkundig schwarz übermalt. Durch die großflächige Übermalung waren die originale Farbpalette sowie die Formen des strukturierten Pinselduktus an einigen Stellen im Gemälde verloren gegangen. 

Im ersten Schritt erfolgte die Festigung und Niederlegung der losen Malschicht im unteren Bildbereich mit Störleim. Wegen des harten, transparenten Überzuges in diesem Bereich war eine vollständige Niederlegung mancher Malschichtschollen allerdings nicht möglich.

Zur Abnahme der Firnis und der Übermalung hatte Frau Dietz Proben genommen, die ergaben, dass eine tieferliegende transparente Schicht zwischen Malschicht und Übermalung besteht, die stark getrübt ist und dadurch die originale Farbe verdeckt. Anhand von weiteren UV-Aufnahmen ließen sich die Übermalungen deutlich erkennbar machen.
Für die Abnahme sowohl des Firnis als auch der Übermalungen wurde Ethanol, zur Nachreinigung Isopropanol verwendet.
Durch die Abnahme der Übermalungen konnten die originale Farbigkeit und die originale Oberflächenstrukturen der Leinwand und des Pinselduktus wiedergewonnen werden. Doch stellte sich heraus, dass die Übermalungen nicht bei allen Bildbereichen entfernt werden kann, weshalb sie an manchen Stellen stehen gelassen wurde.

Nach dem Abschluss dieser Maßnahme wurden die alten weißen Kittungen überabeitet und einige neue Leim-Kreide-Kittungen hinzugefügt. Anschließend wurde noch versucht, den Abschlussfirnis zu mattieren.

Inhalt und Fotos: Barbara Dietz

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