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02.05.2022

Oberhessisches Museum wird Teil von museum4punkt0

Bundesweites Verbundprojekt - Digitale Strategien für das Museum der Zukunft

Das Oberhessische Museum beteiligt sich mit einem Teilprojekt im Verbund museum4punkt0, der aus 27 Teilprojekten besteht und von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz koordiniert wird. Dabei handelt es sich um eine besondere Förderung digitaler Kulturvermittlung der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages, die Kultureinrichtungen unterschiedlichster Größe und Ausrichtung aus ganz Deutschland vernetzt. Über Institutionsgrenzen hinweg und disziplinübergreifend werden digitale Angebote für neue Arten des Lernens, Erlebens und Partizipierens im Museum entwickelt.

Mit der Förderung besteht die Möglichkeit und die Aufgabe innovativ zu sein: das Programm ist explizit dazu gedacht neue Wege für Museen zu öffnen. museum4punkt0 kann entsprechend in den Prozess, den das Oberhessische Museum gerade vollzieht, integriert werden. Im Projekt und im Museum wird das Ausprobieren, Umdenken, Experimentieren und Zukunftsdenken in den nächsten Monaten im Mittelpunkt stehen.

„imp – immersiv partizipieren. Virtuelles Storytelling im Museumsraum“

Im Fokus des Teilprojekts „imp – immersiv partizipieren. Virtuelles Storytelling im Museumsraum“ steht das beliebte Stadtmodell der Gießener Altstadt der 1930er Jahre. Es soll durch innovative digitale Ergänzungen mit Hilfe von Bürgerwissen partizipativ erweitert werden. Diese Ergänzungen existieren so in der Museumspraxis noch nicht: weitere Straßenzüge werden virtuell und real hinzukommen, einzelne Gebäude werden digital begehbar und historische Orte für die Besucher*innen erlebbar.

Die digitale Erweiterung des Stadtmodells

Der Ansatz von museum4punkt0 ist zudem, digitale Lösungen zu entwickeln, die auch andere Museen nutzen können. In diesem Sinn ist gerade die Erweiterung des Stadtmodells ins Digitale nachhaltig nutzbar: Da architektonische Modelle in deutschen Stadtmuseen, insbesondere durch die kriegsbedingten Zerstörungen vieler historischer Bauten, eine Highlight-Funktion innehaben, kann das Projekt des Oberhessischen Museums (OHM) als einzigartiger Prototyp zukünftig für viele kommunale Häuser nutzbar gemacht werden. Die Erinnerungskultur an verschwundene Lebenswelten vieler deutscher Städte soll hierdurch gefördert werden.

Das Gießener Stadtmodell zeigt bislang nur den innersten Kern der Stadtmitte, aber viele bedeutende Gebäude fehlen in der analogen Darstellung noch, wie etwa die (zerstörte) Hauptsynagoge oder das Stadttheater. Im Rahmen des Projekts werden Gießener Expert*innen die bisher weißen Flächen durch die Projektion des Stadtplans füllen. Im Sinne der Citizen Science sind es diese Expert*innen, mit denen das Museum gemeinsam und kollaborativ einzelne bedeutende Gebäude durch 3D-Drucke ergänzt.

Das Neuartige an der Erweiterung des Gießener Modells besteht darin, dass sie über die Rekonstruktion einzelner Gebäude oder historischer Straßensituationen hinausgeht. Auf vorhandenen und ergänzten Gebäuden können Projektionen sichtbar werden, die das Modell zum Leben erwecken und einen niedrigschwelligen Einstieg in die Stadtgeschichte gewährleisten. Zur Weiterentwicklung dienen hier weitere Gebäudemodelle aus der eigenen Sammlung, die in das digitale Stadtmodell integriert werden können.

Eine Idee, die im Rahmen von museum4punkt0 ausprobiert werden soll: das Museum besitzt ein Modell des Alten Gießener Rathauses – ein Fachwerkhaus, das im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört wurde. Für die Besucher*innen könnte es zukünftig vielleicht möglich sein, per Augmented Reality das Dach des Rathauses virtuell anzuheben und in die Zeit vor der Zerstörung hineinzuschauen. Die Grundfunktionalität besteht also darin, nicht nur die äußere Ansicht der Stadt zu rekonstruieren, sondern ganz barrierearm auch Einblick in die heute zerstörten Gebäude und die historischen Lebenszusammenhänge der Menschen zu erhalten.

Implementierung eines immersiven Audio-Walks

Über die digitale Erweiterung des Stadtmodells hinaus ist geplant, dass dieses Exponat in einen multisensorischen Rundgang eingebettet werden kann, der die Besucher*innen auf spielerische, aktivierende und sinnliche Weise durch digitale Formate in die erzählerische Welt der Stadtgeschichte hineinzieht und sie teilhaben lässt. Besucher*innen sollen dazu mit mobilen und gezielt verortbaren Audiogeräten ausgestattet und darüber geleitet werden. An festinstallierten, barrierefrei zugänglichen Medienstationen, Projektionen und (multi)touch-Systemen können sie zu gemeinsamen, spielerischen Interaktionen aufgefordert werden. Die Bewegungen der Besucher*innen lösen dabei unterschiedliche digitale Vermittlungselemente aus, die einen Museumsbesuch zu einem individuellen und zugleich gemeinschaftlichen Erlebnis werden lassen.

Der Audio-Walk soll die Nutzer*innen in die Geschichte der Stadt hineinziehen und zu Interaktionen bewegen, so dass sie in emotionale Welten eintauchen können. Auf der Vermittlungsebene dienen diese emotionalen Erzählungen und das Hineinversetzen in andere Rollen dazu, die Geschichten nachhaltig zu vermitteln und auf diese Weise die Besucher*innen anzusprechen und ins Staunen zu versetzen.

Struktur des Projektes

Das Oberhessische Museum wird durch die Arbeit im Verbund museum4punkt0 Teil eines deutschlandweiten Netzwerkes verschiedener Museen (vgl. Anlage Presseinfo Verbund museum4punkt0). Die Projektlaufzeit begann im März 2022 und endet am 31. Dezember 2022.

Für die inhaltliche Mitarbeit konnte das Gestaltungsbüro STUDIO NEUE MUSEEN gewonnen werden, das bereits in die Konzeption der Dauerausstellung involviert ist. So ist eine nachhaltige und langfristige Nutzung der in diesem Jahr entstehenden digitalen Anwendungen auch in der neuen Dauerausstellung möglich.

 

Oberhessisches Museum

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